Bericht zum Mord an der honduranischen Umweltverteidigerin Berta Cáceres und der Rolle internationaler Entwicklungsbanken
mit Bertha Zúniga und Camilo Bermúdez (COPINH)
sowie einem Videobeitrag der Menschenrechtsanwältin Roxanna Altholz (GIEI Honduras)Dienstag, 09.05.2026 ab 18:00 Uhr
Versammlungsraum des Mehringhof
Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Mit Simultanverdolmetschung Deutsch - Spanisch
en español más abajo:
Berta Cáceres war eine international bekannte indigene Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin. Als Leiterin des Zivilen Rates der Indigenen und Basisorganisationen von Honduras (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras - COPINH) war sie das Gesicht des Widerstandes der Lenca-Gemeinden von Río Blanco gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 erschoss ein Killerkommando Berta in ihrem Haus. Vier Auftragsmörder und einige Mittelsmänner wurden drei Jahre später zu Haftstrafen verurteilt. Die Auftraggeber:innen blieben lange im Dunkeln.
Sonntag, 31. Mai 2026
Filmvorführung und Diskussion: Die politische Ökonomie der Gewalt
Sonntag, 8. März 2026
Berta Cáceres - 10 Jahre Straflosigkeit
“Despertemos, despertemos humanidad, ya no hay tiempo”
“Lasst uns aufwachen, Menschheit! - es bleibt keine Zeit mehr!”Wer war Berta Cáceres?
Berta Cáceres wurde am 4. März 1971 in La Esperanza-Intibucá, im ländlich geprägten Westen von Honduras geboren. Sie war eine Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin.
Montag, 2. März 2026
Berta Cáceres: Vos tenés la bala, yo tengo la palabra
Berlin. Am 2.März 2026 versammelten sich Aktivistinnen des Menschenrechtskollektivs CADEHO und Mitglieder des Naturfreunde-Chors zu einem gemeinsamen Gedenken vor dem Kanzleramt, um der indigenen Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres zu gedenken, die vor zehn Jahren aufgrund ihres Widerstandes gegen das illegale Wasserkraftwerk Agua Zarca in Honduras ermordet wurde.
Dienstag, 17. Februar 2026
Gedenken an Berta Cáceres - Kundgebung
Berta ist nicht gestorben, sie hat sich vervielfacht
Vor 10 Jahren wurde Berta Cáceres, Menschenrechts- und Umweltverteidigerin, indigene Aktivistin, Feministin, in ihrem Haus in La Esperanza in Honduras ermordet. Der politische Femizid folgte einem Mordkomplott zugunsten von Wirtschaftsinteressen, dessen Auftraggeber bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Staatliche Stellen wussten im Voraus von dem Plan, taten aber nichts, um Berta zu schützen. An ihrem 10. Todestag wollen wir gemeinsam Berta Cáceres gedenken sowie vollständige Aufklärung und Gerechtigkeit fordern. Dazu gehört auch die Anerkennung territorialer Rechte indigener Gemeinschaften. Wir protestieren gegen die fortdauernde Kriminalisierung, Bedrohung und Ermordung von Menschenrechtsverteidiger:innen in Honduras und ganz Lateinamerika.
Wann? Montag,
02.03. 2026 um 17:00 - 18:00 Uhr
Wo? Forum vor dem Kanzleramt
Freitag, 23. Januar 2026
Neue Banknote in Honduras ehrt die ermordete Aktivistin Berta Cáceres
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Quelle:copinh/Instragram |
Tegucigalpa. Die Zentralbank von Honduras hat eine neue Banknote mit der Abbildung von Berta Cáceres vorgestellt. Die indigene Aktivistin wurde aufgrund ihres Widerstands gegen ein Wasserkraftprojekt am 2. März 2016 ermordet. Während der Präsentation der 200-Lempira-Banknote (circa 6,5 Euro) drückte Austraberta Flores, die Mutter der Aktivistin, ihre Dankbarkeit für diese institutionelle Anerkennung aus.
Mittwoch, 14. Januar 2026
Expertenbericht in Honduras belastet Banken und Staat wegen Mord an Cáceres
Mitverantwortung internationaler Entwicklungsbanken bestätigt. Behörden wussten von Mordplänen
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Berta ist weltweit zur Ikone für Widerstand und Umweltschutz geworden |
Sonntag, 2. März 2025
Gedenken an Berta Cáceres
Hoy, 2 de marzo de 2025 nos juntamos en un lugar historico de la capital de Alemania para honrar el legado de una lideresa historica del pueblo Lenca, de Honduras y del mundo.
