Von Johannes Schwäbl, Tocoa, amerika21.de
Bereits am Sonntag forderte die Räumung der von Kleinbauern besetzten Finca Los Laureles durch Polizei- und Militäreinheiten mindestens ein Todesopfer. Der 69-jährige Hector Navarro, der eine Lungenkrankheit hatte, starb an den Folgen des massiven Tränengaseinsatzes. Navarro war nicht an der Besetzung beteiligt, sondern hielt sich zum Zeitpunkt der Räumung auf seinem Privatgrundstück auf, welches an die Finca angrenzt.
Augenzeugen der Räumung zeigten sich entsetzt über das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte. So sei während der Räumung und der anschließenden Hetzjagd auf Aktivisten in dem an die Finca angrenzenden Stadtviertel massiv Tränengas eingesetzt worden. Laut Anwohnern drangen die schwerbewaffneten Einsatzkräfte, unter denen sich auch Angehörige des privaten Sicherheitsdienstes des Großgrundbesitzers Miguel Facussé befanden, gewaltsam in private Haushalte ein um nach flüchtigen Besetzern zu suchen. Zudem berichteten mehrere Anwohner, dass Tränengas direkt in ihre Häuser geschossen wurde. Das Gerücht über den Tod eines 14 Monate alten Kleinkindes wurde bisher nicht bestätigt.
Eine Menschenrechtsdelegation der US-Organisation La Voz de Los de Abajo wurde am Donnerstag von privaten Sicherheitskräften bedroht, als sie den Schauplatz der Räumung besuchte. Dabei feuerten die Sicherheitskräfte auch einen Warnschuss ab.
34 Personen, die bei der Räumung festgenommen wurden, sind nach 28 Stunden unter Bewährungsauflagen wieder freigelassen worden. Vor dem Justizgebäude wurden sie am Montag von Dutzenden Kleinbauern empfangen, welche auf die Freilassung warteten. Unter den Verhafteten befanden sich auch mehrere Minderjährige. Den Gefangenen, die bei der Verhaftung und während ihrer Gefangenschaft stark misshandelt wurden, wurde die ärztliche Notversorgung verweigert. Fünf der festgehaltenen Personen verließen das Justizgebäude schwer verletzt.
In Honduras sind zur Zeit gegen mehr als 2.500 Kleinbauern Verfahren wegen Landbesetzung anhängig. Besonders der Landkonflikt in Bajo Aguán ist seit dem zivil-militärischen Putsch 2009 und der Machtübernahme durch den De-facto-Präsidenten Porfiro Lobo immer weiter eskaliert und forderte bisher über 80 Todesopfer.