Montag, 13. Juli 2026

Garífuna in Honduras verteidigen ihre Territorien

 Von  amerika21

Vor der Räumung der Gemeinde in Honduras

San Juan Tela. Mit einem Protestcamp wehren sich indigene Garífuna an der honduranischen Karibikküste gegen eine gewaltsame Räumung und gegen die Kriminalisierung von Mitgliedern der Organisation OFRANEH. Am 6. Juli marschierten über 200 Einsatzkräfte der honduranischen Polizei auf ein Grundstück in der Garífuna-Gemeinde Durugubuti. Nach Berichten von Augenzeug:innen gaben sie den Mitgliedern des Landkomitees, die das Territorium bewachten, nur wenige Minuten zum Verlassen des Geländes.

Als die Indigenen forderten, es müsse auf den Anwalt von OFRANEH gewartet und ein Dialog begonnen werden, und zudem weitere Gemeindemitglieder hinzukamen, setzte die Polizei Tränengas ein und feuerte laut OFRANEH auch Schüsse ab. Vier Männer, darunter der Präsident des Komitees für die Verteidigung der Landrechte, und eine stillende Frau wurden festgenommen und erst nach Stunden und landesweiten Protesten wieder freigelassen.

Den fünf Mitgliedern von OFRANEH wird illegale Landbesetzung vorgeworfen. Sie sollen sich ab dem 14. Juli vor Gericht verantworten. Sollten sie angeklagt und verurteilt werden, drohen ihnen hohe Gefängnisstrafen.

Das umstrittene Grundstück wird von dem Unternehmen Promociones y Turismo SA (Promotur) beansprucht, das Presseberichten und Aussagen der Polizei vor Ort zufolge der einflussreichen honduranischen Unternehmerfamilie Rosenthal gehört.

Protest vor dem Sitz der UN in New York am Freitag

Ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2023 stellte schwere Menschenrechtsverletzungen gegen die Garífuna von San Juan fest, bis hin zu Morden. Das Gericht verpflichtete den honduranischen Staat, das von Dritten beanspruchte, angestammte Gemeindeland der Garifuna aus San Juan zu vermessen und binnen zwei Jahren die Restitution durchzusetzen (amerika21 berichtete). Der Gerichtshof erkannte die Rechte der Garífuna grundsätzlich an, ließ aber in Bezug auf einige Grundstücke die Möglichkeit offen, dass der Staat die Garífuna mit einem gleichwertigen Ersatz entschädigen könnte. Honduras hat das Urteil bisher nicht umgesetzt. Akzeptable gleichwertige Grundstücke sind nicht vorhanden, daher beanspruchen die Garífuna das Grundstück weiterhin als ihr legitimes Gemeindeland. Es grenzt an ein Baugebiet, das sie bereits in Eigenleistung mit einer Straße und Brücke erschlossen und parzelliert haben.

Zwischenzeitlich wurde die Polizei von dem Grundstück in San Juan Tela abgezogen. OFRANEH errichtete dort ein Camp, um die Ansprüche der Garífuna zu untermauern und Solidarität mit den kriminalisierten Landverteidiger:innen zu zeigen. OFRANEH-Generalkoordinatorin Miriam Miranda betonte in einem Aufruf: "Die Anhörung am Mittwoch betrifft nicht nur San Juan, hier geht es um die Zukunft des Volkes der Garífuna. Es ist in einer Notsituation. Das hier ist der Ernstfall."

Die gewaltsame Räumung in San Juan Tela war eine der ersten, nachdem das umstrittene Gesetz zur Stärkung und zum Schutz des agroindustriellen Sektors, der Energieprojekte, des Tourismus, der Viehzucht und weiterer Sektoren Ende Juni rechtskräftig wurde.