Hace 9 años fue asesinada nuestra compañera Berta Cáceres por su resistencia a la hidroelectrica Agua Zarca. La dispararon gatilleros a cargo de empleados de la empresa Desarollos Energéticos, DESA.
Mittwoch, 19. Februar 2025
Unabhängige Kommission soll Hintergründe des Mordfalls Cáceres aufklären
Quelle:Menschenrechtskollektiv Cadeho |
Die GIEI besteht aus drei internationalen Jurist:innen. Eine von ihnen ist die US-amerikanische Anwältin Roxana Altholz, die bereits ab 2016 in der für den Fall Cáceres initiierten internationalen Expert:innen-Gruppe (GAIPE) mitwirkte. Wichtige Erkenntnisse des GAIPE-Berichtes wurden in den Prozessen gegen die sieben verurteilten Auftragsmörder und Mittelsmänner, unter anderen den ehemaligen Geschäftsführer der Betreiberfirma DESA des Wasserkraftwerks Agua Zarca, David Castillo, verwendet.
Donnerstag, 28. November 2024
Urteile im Mordfall Berta Cáceres rechtskräftig
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Copinh fordert weiter, die Hintermänner des Mordes an Berta Cáceres zu verhaften Quelle:copinh |
Die Haftstrafen über 50 Jahre gegen vier Auftragskiller sowie den ehemaligen Sicherheitschef der DESA, Douglas Bustillo und den zur Tatzeit aktiven Major der Armee, Mariano Diaz Chávez, bleiben damit bestehen. Sie waren Ende 2019 als materielle Täter verurteilt worden. Den 2021 als Mittäter verurteilten Castillo hingegen erwartet eine Reduzierung seines ursprünglichen Strafmaßes von 22 Jahren und sechs Monaten.
Montag, 19. Februar 2024
In Gedenken an Berta Cáceres
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| Berta Cáceres (1971-2016) |
8 Jahre ohne Gerechtigkeit!
Am Samstag den 2. März 2024 gedenken wir Berta Cáceres und laden Euch um 14:30 Uhr zum Wandbild in der Malmöer Straße 29 (10439 Berlin) ein. Berta war eine bekannte Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin, die sich mit der indigenen Organisation COPINH gegen Patriachat, Rassismus und Kapitalismus engagierte. Sie wurde wegen ihres Engagements gegen ein illegales Wasserkraftwerk am 2. März 2016 in Honduras ermordet. Die Hintermänner sind nach wie vor straffrei.Freitag, 8. Dezember 2023
Mord an Berta Cáceres: Haftbefehl gegen mächtigen Unternehmer
von Andrea Lammers amerika21
Tegucigalpa. Der ehemalige Finanzchef des Unternehmens Desa (Desarrollos Energéticos), Daniel Atala Midence, wird von der honduranischen Justiz beschuldigt, in den Auftragsmord an der bekannten Aktivistin Berta Cáceres verwickelt gewesen zu sein.
Dienstag, 5. Juli 2022
Mordfall Berta Cáceres in Honduras: Strafanzeige gegen niederländische FMO-Bank
Ermittlungen sollen klären, ob Gelder der FMO für illegale Aktivitäten verwendet wurden, möglicherweise sogar für die Finanzierung des Auftragsmordes
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Amsterdam. Die halbstaatliche niederländische Entwicklungsbank FMO soll Millionentransfers für den Bau des umstrittenen Wasserkraftwerks Agua Zarca im westlichen Hochland von Honduras geleistet haben, ohne ausreichend zu überprüfen, an wen das Geld ging und was damit passierte.
Nach Ansicht der niederländischen Rechtsanwälte Wout Albers und Ron Rosenhart Rodrígue deuten zahlreiche Indizien darauf hin, dass beträchtliche Summen für illegale Aktivitäten verwendet wurden, möglicherweise sogar für Finanzierung des Auftragsmordes an der Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres.
