Freitag, 17. Januar 2020

Eskalierende Gewalt, Rassismus und Straflosigkeit

Erneut Morde an afro-indigenen Aktivisten. Gewalt gegen Bewohner von Masca soll im Zusammenhang mit geplanter Arbeits- und Wirtschaftszone stehen. Gesetzesprojekt "zur Befragung" umstritten
Afro- und indigene Gemeinschaften kämpfen in Honduras 
Dublin/San Pedro Sula. Im neuen globalen Bericht der Organisation Frontline Defenders zur Situation der Menschenrechtsverteidiger sind 31 Morde an honduranischen Aktivisten dokumentiert. Demnach hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Das zentralamerikanische Land liegt damit weltweit an dritter Stelle nach Kolumbien und den Philippinen.
In dem Bericht sind die jüngsten Mordfälle an den Afro-Indigenen noch nicht aufgeführt, die sich Ende Dezember ereigneten. So verstarb Ignacia López Martínez aus der Gemeinde Masca im nördlichen Departamento Cortés letzte Woche an den Schussverletzungen, die ihr von Unbekannten am 28. Dezember 2019 zugefügt wurden. Auf das Haus ihrer Schwester, einem führenden Mitglied der Garífuna-Organisation Ofraneh, Amada López Martínez, wurde bereits am 12. Dezember geschossen. Dazu kommen der Mord an Santos Felipe Escobar García, Angehöriger der indigenen Pech in Santa Maria de Carbón im Departamento Olancho, der am 3. Januar 2020 tot aufgefunden wurde und der an dem indigenen Tolupan Efraín Martínez Martínez aus der Region Montaña de la Flor im Departamento Francisco Morazan. Sein Leichnam wurde am 29. Dezember gefunden. Escobar und Martínez waren führende Gemeindemitglieder und wurden von ihren Familien Ende Dezember 2019 als verschwunden gemeldet.

Martín Fernández, Koordinator und Anwalt der Menschenrechtsorganisation "Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia), erklärte, dass die indigenen Gruppen am meisten von der Plünderung ihrer Gemeingüter betroffen seien, dazu komme, dass private Unternehmen in Komplizenschaft mit dem Staat agierten. So sei auch der Umweltaktivist Milgen Soto aus der Gemeinde San Francisco de Locomapa im September 2019 ermordet worden (amerika21 berichtete). Im Februar 2019 sind Salomón und Samael Matute ebenfalls in San Francisco de Locomapa getötet worden. Die Familienangehörigen mussten aus Furcht vor weiterer Gewalt ihre Gemeinde verlassen. Gegenüber amerika21 berichtete Fernández, dass die Täter identifiziert seien. Es habe zwar Durchsuchungen gegeben, sie seien jedoch nach wie vor auf freiem Fuß. In all diesen Fällen sei die Straflosigkeit der Hauptverbündete dieser Verbrechen. Seit mehreren Jahren wehren sich die Tolupanes gegen Bergbau- und Abholzungsprojekte auf ihrem Territorium.

Zu den Attacken gegen die Bewohner von Masca äußerte Ofraneh, dass sie im Zusammenhang mit einer geplanten Arbeits- und Wirtschaftszone (ZEDE) in der Region stünden. Die verbleibenden Bewohner von Masca sollten vertrieben werden. Der jüngsten Gewaltwelle voran gegangen waren die Morde an Oscar Guerrero Centeno im Oktober und an Mirna Suazo Martínez im September 2019, beide Bewohner von Masca und Aktivisten der Organisation. In einem Kommuniqué erklärt Ofraneh, dass das Institut für Landwirtschaft Besitztitel für Ländereien an Dritte vergeben habe, die zu den Garífuna-Gemeinden gehörten. Hier komme es zu Überschneidungen der Vergabe durch die Landkreisverwaltung und den Instituten für Landwirtschaft und Eigentum. Dazu komme ein fest verankerter Rassismus, der trotz Schulungen des Personals der Generalstaatsanwaltschaft und des Justizsektors fortbestehe. Sie setzten die Konventionen und Abkommen, die die Rechte der indigenen Völker betreffen, nicht um.

Auch die aktuelle Diskussion im Kongress um das "Gesetz zur Befragung" der indigenen Völker spiegle dies wieder. Die Abgeordnete der Partei Libre, Olivia Zúniga Cáceres, Tochter der ermordeten indigenen Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres, führte aus, dass das Gesetz die Übergabe indigener Territorien an das Wirtschaftsmodell der Ausplünderung natürlicher Ressourcen bedeute. Es würden ausschließlich die Interessen der honduranischen und transnationalen Unternehmen berücksichtigt. Miriam Miranda, Koordinatorin von Ofraneh, kritisiert, dass die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation verletzt werde, zudem würden die Empfehlungen der UN-Sonderberichterstatterin für indigene Völker ignoriert. Die ILO-Konvention schreibt bei Projekten auf indigenem Land eine freie, vorherige und informative Befragung der Gemeinden fest. Diese muss noch vor Planung und Baubeginn erfolgt sein. Darüber hinaus haben die Indigenen das Recht, sich dagegen auszusprechen. In diesem Fall dürften die Projekte nicht realisiert werden.

"Honduras als geopolitischer Verbündeter der USA ist seit dem Militärputsch im Jahr 2009 für Frauen, Anwälte, Journalisten, Menschenrechts- und Umweltverteidiger eines der gefährlichsten Länder der Welt", heißt es zur Situation in Honduras im britischen Guardian.
 
Die Mordrate hat indes nicht nur an den Menschenrechtsverteidigern zugenommen: Die honduranische Polizei hat im letzten Jahr 3.992 Morde dokumentiert, dazu zählten die Behörden auch die 281 Menschen, die in 70 Massakern getötet wurden.

Als Folge der Gewalt, Armut und Korruption sind im letzten Jahr Zehntausende in Richtung USA geflohen. In den Morgenstunden des 15. Januar hat sich erneut eine Karawane aus circa 500 Honduranern formiert, die zu Fuß von San Pedro Sula in Richtung guatemaltekische Grenze aufgebrochen ist, um über Mexiko in die USA zu gelangen.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Humanitäre Krise in Mexiko: Zahl der Flüchtlingsanträge hat sich mehr als verdoppelt

Dienstag, 7. Januar 2020

Wenn das Wasser kommt - Klimawandel in Honduras

aus: npla, Markus Plate, v.11.12.2019

(Mexiko-Stadt, 2. Dezember 2019, npl) - Vor wenigen Wochen erst hat Chile die Ausrichtung der diesjährigen Klimakonferenz abgesagt – wegen der wochenlangen sozialen und politischen Proteste im Land. Der Klimagipfel findet stattdessen in Madrid statt. Dabei gehört Lateinamerika zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen der Welt. Bis zum Jahr 2050 könnte er jährliche Schäden verursachen, die in Zentralamerika zwei bis vier Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. El Salvador und Honduras sind wegen ihrer Lage zwischen Pazifik und Karibik besonders gefährdet.

Zum Artikel  

Überschwemmungsgefährdet – Karte des Dep Del Valle, Honduras. Foto: Markus Plate

Samstag, 4. Januar 2020

"Ihr seid nicht alleine!": Zweites Internationales Frauentreffen der Zapatistinnen in Mexiko

Gewalt gegen Frauen im Mittelpunkt. Erschütternde Einblicke. Neoliberale Politik der Regierung wird mitverantwortlich für Gewalt gemacht

Freitag, 27. Dezember 2019

Massaker in Gefängnissen fordern mehr als 50 Tote und Verletzte

 Daniela Dreißig in amerika21
Polizei und Militär haben die Kontrolle über 28 Gefängnisse in
Tegucigalpa. Am vergangenen Sonntag ist es im Gefängnis El Porvenir im Departamento Francisco Morazan in Honduras zu einer tödlichen Auseinandersetzung gekommen, bei der durch Schuss- und Stichwaffen 19 Inhaftierte getötet wurden. Bei den Angreifern und Toten soll es sich um Mitglieder rivalisierender Gangs handeln. Bereits am 20. Dezember sind im Gefängnis in Tela im nördlichen Departamento Atlántida 19 Inhaftierte ermordet und 16 weitere Häftlinge verletzt worden.

Gemäß dem Präsidialdekret vom 16. Dezember haben Armee und die Spezialpolizei (Fusina) für die nächsten sechs Monate die Kontrolle über 28 Gefängnisse mit mehr als 21.600 Häftlingen übernommen. In Honduras sind lediglich ca. 9.000 der Inhaftierten rechtskräftig verurteilt. Das Dekret wurde infolge des Massakers vom 14. Dezember im Hochsicherheitsgefängnis La Tolva erlassen, bei dem fünf Häftlinge ermordet wurden. In einer Pressekonferenz versicherten Oberste aus Militär und Polizei, dass die jüngsten Geschehnisse eine "Eskalation der kriminellen Welt" seien, die verhindern sollen, dass die einberufene Kommission zur Intervention in den Strafanstalten, die der Polizei und Armee untersteht, die notwendige Kontrolle in den Gefängnissen des Landes übernehme.

Dienstag, 24. Dezember 2019

Sembrando Voces


Kampagne zur Unterstützung der Arbeit von COMPPA und kommunitären Radios in Guatemala und Honduras

 



Seit 16 Jahren ist die Arbeit von COMPPA dank der Unterstützung von verschiedenen internationalen Organisationen und Einzelpersonen möglich. Sie teilen unsere Vision: Eine partizipative, demokratische und von der Basis ausgehende Kommunikation und der Aufbau von eigenen Kommunikationsmedien sind Schlüsselelemente zur Stärkung der Autonomie und der Kämpfe indigener Gemeinschaften und Basisorganisationen.