Das Gesetz unterläuft einerseits das Recht auf öffentliche Organisations- und Versammlungsfreiheit und ermöglicht Räumungen im Eilverfahren ohne richterliche Anordnung (amerika21 berichtete). Andererseits wurde ein staatliches Rundschreiben, das Circular DGPN-(S/D)-No.009-2026, erlassen. Dieses nimmt indigene Territorien von dem Gesetz aus, sodass auch nach den eigenen Regularien des Staates die Räumung in San Juan Tela nicht hätte durchgeführt werden dürfen. Gegen das Gesetz fanden seit Juni 2026 mehrere große Demonstrationen in der Hauptstadt Tegucigalpa statt. Zudem wurden Eilanträge und Verfassungsklagen eingereicht. Für diese Woche sind weitere Aktionen angekündigt.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Ohne Landrechte und indigene Rechte kein Schutz vor Klimaschäden!

Honduras Präsident Asfura nimmt am 18/19. Juni in Berlin am Climate Mobility Forum teil. Das Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V und die Honduras Delegation wenden sich mit einem offenen Brief an die Organisatoren

Der Präsident der Republik Honduras, Nasry Asfura, ist neben den Präsidenten mehrerer Inselstaaten Teilnehmer des diesjährigen Berlin Climate Mobility Forums. Das Forum hat sich nach eigener Aussage zum Ziel gesetzt, "den Status quo zu ändern", indem "politische Verpflichtungen in koordinierte Maßnahmen" überführt werden. "Diese sollen lokale Gemeinschaften dabei unterstützen, ihre Heimat und Lebensgrundlage vor Klimaschäden zu schützen, damit sie vor Ort bleiben können. Wenn nötig und gewollt, geht es auch darum, den Betroffenen eine sichere und würdevolle Umsiedlung zu ermöglichen. (...) Neben der Verabschiedung der ,Global Climate Mobility Principles‘ rückt das Berlin Climate Mobility Forum auch deren Umsetzung in den Fokus. Die ,Climate Mobility Adaptation Agenda‘ soll diesen Prozess gezielt beschleunigen."

Sonntag, 7. Juni 2026

Honduras stärkt Agrarindustrie mit umstrittenem Gesetz

Verschärfte Kriminalisierung sozialer Proteste, Verletzung kleinbäuerlicher und indigener Rechte befürchtet. Proteste angekündigt, Verfassungsklagen erwartet

Sonntag, 31. Mai 2026

Filmvorführung und Diskussion: Die politische Ökonomie der Gewalt

Bericht zum Mord an der honduranischen Umweltverteidigerin Berta Cáceres und der Rolle internationaler Entwicklungsbanken

mit Bertha Zúniga und Camilo Bermúdez (COPINH)
sowie einem Videobeitrag der Menschenrechtsanwältin Roxanna Altholz (GIEI Honduras)

Dienstag, 09.05.2026 ab 18:00 Uhr
Versammlungsraum des Mehringhof
Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Mit Simultanverdolmetschung Deutsch - Spanisch


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español más abajo:
Berta Cáceres war eine international bekannte indigene Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin. Als Leiterin des Zivilen Rates der Indigenen und Basisorganisationen von Honduras (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras - COPINH) war sie das Gesicht des Widerstandes der Lenca-Gemeinden von Río Blanco gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 erschoss ein Killerkommando Berta in ihrem Haus. Vier Auftragsmörder und einige Mittelsmänner wurden drei Jahre später zu Haftstrafen verurteilt. Die Auftraggeber:innen blieben lange im Dunkeln.

Ex-Bürgermeister wegen mutmaßlichem Mordauftrag gegen honduranischen Umweltschützer in Haft

Kriminelles Netzwerk hinter dem Mord an Juan López vermutet. Prozess gegen Unternehmer Lenir Pérez wegen illegalen Bergbaus und Umweltdelikten erneut vertagt

Samstag, 23. Mai 2026

Massaker an Kleinbäuer:innen in Honduras

Verbrechen in einer Region mit Landkonflikten. UN-Menschenrechtsbüro und lokale Gruppen fordern Aufklärung und Schutz. Regierung kündigt mehr Polizei im Aguán-Tal an.

Dienstag, 19. Mai 2026

Geleakte Audios über die USA und ein korruptes Machtnetzwerk in Honduras

Verurteilter Ex-Präsident als Vermittler für US-Interessen. Auch Israel erwähnt. Plan gegen Mexiko und Kolumbien

Samstag, 16. Mai 2026

Anwalt und Ärztin in Honduras stundenlang festgehalten

Hintergrund sollen Konflikte mit Unternehmen sein. Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Bewegung warnt vor Privatisierung "aller Güter"

Sonntag, 8. März 2026

Berta Cáceres - 10 Jahre Straflosigkeit

“Despertemos, despertemos humanidad, ya no hay tiempo”

“Lasst uns aufwachen, Menschheit! - es bleibt keine Zeit mehr!”


Foto: Giorgio Trucchi


Wer war Berta Cáceres?


Berta Cáceres wurde am 4. März 1971 in La Esperanza-Intibucá, im ländlich geprägten Westen von Honduras geboren. Sie war eine Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin.

1993 gehörte sie zu den Gründer:innen des Zivilen Rates der indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH), den sie viele Jahre lang leitete. Berta kämpfte mit dem COPINH gegen Rassismus und die Ausbeutung von Mensch und Natur durch Abholzung, Wasserkraft- und Bergbauprojekte.

Geprägt wurde Berta in ihrer Kindheit und Jugend durch ihre alleinerziehende Mutter, die als Hebamme arbeitete, Bürgermeisterin, Gouverneurin und Kongressabgeordnete war. Als „Stimme der Lenca“, setzte sich die vierfache Mutter gegen patriarchale Machtstrukturen und für die Stärkung der indigenen Frauen in den Gemeinden ein.

Die Verfolgung der Familie, das repressive politische Klima im Honduras der 1980er Jahre sowie die Situation der salvadorianischen Geflüchteten hinterließen bei Berta bleibenden Eindruck, so dass sie sich dem Widerstand im Nachbarland El Salvador anschloss.

Früh engagierte sie sich auch gegen eine US-Militärbasis in Honduras und solidarisierte sich u.a. international mit der kurdischen Autonomiebewegung und den Mapuche in Chile. Von 2009 an gehörte sie zu den führenden Köpfen der Protestbewegung gegen den zivil-militärischen Putsch in Honduras 2009.

“Vos tenés la bala, yo la palabra. La bala muere al detonarse, la palabra vive a replicarse ”

“Du hast die Kugel, ich das Wort. Die Kugel stirbt mit dem Aufprall, das Wort lebt weiter, indem es weitergegeben wird.”


Warum wurde Berta ermordet?

Seit 2010 war Berta das Gesicht des Widerstandes der Lenca gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“ am heiligen Fluss Gualcarque. Das honduranische Unternehmen DESA versuchte, das Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen.

Trotz Warnungen wegen Korruption und Gewalt gegen die Kraftwerksgegner:innen finanzierten die niederländische Entwicklungsbank FMO, der Finnfund und die zentralamerikanische Entwicklungsbank „Agua Zarca“ immer weiter.

Das deutsche Unternehmen Voith Hydro (damals ein Joint Venture der Siemens AG) wollte Turbinen liefern. Als alle Versuche, den Widerstand zu brechen, sich als vergeblich erwiesen, wurde ein Mordkomplott gegen Berta geschmiedet, um die Investition in das Kraftwerk zu retten. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 erschoss ein Killerkommando Berta in ihrem Haus.


Wer steckt hinter dem Mord?

2019 wurden vier Täter und einige Mittelsmänner zu Haftstrafen verurteilt. Die mutmaßlichen Auftraggeber wurden nicht belangt.

Anfang 2026 stellte die GIEI, eine Gruppe unabhängiger internationaler Expert:innen, einen Bericht vor, der zeigt: 

- 67 Prozent der Gelder der Entwicklungsbanken, etwa 12 Millionen US-Dollar, flossen in Aktivitäten wie Überwachung und Verfolgung von Aktivist:innen, Bestechung, den illegalen Erwerb von Grundstücken und die Finanzierung des Mordes selbst.

- Honduranische staatliche Stellen wussten seit Januar 2016 von den Mordplänen und unternahmen nichts, um Berta zu schützen.
 
- Es gibt ausreichend Beweise, um eine Strafverfolgung von Mitgliedern der mächtigen Unternehmerfamilie Atala Zablah als Hintermänner des Mordes einzuleiten.