Mittwoch, 22. Juni 2022
Mordfall Berta Cáceres: "Ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit"
Keine Höchststrafe für Mittäter des Mordes an Cáceres. COPINH kritisiert Gericht und fordert Ermittlungen gegen Auftraggeber des Verbrechens
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"Jacobo Atala - Mörder von Berta Caceres - Wann wird er verhaftet?" QUELLE:GIORGIO TRUCCHI / LINYM |
Tegucigalpa. 22 Jahre und sechs Monate Gefängnis für den ehemaligen Geschäftsführer des honduranischen Energieunternehmens Desarrollos Energéticos SA (Desa), David Castillo, lautet der Urteilsspruch der ersten Strafkammer des Obersten Gerichtshofes in Tegucigalpa am Montag.
Castillo, Ingenieur und ehemaliges Mitglied des militärischen Geheimdienstes, wurde vor fast einem Jahr als Mittäter des Mordes an der bekannten Aktivistin für indigene Rechte, Berta Cáceres im März 2016 verurteilt. Die Festlegung und Verkündung des Strafmaßes war jedoch immer wieder verzögert worden. (amerika21 berichtete).
Montag, 20. Juni 2022
Internationales Forum für Menschenrechte in Honduras zur heutigen Verkündigung des Strafmaßes
Die Verurteilung von David Castillo muss ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit für Berta Cáceres sein
Heute, am 20. Juni 2022, findet die Verurteilung des honduranischen Ex-Militärs und Geschäftsmannes David Castillo statt, der des Mordes an Berta Cáceres am 3. März 2016 schuldig gesprochen wurde. Das Internationale Forum für Menschenrechte in Honduras ist sich bewusst, dass die Ermordung der Anführerin Cáceres der indigenen Gemeinschaft der Lenca eine offene Wunde in der honduranischen Bevölkerung hinterlassen hat. Wir fordern die honduranischen Justiz auf, dafür zu sorgen, dass das Urteil im Einklang mit dem Gesetz und den internationalen Menschenrechtsstandards dem entspricht, was im Prozess gegen David Castillo bewiesen wurde.
Samstag, 28. Mai 2022
Ermordete Menschenrechtsverteidigerin zur Nationalheldin erklärt
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| Berta Cáceres Foto: Giorgio Trucchi |
Cáceres wehrte sich zusammen mit den indigenen Lenca-Gemeinden am Fluss Gualcarque gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Agua Zarca, das durch die Betreiberfirma Desarrollos Energéticos S.A. (Desa) und mit Ko-Finanzierungen der niederländischen und finnischen Entwicklungsbanken errichtet werden sollte.
Zu den bisher verurteilten Tätern gehören sowohl Auftragskiller als auch Angestellte und der damalige CEO der Betreiberfirma DESA, David Castillo. DESA ist Eigentum der Familie Atala, denen auch die zweitgrößte Bank von Honduras, Ficosah, gehört. In dem Prozess gegen den Desa-CEO Castillo sollte im Jahr 2021 Daniel Atala vorgeladen werden. Dies unterblieb, da bekannt wurde, dass die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption im Fall "Betrug am Gualcarque-Fluss" gegen ihn ermitteln würde (amerika21 berichtete). Inzwischen wurde im Gericht in Tegucigalpa die Beweisaufnahme in diesem Korruptionsfall eröffnet, in den mindestens sechs ehemalige Funktionäre involviert sind.
Die Pläne zu einer Ehrung von Cáceres haben den letzten Tagen in den sozialen Netzwerken zu einer Kontroverse geführt. Laura Zúniga, Tochter von Cáceres, hebt hervor, dass die Auftraggeber des Mordes an ihrer Mutter nach wie vor straffrei sind: "Es schmerzt mich zu sehen, dass das Gesicht meiner Mutter in den Banken ihrer Mörder aufbewahrt wird, dass dieses rebellische Gesicht ein Abbild ihrer Bereicherung sein wird. Werden sie die nächsten Morde mit 200 Lempira-Scheinen zahlen?"
"Berta in eine Banknote zu verwandeln, ist eine Beleidigung für die Erinnerung an ihren historischen Kampf. […] Wir fordern die Achtung unserer angestammten territorialen Rechte", äußert sich Miriam Miranda, führendes Mitglied der Garífuna-Organisation OFRANEH.
Olivia Zúniga, eine weitere Tochter von Cáceres und ehemalige Kongressabgeordnete, verteidigt hingegen die Auszeichnung. Ihre Mutter sei "im nationalen historischen Gedächtnis zu bewahren, und der Kampf um Gerechtigkeit für Berta mit der Inhaftierung der Familie Atala zu fördern, was in der Verantwortung der Justiz und nicht der Legislative liegt."