Heute starten wir diese Spendenkampagne, um unsere Arbeit weiterführen zu können.


Wir, Comunicadores y Comunicadoras Populares por la Autonomía (COMPPA), sind ein Kollektiv, das den Aufbau von alternativen Medien in Mexiko, Guatemala und Honduras begleitet und stärkt. Wir arbeiten mit über einem Dutzend indigener und kleinbäuerlicher Organisationen zusammen, die sich für die Erhaltung ihres Gemeindelandes, ihrer Kultur und für den Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen einsetzen.

Samstag, 21. Dezember 2019

Solidaritätsreise Honduras 2020


Verteidigen wir Vallecito: Kampagne für Solidarität und internationale Unterstützung für die Garífunagemeinde Vallecito in Honduras
Unsere Solidaritätsreise 2020 nach Honduras findet auf Einladung und in Kooperation mit der Organización Fraternal Negra Hondureña, OFRANEH, statt. OFRANEH tritt seit über 40 Jahren für kulturelle und Landrechte der indigenen Garífuna-Bevölkerung ein, deren traditionellen Territorien an der Nordküste von Honduras liegen. Die Garífuna sind Nachfahren afrikanischer Versklavter und Arawak-Indigener, die Ende des 18. Jahrhunderts von der Karibikinsel St. Vincent an die zentralamerikanische Küste deportiert wurden. Sprache, Tänze und Musik der Garífuna wurden im Jahr 2001 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In Honduras werden die Landrechte der Garífuna jedoch durch korrupte staatliche Behörden und externe wirtschaftliche Interessen bedroht. Tourismusprojekte, der Anbau von Ölpalmen, Viehwirtschaft, Wasserkraft- und andere Energieprojekte werden illegal durchgesetzt. Zudem sind Drogenkartelle in der Region aktiv. Für sie stellt die honduranische Küste einen wichtigen Handelsweg dar.

OFRANEH organisiert und verteidigt die Gemeinden gegen diese Interessen. Radiostationen in verschiedenen Garífuna-Gemeinden leisten dabei wichtige Informationsarbeit. Weitere Schwerpunkte der Arbeit von OFRANEH sind die Auseinandersetzung mit Genderfragen sowie mit der Klimakrise, von der die Menschen an der honduranischen Küste besonders betroffen sind.

Zeuge und Anwalt von mutmaßlichem Drogenhändler ermordet

Thomas Raabe in amerika21
Sollen Partner im Drogengeschäft gewesen sein: Der ermordete Nery López Sanabria (links) und Präsidentenbruder Tony Hernández (Kollage)
Choluteca. Im Departamento Choluteca ist am vergangenen Freitag Pedro Ildefonso Armas, ehemaliger Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses El Pozo in Honduras, von Unbekannten in seinem Auto erschossen worden. Laut der Zeitung La Prensa hat Armas bei den Behörden Schutz beantragt, da er Todesdrohungen erhalten habe.

Freitag, 20. Dezember 2019

Menschenrechtsorganisationen machen auf die neuesten Ereignisse aufmerksam, die die Fortführung der Arbeit von MACCIH gefährden, und fordern das Mandat zu erneuern


Nord-, Zentral-, Südamerika und Europa, 16 de diciembre de 2019. Nationale und internationale Organisationen, die für die Einhaltung der Menschenrechte in Honduras eintreten, weisen alarmierend darauf hin, dass der Nationale Kongress von Honduras am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte und einen Tag nach dem Internationalen Tag der Korruptionsbekämpfung, einen Bericht über die Aktionen, Fortschritte und Ergebnisse der Unterstützungsmission gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras (MACCIH) verabschiedet hat. Die MACCIH wurde im Jahr 2016 aufgrund eines Abkommens mit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) im Land gegründet.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Urgent Action Gerechtigkeit für Berta Cáceres - “Justicia para Berta”

Berta Cáceres' Mörder und drei Mittelsmänner aus Militär und von dem Unternehmen DESA sind am 2. Dezember zu 50 bzw. 30 Jahren Haft verurteilt worden.

(https://www.oeku-buero.de/nachricht-506/fall-c%C3%A1ceres-m%C3%B6rder-von-aktivistin-in-honduras-m%C3%BCssen-50-jahre-in-haft.html),

Gegen die Auftraggeber*innen, Geldgeber*innen und ihre Kompliz*innen wird immer noch nichts unternommen. Der Prozess gegen DESA-Chef Castillo wird endlos verzögert, die Konzession für das Wasserkraftwerk "Agua Zarca" besteht weiter.

COPINH bittet Gruppen und Institutionen den folgenden Appell zu unterschreiben. (Text in englisch und spanisch!)

ZUR ONLINE PETITION