Mittwoch, 2. September 2020

30.August: Internationaler Tag der Opfer des Verschwindenlassens

Ökumenisches Büro fordert Aufklärung des Verbrechens an honduranischen Garifuna, die vor 43 Tagen von Maskierten in Polizeiwesten gewaltsam verschleppt wurden

 


MÜNCHEN (29.8.2020). Fünf Männer, darunter der junge Gemeinderatsvorsitzende Sneider Centeno und zwei weitere Landrechtsaktivisten wurden am frühen Morgen des 18.Juli 2020 in der honduranischen Karibikgemeinde Triunfo de la Cruz von Schwerbewaffneten verschleppt. Die Täter kamen während der absoluten Ausgangsperre gegen 5 Uhr mit mehreren Fahrzeugen in die Gemeinde afrohonduranischer Garífuna. Sie trugen Sturmhauben und Polizeiwesten, suchten gezielt nach bestimmten Personen und verschleppten diejenigen, die sie finden konnten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verurteilte die Aktion als gewaltsames Verschwindenlassen - ein Staatsverbrechen, das nicht verjährt. Vereinte Nationen und interamerikanische Menschenrechtskommission forderten den honduranischen Staat auf, umfassend und unparteilich nach den Entführten zu suchen, das Verbrechen aufzuklären, die Angehörigen einzubeziehen und die Sicherheit der Bewohner*innen von Triunfo de la Cruz zu gewährleisten. Bisher wurde nach Aussage der Betroffenen nichts davon umgesetzt. Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Organisation OFRANEH: „Der honduranische Staat zeigt einmal mehr seine Verachtung für die Garífuna, indem er irrelevante und sinnlose Informationen präsentiert.“ Die Entführten blieben bis dato verschwunden; gegen die Gemeinde und OFRANEH läuft eine Hetzkampagne.

„Es ist kein Zufall, dass mit den Garífuna-Aktivisten aus Triunfo de la Cruz gezielt Verteidiger von Territorien und Landrechten im Stil der Todesschwadronen verschleppt wurden. Dadurch soll eine ganze Community in Angst und Schrecken versetzt und von der Ungewissheit zermürbt werden“, betont Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit: „Fischer, die um ihren Zugang zum Strand fürchten, wenn dort Tourismus-Ressorts errichtet werden, junge Leute wie Sneider Centeno, die sich als ehrenamtliche Gemeinderäte engagieren und gegen das Abbrennen von Mangrovenwäldern zugunsten von Ölmpalmplantagen protestieren, stören. Sie stören Investor*innen, die es auf die honduranische Karibikküste abgesehen haben. Von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie gewaltsamem Verschwindenlassen profitieren letztlich honduranische und ausländische Unternehmen. Die Verquickung von organisiertem Verbrechen und staatlichen Institutionen ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich, sondern für diese Wirtschaftsinteressen durchaus funktional. Sie können auf Straflosigkeit setzen und müssen sich selbst die Hände nicht schmutzig machen.“

Zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens solidarisiert sich das Ökumenische Büro mit den Forderungen der Garífuna und ihrer Organisation OFRANEH:

- Snider Centeno, Suami Mejía, Milton Martínez, Gerardo Róchez und Junior Juarez müssen lebend zurückgebracht werden.

- Das Verbrechen an ihnen muss umfassend und unabhängig unter Ausschluss der Kriminalpolizei DPI, deren Westen die Entführer trugen, untersucht werden.

- Die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2015 zu den Landrechten der Garífuna in Triunfo de la Cruz und Punta Piedra müssen endlich umgesetzt werden.

- Alle Versuche, Garífuna-Gemeinden zu vertreiben, die Repression gegen sie, rassistische Diskriminierung, Diffamierung, Kriminalisierung und Angriffe gegen die Gemeinden und ihre Organisationen müssen gestoppt werden.

 

Donnerstag, 27. August 2020

Urgent Action for the Garífuna Disappeared (englisch/spanisch)

Das Netzwerk Honduras Solidarity unterstützt OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) und die Garifuna-Gemeinden mit einer einwöchigen E-Mail-Aktion. 