Unabhängig von dieser Kontroverse bleibt die Kritik an der weiter bestehende Konzession über den Gualcarque-Fluss präsent. Die Konzession berge die Gefahr in sich, dass das Projekt doch umgesetzt wird und dass die Auftraggeber des Mordes straffrei blieben. Erst kürzlich wurde die Veröffentlichung des Strafmaßes des verurteilten Mittäters David Castillo wieder verschoben.
Samstag, 21. Mai 2022
Veröffentlichung der Urteilsbegründung im Mordfall Berta Cáceres erneut verschoben
Indigenenverband befürchtet Annullierung der Urteile gegen Auftragsmörder und Auftraggeber. Opferanwalt zu amerika21: "Strukturelles Versagen der Justiz"
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Berta Cáceres QUELLE: GIORGIO TRUCCHI |
Tegucigalpa. Die für Mittwoch angekündigte Veröffentlichung der Urteilsbegründung im "Fall Berta Cáceres" ist auf den 17. Juni verschoben worden. Das Strafmaß gegen den früheren Geschäftsführer des Unternehmens Desarollos Energéticos S.A. (Desa), David Castillo, steht somit weiterhin noch nicht fest.
Castillo war vergangenen Juli als Mittäter in der Ermordung der Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres schuldig gesprochen worden (amerika21 berichtete). Erst nach der Verlesung der schriftlichen Urteilsbegründung und des Strafmaßes können Rechtsmittel dagegen eingelegt werden. Der Termin der schriftlichen Urteilsverkündung war ursprünglich für August 2021 angekündigt, dann aber auf April dieses Jahres und schließlich auf Mai verschoben worden.
Victor Fernández, Anwalt der Familienangehörigen Cáceres', kritisiert gegenüber amerika21, dass das Gericht gesetzliche Fristen überzogen habe. Das sei angesichts der Komplexität des Falles und der Menge an Beweisen noch verständlich. Nicht vertretbar sei es jedoch, dass sich die Richter:innen mit der schriftlichen Ausarbeitung des Urteils fast ein Jahr Zeit lassen. Dieses Vorgehen ist laut Fernández symptomatisch für das strukturelle Versagen der honduranischen Justiz. Es sei ein Affront nicht nur gegen die Rechte der Opfer, sondern gegen alle Prozessbeteiligten. Man könne nur hoffen, dass das Gericht die Zeit wenigstens genutzt habe, um ein gut begründetes, juristisch solides Urteil zu erarbeiten. Für Fernández bleiben Zweifel, denn die Strafkammer, die David Castillo vergangenes Jahr verurteilt habe, bestehe derzeit nicht mehr. Die drei Richter:innen, die ihr angehörten, hätten angegeben, mit anderen Verfahren ausgelastet zu sein.
Der zivile Rat der indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) fordert, dass es nun keine weiteren Verschiebungen geben dürfe. Das Urteil müsse die in der Verhandlung im vergangenen Jahr erbrachten Beweise und Zusammenhänge umfassend würdigen, eine der besonderen Schwere der Tat angemessene Strafe aussprechen und ein Zeichen gegen die Straflosigkeit der auch in diesem Jahr andauernden Morde an Menschenrechtsverteidiger:innen aus indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinden setzen. Außerdem sei der Staat weiter in der Pflicht, gegen die mutmaßlichen Auftraggeber des Mordkomplotts, Mitglieder der Familie Atala aus dem Führungsgremium des Unternehmens Desa, zu ermitteln und Gerichtsverfahren gegen sie einzuleiten.
COPINH und die Anwälte von Cáceres’ Familienangehörigen befürchten allerdings schon seit längerem, dass die Entwicklung in eine andere Richtung gehen könnte. Nach eigenen Angaben haben sie erfahren, dass ein Antrag auf Annullierung des Verfahrens gegen die 2018 verurteilten Auftragskiller und Mittelsmänner des Mordes an Berta Cáceres bereits beim zuständigen Gericht liegen soll. Ein weiterer zugunsten von David Castillo könnte folgen, sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, so die Opfervertreter:innen. Der Antrag sei wahrscheinlich aussichtsreich, sollte die Urteilsbegründung die befürchteten Lücken und Schwächen aufweist.
Berta Cáceres war in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 in ihrem Haus in La Esperanza-Intibucá erschossen worden. Hintergrund war ihr Widerstand gegen das Wasserkraftwerk "Agua Zarca", das unter anderem mit Beteiligung des damaligen Siemens-Joint Ventures Voith Hydro und Ko-Finanzierung durch niederländische und finnische Entwicklungsbanken gebaut werden sollte. Die Tat zielte darauf ab, die Opposition der indigenen Lenca-Gemeinden am Gualcarque-Fluss zu brechen und die von Cáceres mitgegründete und geleitete Organisation COPINH zu zerstören.
Dieser Zusammenhang sowie die mutmaßliche Rolle der Führungsebene des Unternehmens Desa und damit von Mitgliedern der Familie Atala wurde bereits 2017 von der spezifisch für den Fall Cáceres initiierten internationalen Expert:innen-Gruppe GAIPE aufgedeckt. Im Prozess gegen David Castillo wurden die Verdachtsfälle unter anderem durch die Analyse von Chat-Protokollen weiter erhärtet.
Dienstag, 17. Mai 2022
Gerechtes Urteil im Mordfall Berta Cáceres?
Strafmaß und Begründung des Urteils gegen David Castillo mit Spannung erwartet - Wir solidarisieren uns mit den Forderungen des COPINH
Am morgigen 18. Mai wird das Urteil gegen den früheren Geschäftsführer des Unternehmens Desarollos Energéticos (Desa) David Castillo verlesen und das Strafmaß verkündet. Castillo war bereits vor fast elf Monaten als Ko-Autor des Mordes an der honduranischen Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres verurteilt worden, die Urteilsbegründung ließ jedoch auf sich warten. Anhand des morgen öffentlichen Textes wird sich zeigen, ob das Gericht bereit und in der Lage war, die Erkenntnisse aus dem Prozess gegen Castillo angemessen aufzuarbeiten, zu bewerten und angemessene Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Wenn ja, ist ein weiterer wichtiger Schritt gegen die Straflosigkeit in Honduras getan und die Ermittlungen können in Richtung der mutmaßlichen weiteren Autor*innen des Verbrechens (Mitglieder der Unternehmerfamilie Atala Zablah) voranschreiten. Sollten allerdings größere Schwächen und Fehler in die Urteilsbegründung „eingebaut“ sein, ist den Möglichkeiten der Verteidiger*innen den Prozess annullieren zu lassen, Tür und Tor geöffnet. Damit wären auch die Chancen, die weiteren Auftraggeber*innen zur Verantwortung zu ziehen und die mutmaßliche Komplizenschaft des Staates an dem Mord aufzudecken, verbaut. Dem Vernehmen nach liegt ein Antrag auf Revision des Verfahrens gegen die 2018 verurteilten Auftragskiller und Mittelsmänner bereits beim zuständigen Gericht, der nächste könnte folgen.
Berta Cáceres war in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 in ihrem Haus in La Esperanza-Intibucá erschossen worden. Hintergrund war ihr Widerstand gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“, das u.a. mit Beteiligung des damaligen Siemens-Joint Ventures Voith Hydro und Ko-Finanzierung durch niederländische und finnische Entwicklungsbanken gebaut werden sollte. Die Tat zielte darauf ab, die Opposition der indigenen Gemeinden am Gualcarque-Fluss zu brechen und den Zivilen Rat der indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) zu zerstören.
WIR UNTERSTÜTZEN DIE FORDERUNGEN DES COPINH:
1. Die Erste Kammer
der Nationalen Strafkammer in Tegucigalpa muss eine Strafe verhängen, die den
in der Verhandlung erbrachten Beweisen entspricht. Die mörderischen,
frauenfeindlichen, rassistischen und konspirativen Handlungen von David
Castillo gegen Berta Cáceres wurden umfassend nachgewiesen.
2. Verbrechen gegen indigene
Gemeinschaften dürfen nicht länger straflos bleiben. David Castillo muss für
seine Verbrechen eine angemessene Strafe erhalten, so dass klar wird, dass
Straflosigkeit nicht länger geduldet wird.
3. Die Staatsanwaltschaft und die
honduranische Justiz haben die weiteren Drahtzieher des Mordes an Berta Cáceres
noch nicht gefasst und vor Gericht gestellt. Der honduranische Staat steht
weiterhin in der Pflicht, dies zu tun.
