Dienstag, 21. März 2017

Zwei Mordverdächtige waren Geheimdienstoffiziere. Training in berüchtigter Schule der US-Streitkräfte in Fort Benning

Zwei Mordverdächtige waren Geheimdienstoffiziere. Training in berüchtigter Schule der US-Streitkräfte in Fort Benning



Protest nach dem Mord von Berta Cáceres in Honduras
Quelle: cidh Lizenz: CC by 2.0
Ein Jahr nach dem Verbrechen an der honduranischen Aktivistin Berta Cáceres haben 1 Nachforschungern ergeben, dass zwei der für den Mord festgenommenen Personen Offiziere des Geheimdienstes waren. Sie wurden in der School of the Americas in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia, ausgebildet.

Grundlage dieser Information sind Aufzeichnungen der honduranischen Streitkräfte und juristische Dokumente, zu denen die Journalistin Nina Lakhani Zugang hatte. Sie veröffentlichte am Dienstag, den 28. Februar einen Artikel in der britischen Tageszeitung The Guardian.

Diesen Quellen zufolge wurden der Major Mariano Díaz Chávez und der ehemalige Leutnant Douglas Giovanny Bustillo 1997 in der School of the Americas ausgebildet, die traurige Berühmtheit erlangte. Hier wurden jahrzehntelang lateinamerikanische Militärs im Gebiet des Panamakanals trainiert, seit 1984 ist sie im Fort Benning in Georgia stationiert und trägt heute den Namen Western Hemisphere Institute for Security Cooperation.

Darüber hinaus wurde Díaz 2005 in der Inter-American Air Forces Academy (IAAFA) ausgebildet. Die IAAFA war bis 1989 in Panama stationiert, später dann in der Homestead Air Reserve Base in Florida, bis diese durch den Hurrikan Andrés zerstört wurde, und schließlich seit Anfang 1993 in der Lackland Air Force Base in Texas2. Dort nahm Mariano Díaz im Jahr 2005 an einem Kurs zum Thema "Antiterrorismus" teil.

Beide Militärs werden beschuldigt, das Verbrechen organisiert zu haben und wurden im Mai 2016 gemeinsam mit Sergio Ramón Rodríguez und Edilson Antonio Duarte festgenommen. Letzterer wurde als derjenige identifiziert, der bei dem Attentat, das Berta Cáceres am 2. März jenes Jahres das Leben kostete, die Schüsse auf sie abfeuerte. Duarte, der schon seit einiger Zeit als Auftragsmörder tätig war, sagte aus, dass er von Sergio Rodríguez engagiert worden war, dem Geschäftsführer des geplanten Wasserkraftwerkes Agua Zarca, das vom Konzern Desarrollos Energéticos SA (DESA) gebaut wird. Präsident dieses Unternehmens ist Robert David Castillo Mejía, ein weiterer Ex-Offizier des Militärgeheimdienstes.

Berta Cáceres trieb in ihrer Rolle als Anührerin des Zivilen Rates der Indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) den Kampf gegen Agua Zarca voran und prangerte die Folgen an, die das Projekt für den Fluss Gualcarque und in den Gemeinschaften der Lenca in diesem Gebiet haben würde.

Leutnant Bustillo, der sich 2008 vom Militärdienst zurückgezogen hatte, war der Sicherheitschef von DESA und derjenige, der gemeinsam mit Díaz den Mord geplant hatte. Im Rahmen seiner Funktion in dem Unternehmen hetzte Bustillo wiederholt gegen Berta Cáceres, die bereits 2013 in einer Reportage die Bestechungsversuche und Drohungen öffentlich angeprangert hatte. "(Rodríguez) hat mir Bestechungsgelder angeboten, für mich und COPINH", berichtete. "Als das nicht funktionierte, folgten die ganzen Beschuldigungen, die schon allseits bekannt sind, und Todesdrohungen. Ich habe auch Nachrichten vom Sicherheitschef des Unternehmens (Bustillo) auf meinem Telefon, die sexuelle Belästigung beinhalten", hatte Berta im Interview mit dem Journalisten Dick Emmanuelson ausgeführt.

Die "Spezialeinheiten"

Neben Díaz und Bustillo war auch Henry Javier Hernández an der Operation beteiligt, ein ehemaliger Scharfschütze, der unter dem Kommando von Díaz im 15. Bataillon gedient hatte. Das 15. Bataillon ist eine der beiden Spezialeinheiten der honduranischen Armee, die in den 1980er Jahren von den USA mit dem Ziel gegründet und geschult wurden, ihre Strategie der Aufstandsbekämpfung (Counterinsurgency) zu entwickeln.

Es war die Zeit, als Honduras die "Contras“ unterstützte, die in Nicaragua die Sandinistische Revolution bekämpften. Auch gegen die Regierungen in El Salvador und Guatemala, die den USA vollständig untergeordnet waren, entwickelten sich Prozesse des bewaffneten Kampfes. Drei Jahrzehnte später besteht die Struktur der Spezialeinheiten, die durch das United States Southern Command (Südliches Kommando der USA)3 geschult werden, nach wie vor fort. Als Vorwand werden jetzt die "umfangreichen Bedrohungen" angeführt, insbesondere der Kampf gegen den Terrorismus und die Drogen.

Das 15. Bataillon sowie das Trainingszentrum der Spezialeinheiten haben ihren Sitz in Bajo Aguan, eine der Regionen mit den meisten sozialen Konflikten in Honduras. Die ländlichen Gemeinschaften in dieser Region klagen die Repression durch das Militär an. Hier wurde der größte Teil der insgesamt 124 Anführer und Aktivisten sozialer Bewegungen ermordet, die gegen die Monokulturen der Ölpalme in den Händen transnationaler Konzerne in Verbindung mit lokalen Unternehmen gekämpft hatten. Diese Firmen üben praktisch die Befehlsgewalt über die Militärkorps aus, die die Anti-Terror-Doktrin gegen die Bevölkerung anwenden, welche Widerstand gegen Projekte leistet, die sich auf ihrem Territorium niederlassen wollen.

Nach seinem offiziellen Rücktritt im Jahr 2013 wurde Hernández zu einem Informanten des militärischen Geheimdienstes, bis er im Januar 2017 verhaftet wurde. Der Veröffentlichung in The Guardian zufolge zeigen telefonische Aufzeichnungen, die Bestandteil des gerichtlichen Verfahrens sind, dass sich Bustillo und Hernández bereits einige Tage vor dem Mord in dem Dorf La Esperanza aufgehalten hatten, wo Berta Cáceres lebte.
Die Information belegt auch, dass gegen den Major im Dienst, Mariano Díaz, zum Zeitpunkt seiner Verhaftung wegen Entführungen und Drogenhandel ermittelt wurde. Dennoch stand er kurz vor einer Beförderung.

"In unserem Land gibt es eine Diktatur"

Olivia Zuñiga, die älteste Tochter von Berta Cáceres, ist der Auffassung, dass der honduranische Staat von einer "kriminellen Elite" regiert wird, "die auch aus Unternehmern besteht, die zugunsten des transnationalen Kapitals und nicht im Sinne der großen Mehrheiten unseres Volkes agiert." In einem Interview mit dem argentinischen Nachrichtenportal Notas wies sie darauf hin, dass dies ein Moment sei, "in dem sich die Diktatur in unserem Land mit Politiken des Terrors durchsetzt".

"Das Verbrechen an Berta Cáceres bestätigt all die Vermutungen darüber, dass viele Gefährtinnen und Gefährten von Todesschwadronen ermordet wurden, weil sie das Leben verteidigten. Wir haben es immer angeprangert und als soziale Bewegungen sind wir uns sicher gewesen: Wie in den 80er Jahren wird seit dem Staatsstreich in Honduras eine neue Operation Condor umgesetzt. Der Putsch im Jahr 2009 war entscheidend, um erneut all die paramilitärischen Gruppierungen, die Todesschwadronen zu reaktivieren."

"Obwohl sie eine auch international sehr bekannte Führungspersönlichkeit und weltweit anerkannt war, konnte dies die kriminellen Eliten nicht davon abhalten, sie durch Todesschwadronen und einen regelrechten Krieg gegen unsere Völker ermorden zu lassen, mit Elitetruppen, die in den USA, in Kolumbien und in Israel ausgebildet wurden“, fasste Zuñiga zusammen.

Fernando Vicente Prieto ist Journalist aus Argentinien, Korrespondent von Notas - Periodismo Popular in Caracas und Mitarbeiter in anderen Medien. Neben seiner Berichterstattung für Notas.org.ar, ist er Teil des Kommunikationsteams von ALBA movimientos und des Projektes Crónica de Comunas.
  • 1. Die 1946 gegründete School of the Americas stand wegen der Ausbildung rechts gerichteter Militärs und Paramilitärs auch in Foltertechniken und der massiven Unterstützung der Militärdiktaturen in Lateinamerika in der Kritik. Viele der Absolventen waren später maßgeblich an den schmutzigen Kriegen in ihren Ländern beteiligt. Im jahr 2000 wurde sie geschlossen, jedoch 2001 unter dem Namen Western Hemisphere Institute for Security Cooperation wieder eröffnet
  • 2. An der Inter-American Air Forces Academy auf der Lackland AFB werden über 160 Kurse in spanischer Sprache für Militärangehörige aus 19 Ländern Lateinamerikas durchgeführt
  • 3. Das United States Southern Command (SOUTHCOM) ist das für Lateinamerika und die Karibik zuständige Regionalkommandozentrum der US-Streitkräfte. Es ist verantwortlich für die Koordination und Führung aller militärischen Operationen der USA in der Region

Umkämpftes Tropenparadies: Garifuna in Honduras

Medellin David Hernández
Quelle: HondurasDelegation

Die afro-indigenen Garifuna leben in kleinen Gemeinden an der Karibikküste Zentralamerikas – seit Generationen. Doch der Druck auf sie wächst: In Honduras, dem Land in dem die meisten Garifuna leben, sollen sie Investoren weichen, die sich von ihrem Land und den Ressourcen ein lukratives Geschäft erhoffen. Doch die Garifuna wehren sich gegen die mächtigen Gegner und kämpfen für ihr Land – und ums Überleben. Ende 2016 war eine Delegation von Aktivist*innen in Honduras unterwegs, um sich die Situation vor Ort genauer anzusehen.



erschienen auf:
https://www.npla.de/podcast/umkaempftes-tropenparadies-garifuna-in-honduras/

Mittwoch, 8. März 2017

ILA mit dem Schwerpunkt Honduras erschienen

"Mit seinen 112 000 Quadratkilometern kommt Honduras auf etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, hat aber nur knapp neun Millionen EinwohnerInnen. Das zentralamerikanische Land sorgt seit vielen Jahren nur für Negativschlagzeilen.(...)

Auch die wirtschaftliche Situation ist angespannt: Angestellte der Nationalen Registrierungsbehörde, des Agrarinstituts INA und des Leonardo-Martínez-Krankenhauses streikten Ende Dezember, um endlich ihre ausstehenden Löhne zu bekommen.
Die Menschen in Honduras überleben vor allem dank der Remesas, der Überweisungen der im Ausland lebenden Verwandten, die 2016 knapp vier Milliarden US-Dollar schickten. Das ist in der Zahlungsbilanz der zweitgrößte Posten nach den Einnahmen aus dem Kaffeeexport. Schätzungen zufolge leben aktuell über eine Million HonduranerInnen in den USA, davon über 90 Prozent ohne gültigen Aufenthaltsstatus.
Im Jahr 2016 sind gut 22 000 von ihnen aus den USA abgeschoben worden und knapp 45 000 aus Mexiko – das sind, wohlgemerkt, Zahlen aus der Prä-Trump-Ära. Man mag sich gar nicht ausmalen, was sich alles noch zuspitzt, wenn der wahnsinnige Milliardär aus Washington nun Ernst macht mit seinen angekündigten Antimigrationsplänen – Mauerbau, Einreiseverbote, verstärkte Abschiebungen.(...)

Ein ziemlich bitteres Szenario. Aber es gibt auch andere Facetten: Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen, indigene oder afro-honduranische Organisationen, die für ihr Land und eine intakte Umwelt streiten. Bewegungen, die nach dem Putsch 2009 entstanden oder zumindest einen enormen Mobilisierungsschub erlebten und die nach wie vor für ein besseres Honduras und für ihre Rechte streiten, etwa die Organisationen der LGBTI-Community. Zuletzt haben die Proteste der Studierenden gegen Korruption und erschwerte Studienbedingungen für Aufmerksamkeit gesorgt. Man kann es auch wie der honduranische Gewerkschaftsaktivist Carlos H. Reyes betrachten: „Man darf nicht verzagen. Wir hatten in der Vergangenheit schon schlimmere Situationen, die wir letztlich auch überwunden haben.“ Das können wir so stehen lassen.
Der Schwerpunkt dieser ila ist übrigens dem unermüdlichen Engagement der HondurasDelegation zu verdanken: Die TeilnehmerInnen der letzten Delegationsreise Ende 2016 haben zu einem Großteil die Beiträge und Fotos zu diesem Schwerpunkt beigesteuert. Wir bedanken uns herzlich für die überaus fruchtbare Zusammenarbeit!"
Der Schwerpunkt "Honduras" der ila 402 hat einen Umfang von 40 Seiten (das gesamte Heft 64 Seiten) und kann zum Preis von 6,00 Euro bei der ila (Heerstraße 205, 53111 Bonn, Tel 0228-658613, E-Mail vertrieb@ila-bonn.de, Internet: www.ila-web.de bestellt werden.

Sonntag, 5. März 2017

Veranstaltung in Köln - Film und Diskussion am 9. März

Film und Diskussion über Widerstand und Repression in Honduras, anlässlich des Todestages von Berta Cáceres

„La Voz del Gualcarque“ Do, 9. März 2017 - 19 Uhr
Im Allerweltshaus Köln, Körnerstr. 77-79, Köln-Ehrenfeld
Großer Saal

Zahl was du kannst, was es dir wert ist


Ein Jahr nach dem Mord an Berta Cáceres (03.03.2016), zeigen wir den Film „La Voz del Gualcarque", um an das Leben und Wirken von Berta zu erinnern. Der Mord an der international ausgezeichnete Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres ist der bisherige Höhepunkt der Repressionen des Protestes gegen das geplante Wasserkraftwerk „Agua Zarca" in West- Honduras. Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen.

Dieser Konflikt ist einerseits Beispielhaft für die zahllosen Energie,- Bergbau-, und Tourismus Projekte, die seit dem Putsch von 2009 unter dem Motto „Honduras is Open for Business“ mit starker Beteiligung internationaler Investoren ins Leben gerufen wurden. Andererseits ist die Kriminalisierung des Protestes und die ausufernde Gewalt beispielhaft für die Lage all jener, die sich in dem zentralamerikanischen Land für Demokratie, die Verteidigung der Gemeingüter (v.a. Land und Wasser) und eine andere Gesellschaft einsetzen. Berta Cáceres ist die prominenteste unter den zahlreichen Opfer der systematischen Repression und der anhaltenden Straflosigkeit. Zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod ist Berta Inspirationsquelle für den ungebrochenen Widerstand -auch über die Landesgrenzen hinaus. Weltweit wird eine unabhängige Aufklärung des Mordes gefordert, bislang vergeblich. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit mit den Filmemacher*innen über die Lage in Honduras, den kolonialen Charakter „grüner“ Energieprojekte, sowie Handlungsmöglichkeiten hierzulande zu diskutieren.

Mehr infos unter:
http://www.allerweltshaus.de

Samstag, 4. März 2017

"Berta lebt! Die Stimme des Gualcarque"

En Rio Blanco en la orilla del río Gualcarque; Fuente: CADEHO

MITTWOCH - 08.03.2017 10:00 – 14:00 Uhr Brunch + Film: Brunch und Projektion des Dokumentarfilms über die indigene Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres, der Kampf für die Verteidigung der Aktivist*innen und für die Umwelt in Anwesenheit von Ocote-Film, die den Dokumentarfilm realisierten und Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO).

MIÉRCOLES - 8 de marzo 2017  10:00 – 14:00 h | Brunch + Film: “¡Berta vive! La voz
del Gualcarque”. Documental sobre Berta Cáceres y su lucha por el agua en Honduras con equipo Ocote-Film, que realizó el documental y Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO). Traer algo para compartir en el desayuno.

Xochicuicatl e.V.
Winsstr. 58 10405 Berlín Teléfono: 030 - 278 63 29     
www.xochicuicatl.de www.coro-xochi.net

Wenn „Entwicklung“ tödlich ist



Solidarität mit den Kämpfen um Land und Selbstbestimmung in Lateinamerika

Wir gedenken am 3. März 2017 der vor einem Jahr ermordeten honduranischen Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Einige von uns haben sie persönlich gekannt, viele hat sie mit ihrem Mut, ihrer klaren Analyse und ihrem Beharren auf eine gerechtere Welt inspiriert. „Berta ist nicht gestorben – sie hat sich verfielfacht“

Wir wollen nicht Berta alleine gedenken, sondern all denjenigen – viel zu vielen – die ebenfalls im Kampf um die Menschenrechte, für das Rechte auf eine saubere Umwelt, den Kampf gegen Vertreibung in ganz Lateinamerika ermordet wurden. 217 Menschenrechtsverteidiger*innen starben der Organisation Frontline Defenders zufolge allein im Jahr 2016 eines gewaltsamen Todes, 85 in Kolumbien, 58 in Brasilien, 33 in Honduras, 26 in Mexiko, 12 in Guatemala und jeweils eine*r in El Salvador, Peru und Venezuela. Auch das laufende Jahr hat mit einer erschreckenden Zahl von Morden begonnen, nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission waren es bis Anfang Februar 2017 14. Es findet ein Krieg gegen die ärmsten Bevölkerungsschichten statt, ein Krieg, in dem nur die Opfer zu sehen sind und die Täter, gedeckt von Regierungen, Militär und Wirtschaftseliten selten ermittelt oder gar bestraft werden. Wir fordern daher im Mordfall Berta Cáceres, aber auch in vielen weiteren Fällen vollständige Aufklärung und die Bestrafung der Täter, einschließlich der Auftraggeber der Morde. Die überwiegende Straflosigkeit trägt dazu bei, dass die Morde an Menschenrechtsverteidiger*innen immer weiter gehen.

Donnerstag, 2. März 2017

Nach einem Jahr ihrer Aussaat: Berta lebt, COPINH kämpft weiter


Unsere Schwester, Compañera und Generalkoordinatorin Berta Cáceres zeigte uns, dass wir um unsere Rechte kämpfen müssen, und dass die Lencas in ihren Territorien jahrhundertelang unter Diskriminierung und Fremdherrschaft leiden mussten. Berta hat uns gezeigt, dass man Würde weder kaufen noch verkaufen kann; dass gerechte Kämpfe dem Leben einen Sinn geben; dass es wichtig ist, sein Leben für den Kampf und für den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu widmen und auch, dass wir keine Angst haben dürfen, das zu verteidigen was unser ist.

Vor einem Jahr haben sie die Compañera Berta Cáceres ermordet, haben ihr das Leben genommen, weil sie es nicht ertragen konnten, dass eine Frau, eine Indigene, sich mit ihren Leuten mutig der Ausbeutung unserer Territorien widersetzt hat und dabei Erfolg hatte.
Sie haben sie ermordet, weil in diesem Land dem Morden der Vorzug gegeben wird, anstatt miteinander zu sprechen und weil man der Annahme ist, dass durch den Mord auch die Ideen zum Schweigen gebracht werden.

Mittwoch, 1. März 2017

MENSCHENRECHTE ERKENNEN UND HANDELN - ¡Berta Vive!

Ein Jahr nach dem Mord an Berta Cáceres (03.03.2016), zeigen wir den Film „La Voz del Gualcarque", um an das Leben und Wirken von Berta zu erinnern. Der Mord an der international ausgezeichnete Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres ist der bisherige Höhepunkt der Repressionen des Protestes gegen das geplante Wasserkraftwerk „Agua Zarca" in West- Honduras. Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen.

Dieser Konflikt ist einerseits Beispielhaft für die zahllosen Energie,- Bergbau-, und Tourismus Projekte, die seit dem Putsch von 2009 unter dem Motto „Honduras is Open for Business“ mit starker Beteiligung internationaler Investoren ins Leben gerufen wurden. Andererseits ist die Kriminalisierung des Protestes und die ausufernde Gewalt beispielhaft für die Lage all jener, die sich in dem zentralamerikanischen Land für Demokratie, die Verteidigung der Gemeingüter (v.a. Land und Wasser) und eine andere Gesellschaft einsetzen. Berta Cáceres ist die prominenteste unter den zahlreichen Opfer der systematischen Repression und der anhaltenden Straflosigkeit. Zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod ist Berta Inspirationsquelle für den ungebrochenen Widerstand -auch über die Landesgrenzen hinaus. Weltweit wird eine unabhängige Aufklärung des Mordes gefordert, bislang vergeblich. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit mit den Filmemacher*innen über die Lage in Honduras, den kolonialen Charakter „grüner“ Energieprojekte, sowie Handlungsmöglichkeiten hierzulande zu diskutieren.