Gefordert wird die  Rückkehr der gewaltsam verschwundenen Garifuna-Aktivisten, die Einhaltung des Urteils des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs zugunsten der Garifuna-Gemeinden und ein Ende der Gewalt- und Terrorkampagne zur Vertreibung die Gemeinden. 

*HIER KLICKEN* , um an der Aktion teilzunehmen und E-Mails an den honduranischen Generalstaatsanwalt, Staatssekretär/Stabschef und die Ministerin für Menschenrechte zu schicken, mit Kopien an die Botschafter der USA und Kanadas. 

Es ist möglich, die E-Mails zu lesen, bevor sie versendet werden. 

Bitte weiter verbreiten! 


Montag, 24. August 2020

Kommt Bewegung in den Prozess im Mordfall Berta Cáceres?

Vorverhandlung gegen Ex-Geschäftsführer der Desa, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weitere Verzögerungen könnten zu seiner Freilassung führen

Sonntag, 23. August 2020

Keine Spur der entführten Menschenrechtsverteidiger

 Von amerika21

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten 
vor dem Sitz der ermittelnden Polizei in San Pedro Sula

Triunfo de la Cruz. Nach mehr als einem Monat des gewaltsamen Verschwindens der fünf Garífuna-Aktivisten Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía ist noch kein brauchbarer Hinweis auf deren Verbleib gefunden worden.

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten am Freitag vor dem Sitz der ermittelnden Polizei (DPI) in San Pedro Sula. Sie fordern die Entführten lebend zurück, drängen auf Ermittlungen und den Respekt ihrer angestammten Territorien.

Gegenüber den honduranischen Medien äußerte der Polizeisprecher Rommel Martínez, dass es in dem Fall "ermutigende" Entwicklungen gebe, die jedoch noch nicht veröffentlicht werden können. Eine Ermittlungseinheit bestehend aus verschiedenen honduranischen Polizeikräften und der internationalen Polizei (Interpol) werde in dem Fall von der US-Bundespolizei FBI beraten.

Mittwoch, 19. August 2020

Politische Justiz in Honduras: Gericht entscheidet gegen Umweltaktivisten

Acht Umweltschützer bleiben in Untersuchungshaft. Weiteren fünf Aktivisten droht nun ebenfalls Gefängnis und Anklage

Samstag, 15. August 2020

WEG MIT INGELSA! - Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank

Im Landkreis Arizona soll durch das Unternehmen INGELSA ein illegales Wasserkraftwerk errichtet werden. Die betroffene Bevölkerung hat sich mehrheitlich gegen dieses Projekt ausgesprochen.

Unter diesem link finden Sie den Originaltext des Briefes  - Sie können den Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) unterstützen und unterzeichnen!

Übersetzung: HondurasDelegation

Wasser ist ein Recht. Keine Ware. Jilamito widersteht. Foto: MADJ



San Pedro Sula, Cortés, Juli 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Interamerikanischen Entwicklungsbank/ IDB

der Internationalen Entwicklungsfinanzierungs-Corporation/DFC,

und der Monkey Forest Consulting

wir grüßen Sie seitens der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ), einer sozialen und politischen Organisation in Honduras, in der sich verschiedene ländliche, städtische und indigene Gemeinden organisieren. Männer und Frauen, die sich für Würde und Gerechtigkeit, den Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit, die Verteidigung von natürlichen Gemeingütern, Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker einsetzen.

Samstag, 8. August 2020

Familien in Honduras hungern - Spendenaufruf Naturfreunde Berlin

Haus in San Franzisco de Locomapa Foto:MADJ
Seit Mitte März besteht aufgrund der Corona-Pandemie in Honduras der Ausnahmezustand. Viele Menschen leiden Hunger, da sie nicht mehr ihren Erwerb nachgehen können. Seit mehreren Monaten verteilt das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ) Lebensmittel an die ärmsten Haushalte. Mit 30 Euro Spende kann ein Haushalt mit sieben Mitgliedern einen Monat überleben. 
Ihr könnt das MADJ direkt bei ihrer wichtigen Arbeit für die Menschen in Honduras unterstützen:

Mit einer Spende von 30 Euro kann MADJ einen Haushalt mit sieben Mitgliedern eine Lebensmittelration für einen Monat bringen.
Mit einer Spende von 100 Euro kann MADJ fünf Haushalte mit drei Mitgliedern Lebensmittelrationen für einen Monat bringen.