Donnerstag, 28. April 2022
"Wir als soziale Organisationen müssen kämpferisch bleiben"
Gespräch mit Bertha Zúniga Cáceres, Koordinatorin des Rats der Volks- und Indigenenorganisationen, über die neue Lage im Land und die Herausforderungen für die Regierung von Xiomara Castro
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Bertha Zúniga Cáceres mit Präsidentin Xiomara Castro bei der Amtseinführung Quelle: @COPINHHONDURAS |
Castro muss sich auch einer ultrarechten Opposition entgegenstellen, die gemeinsam mit den Streitkräften und den USA die Architekten des Sturzes ihres Mannes Manuel Zelaya waren, der von 2006–2009 die Präsidentschaft innehatte.
Um Tiefergehendes über die aktuelle Situation in Honduras zu erfahren, haben wir von La tinta mit Bertha Zuniga Cáceres gesprochen, der Koordinatorin des Rats der Volks- und Indigenenorganisationen von Honduras (COPINH) und Tochter von Berta Cáceres, der am 3. März 2016 von Killern ermordeten Führerin der Lenca-Indigenen und Umweltaktivistin.
Was sind aus der Sicht von COPINH die Erwartungen an die Regierung von Xiomara Castro?
Wir verstehen die Schwierigkeiten einer Regierung, zu deren Herausforderungen die Überwindung von zwölf Jahren Putschismus und den Folgen gehört – oder zumindest die Grundlagen dafür zu schaffen. Die Regierung hat einige gute Absichten und populäre Lösungen. Sie wird aber eine Menge Schwierigkeiten bei der Verwirklichung vieler dieser Vorschläge haben. Noch gibt es eine komplizierte Machtkonfiguration in dem Sinne, dass das Justizwesen weiterhin durch den reaktionärsten Sektor kontrolliert wird, der für die Straffreiheit im Land gesorgt hat. Im Nationalkongress gibt es, wie wir in diesen ersten Monaten gesehen haben, einen Machtstreit, und dadurch werden die formalen Institutionen etwas ausgehöhlt.
Daneben gibt es einen Zusammenbruch bei mehreren staatlichen Institutionen, was Verschuldungen für die neue Regierung bedeutet und Konzessionen zu Lasten der Souveränität der Völker von Honduras mit sich brachte. Außerdem muss gesagt werden, dass die faktische Macht immer noch umkämpft ist und vor allem von wirtschaftlichen Gruppen kontrolliert wird, die ihrerseits die Staatsmacht kontrollieren.
Wir erinnern uns sehr gut an die Gedanken unserer Genossin Barta Cáceres, die immer sagte, dass die Tatsache, Präsident zu sein, dir nicht die Macht gibt, wie der Fall von Mel Zelaya zeigt. Wir sehen, wie sich diese realen Mächte formieren, um die Institutionen weiterhin zu kontrollieren.
Unsere Erwartungen richten sich darauf, einige Grundlagen für die Lösung struktureller Probleme zu schaffen, vor allem bei Themen der Territorien und den Rechten der indigenen Völker. Das wird ein komplexer und schwieriger Weg werden, aber wir sozialen Organisationen müssen kämpferisch bleiben.
Welches sind die hauptsächlichen Anliegen und Forderungen von COPINH an die Regierung?
Innerhalb der Übergangskommission, die die Regierung ins Leben gerufen hat, um mit den sozialen Bewegungen zu sprechen, schlagen wir einige sehr wichtige Dinge vor. Einerseits zum Thema der Territorien: Wir wollen, dass der Staat den historischen Besitz der indigenen Völker anerkennt und dass er das in formeller Art und Weise tut. Das Nationale Agrarinstitut soll die notwendigen Eigentumstitel für die Gemeinschaften ausstellen, die Landstreitigkeiten austragen; nicht nur für die Lenca, sondern auch für die anderen indigenen Völker in ähnlichen Situationen.
Außerdem schlagen wir vor, dass diejenigen Konzessionen per Gesetz für betrügerisch erklärt werden, die seit dem Staatsstreich und unter Verletzung des Rechtes auf vorherige freie und informierte Konsultation für Flüsse und Böden zur Nutzung für die Gewinnung von Wasserkraft, für den Bergbau und andere Formen der Energieerzeugung vergeben wurden.
Weiterhin schlagen wir die Schaffung eines Gesetzes zum Schutz des Lebens vor, dass sicherstellt, dass gegenüber ökonomischen, politischen oder jedweden anderen Interessen immer das Leben der dadurch möglicherweise bedrohten Gemeinschaften Vorrang hat. Das betrifft nicht nur indigene Gemeinschaften, sondern es gibt auch zu schützende bäuerliche Gemeinschaften, denn in Honduras gibt es viele Konflikte in diesem Bereich – und immer soll das Leben an erster Stelle stehen. Und in diesem Sinne wollen wir vorankommen, damit sich die Verbrechen nicht wiederholen.
Xiomara Castro hat außerdem die Forderung nach Gerechtigkeit für Berta Cáceres zum Teil ihrer Kampagne gemacht. Wir haben vorgeschlagen, ein hochrangiges Gremium aus staatlichen Institutionen und internationalen Organisationen zu schaffen, das bei der Aufklärung des Mordes helfen kann; und weiter, dass wir Opfer und COPINH Teil dieses Gremiums sind, um die Strafverfolgung der Drahtzieher voranzutreiben und auch von den Verbrechen im Zusammenhang mit der Ermordung von Berta Cáceres, wie Korruption, möglicherweise Geldwäsche und andere Delikte, die die Verletzung der Rechte der indigenen Gemeinschaften und die Anwendung von Gewalt ermöglichten.
Welche Position nimmt der oppositionelle Sektor in dieser ersten Phase der Amtszeit der neuen Regierung ein?
Die Opposition, die Nationalpartei als der konservativste Sektor in Honduras, ist ziemlich niedergedrückt, still und gedemütigt, denn ihre Niederlage ist auf ein Höchstmaß der sozialen Unzufriedenheit des Volkes von Honduras zurückzuführen; und vor allem auf die Korruptionsskandale, die eine gewaltige Unzufriedenheit hervorgerufen haben. All das inmitten des Auslieferungsprozesses von Ex-Präsident Juan Orlando Hernández, das ist eine sehr wichtige Angelegenheit für die Bevölkerung.
Diese politischen Kreise gehören zu kriminellen Strukturen, und das ist schon mehr als bewiesen. Außerhalb des öffentlich Sichtbaren operieren sie weiter, das beweist auch die Krise, zu der es im Nationalkongress kam. Sie operieren weiter, um ihre Straffreiheit und die ökonomischen Vorteile aus den staatlichen Konzessionen abzusichern. Außerdem sind sie in der Regierung vertreten. Diese Regierung ist aus einem Pakt entstanden, an dem verschiedene Parteien beteiligt sind, die eine Oppositionsallianz geschaffen haben. Das bedeutete von Anfang an, über bestimmte Vorstellungen zu verhandeln, vor allem auf dem wirtschaftlichen Gebiet. Sie operieren weiterhin sehr aktiv, um ihre Straffreiheit zu sichern und um auch weiterhin in einem Umfeld zu agieren, das ihnen ungehemmte Profitmacherei erlaubt.
Wie werden sich die Streitkräfte angesichts der neuen Administration verhalten?
Der Regierung ist klar, dass die Streitkräfte, die am Staatsstreich gegen Manuel Zelaya Rosales beteiligt waren, eine Institution im Dienste von Interessen sind, die nicht mit denen der Mehrheiten übereinstimmen. Auch die Ermittlungen in Sachen Drogenhandel wäre ein Schlag für die Spitze der Streitkräfte. Es gab Ernennungen von der Regierung sehr nahestehenden Personen sowohl des Verteidigungs- als auch des Sicherheitsministers, um eine Art Kontrolle über diese Situation zu haben.
Jedoch vertrauen weder das Volk noch die Regierung auf die Rolle, die die Streitkräfte irgendwann in einem Moment der Instabilität spielen könnten. Sie werden immer als eine Institution betrachtet, die die Interessen des honduranischen Volkes bedroht und die man gut im Auge haben muss. Sie stellen keinerlei Zuverlässigkeit bzw. Vertrauenswürdigkeit dar. Jetzt gibt es einen Übergang, wo sie sich eingewöhnen, auch um zu sehen, wie sie weiter vorgehen.
Wie geht es im Gerichtsverfahren wegen der Ermordung von Berta Cáceres voran?
Wir hatten jetzt den sechsten Jahrestag des abscheulichen Verbrechens an unserer Weggefährtin Berta Cáceres. Ungeachtet der Anstrengungen und einiger sehr kleiner aber dennoch sehr wichtiger Erfolge, die wir erreicht haben, fordern wir weiter vom Staat die Einlösung der Schuld ein, die er hinsichtlich der Gerechtigkeit und der Verurteilung des geistigen Urhebers hat, und wir fordern die Zerschlagung der kriminellen Strukturen, die die Ermordung von Berta Cáceres begünstigten.
An diesen Strukturen waren Kreise des privaten Unternehmertums, die internationale Bank, die Streitkräfte und Mitglieder des Justizapparates beteiligt, was die justizielle Verfolgung und Kriminalisierung von Berta Cáceres begünstigte. Wir fordern außerdem die Zerschlagung der privaten Sicherheitsunternehmen, die an Aktionen und Angriffen gegen soziale Kämpfer beteiligt waren, vor allem gegen diejenigen, die bei der Verteidigung ihrer Territorien aktiv sind.
Und wir warnen vor der Gefahr, in der sich die Gemeinschaften von Río Blanco heutzutage befinden, deren Ländereien privatisiert werden sollen.
All dies unterstreicht und zeigt, wie wichtig es ist, den Kampf für die Gerechtigkeit fortzusetzen, und vielleicht ist diese Bereitschaft der neuen Regierung, ihn zu kanalisieren, das geeignetste Szenarium, um den Wandel im Justizsystem zu befördern, damit man mit Unabhängigkeit, Professionalität und politischem Willen an die höchsten Verantwortlichen und an alle in dieses Verbrechen Verstrickten herankommt.
La Tinta ist eine gemeinschaftliche Plattform von Kommunikationsmedien in Argentinien: "Informationen und Nachrichten aus Cordoba, Argentinien und der Welt. Gesellschaftlicher Journalismus von alternativen Medien"
Mittwoch, 2. März 2022
Sonntag, 2. Januar 2022
Mord an Berta Cáceres in Honduras: "Dahinter können alle möglichen Machenschaften stecken"
Sechs Monate nach dem Schuldspruch gegen einen der Auftraggeber des Mordes gibt es immer noch kein rechtskräftiges Urteil. Gespräch mit dem Anwalt Victor Fernández
In der Nacht vom 2. auf den 3.März 2016 wurde die indigene Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres in ihrem Haus in La Esperanza in Honduras ermordet. Sie hatte sich gemeinsam mit indigenen Lenca-Gemeinden gegen die illegale Errichtung des Wasserkraftwerkprojektes Agua Zarca gewehrt, hinter deren Betreiberfirma Desarollos Energéticos S.A. (Desa) einflussreiche Personen aus Wirtschaft und Politik stehen. 2018 wurden mehrere Auftragsmörder und Mittelsmänner zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Urteil gegen einen der Auftraggeber des Mordes liegt indes immer noch nicht vor, Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Täter aus der mächtigen Unternehmerfamilie Atala stehen aus. Amerika21 sprach mit Victor Fernández, Anwalt der Familie Cáceres und des Zivilen Rates für indigene und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) über die aktuellen Entwicklungen.
Im Juli 2021 wurde der geschäftsführende Direktor des Unternehmens Desa, David Castillo, als einer der Auftraggeber (Co-Autoren) des Mordes an Berta Cáceres verurteilt. Es sind nun sechs Monate vergangen und das Gericht hat noch immer kein schriftliches Urteil samt Urteilsbegründung veröffentlicht. Warum dauert es so lange, bis dieses Urteil rechtskräftig wird?
Eine Begründung des Gerichtes könnte sein, dass die Bewertung der Beweise sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Das sind Abertausende von Textnachrichten, dazu eine Menge Gutachten und Dokumente. Dennoch sollte es nicht so lange dauern, denn das Verfahren gegen David Castillo wegen des Mordes an Berta Cáceres ist ein emblematischer Fall für die honduranische Justiz. Neben der rein rationalen, fundierten Analyse ist auch die Unmittelbarkeit, die zeitliche Nähe zur Verhandlung, ein wichtiges rechtsstaatliches Prinzip. Sechs Monate später gibt es nicht mehr dieselbe Erfahrung, die Eindrücke haben nicht mehr dieselbe Frische. Die Verzögerung ist bedauerlich für den Fall und für unser Justizsystem, das sich der Welt auf diese Weise präsentiert. Und vor allem warten die Opfer immer noch auf Gewissheit. Letztlich wissen wir nicht wirklich, warum es immer noch kein Urteil gibt. Ich kann dazu nur sagen: Weil das Gericht noch keines gefällt hat. Dahinter können alle möglichen Machenschaften stecken.

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