Donnerstag, 6. August 2020

Kollektive Versorgung

INTERVIEW MIT DER AKTIVISTIN MIRIAM MIRANDA ÜBER SELBSTORGANISIERTE GESUNDHEITSZENTREN IN DEN GARÍFUNA-GEMEINDEN IN HONDURAS

Weil die staatliche Gesundheitsversorgung in Honduras nicht funktioniert, haben sich die Garífuna-Gemeinden kollektiv organisiert und ein eigenes System aufgebaut, um der Pandemie zu begegnen. Die LN sprachen mit Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Basisorganisation OFRANEH, die den Prozess  mit angestoßen hat. Sie berichtet, welche Strategien die Gemeinden zu ihrem Schutz entwickelt haben und wie diese durch organisierte Kriminalität und staatliche Maßnahmen bedroht werden.


Miriam Miranda (Foto: Rel-UITA Regional Latinoamericana via Flickr, CC BY 2.0)


MIRIAM MIRANDA
ist Koordinatorin der Organización Fraternal Negra Hondureña (OFRANEH), die sich seit 30 Jahren für die Rechte der Garífuna in Honduras einsetzt. Gemeinsam mit ihrer Organisation engagiert sie sich gegen Landraub und Menschenrechtsverletzungen, von denen die afroindigenen Garífuna betroffen sind. Die meisten Garífuna leben in einer der 48 Gemeinden an der Karibikküste. Doch das Territorium der Garífuna ist stark umkämpft und wird sowohl durch Gruppen der organisierten Kriminalität bedroht als auch durch touristische Großprojekte, Bergbauvorhaben sowie die neoliberalen Pläne der Regierung, Sonderwirtschaftszonen einzurichten. Allein 2019 wurden 17 Garífuna in Honduras ermordet, darunter vor allem Menschenrechtsverteidiger*innen und Umweltaktivist*innen (siehe LN 548).

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Samstag, 1. August 2020

Steht hinter dem Verschwinden von Personen in Honduras ein System?



Angehörige von Ofraneh protestieren gegen das gewaltsame
Verschwindenlassen, Quelle: TSUR
Triunfo de la Cruz. Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Verschwinden von Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía aus Triunfo de la Cruz fehlt von den Männern weiter jede Spur. Der Vorfall ereignete sich nahe einer an der Karibikküste von Honduras gelegenen Garífuna-Gemeinde. Die Garífuna sind Nachfahren westafrikanischer Versklavter und Arawak-Indigener.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Kommuniqué von OFRANEH zum gewaltsamen Verschwindenlassen in Triunfo de la Cruz

Kriminelle Strukturen im Dienste des Staates und das gewaltsame Verschwinden der Garifuna in Honduras 
(KOMMUNIQUÉ VON OFRANEH). In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2020 wurde die friedliche Stille in der Garifuna-Gemeinde von Triunfo de la Cruz in der Bucht von Tela an der honduranischen Karibikküste zerstört, als über zehn schwer bewaffnete Männer - in Bekleidung der Militärpolizei (PMOP) und andere mit Westen mit den Insignien des Departements der Untersuchungspolizei (DPI) – gewaltsam in Haus des Gemeindevorstehers Alberth Snaider Centeno eindrangen. Er und drei weitere Bewohner des Ortes wurden gewaltsam aus ihren jeweiligen Häusern gezerrt und sind nmehr als zehn Tage später noch immer verschwunden.

Der Staat will den einzigen bisher in diesem Fall Festgenommenen demnächst wieder freilassen.

Aus diesem Grund weisen wir mit großer Dringlichkeit auf Folgendes hin: