Freitag, 15. März 2019

Unmenschliche Bedingungen für Frauen als Hausangestellte in Honduras

Das Netzwerk der Hausangestellten will der Arbeit Würde geben 
Tegucigalpa, Honduras. Übermäßig viel Arbeit, niedrige Entlohnung, schlechte Behandlung, Diskriminierung, das Fehlen von Arbeitsrechten und mangelnde Bildungs-möglichkeiten – das sind die Hauptprobleme von mehrheitlich Frauen, die in Honduras als Hausangestellte arbeiten.

Nacha (Putzi), muchacha (Mädchen), criada (Magd), gata (Katze) und sirvienta (Dienerin) sind einige der abfälligen und diskriminierenden Bezeichnungen, mit denen Tag für Tag tausende Frauen belegt werden, die mit ihrer Arbeit bei wohlhabenden Familien zur Volkswirtschaft beitragen. "Wir sind niemals Dienerinnen, sondern immer Hausangestellte gewesen", erklärt mit Stolz Gabriela Pineda, Dienstangestellte und Mitglied der Politischen Kommission des Netzwerks der Hausangestellten in einem Interview mit der Zeitung La Prensa. "Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind unmenschlich, wir genießen keinerlei Schutz", fährt die junge Frau fort.

"Wir sind Opfer bis hin zur sexuellen Gewalt, denn unsere Arbeitgeber sehen uns als minderwertig an", berichtet Pineda bei einer Anhörung im Parlament. Sie fordert die Abgeordneten dazu auf, ein Gesetz zu ihrem Schutz zu verabschieden. Im Arbeitsgesetz fehlen Festlegungen bezüglich freier Tage. Feiertage wie sogar der Nationalfeiertages gelten nicht für Hausangestellte. Sie haben zwar Anspruch auf täglich zehn Stunden absoluter Ruhe, von denen zumindest acht Stunden Nachtruhe sein sollen, jedoch wird dies nicht immer eingehalten.

Die Angestellte ist ein einem Netzwerk organisiert, das Informationen über die Arbeitsbedingungen zusammengetragen hat. Die Frauen treffen sich an den freien Tagen, um ihre bitteren Erfahrungen auszutauschen. In den letzten Jahren haben sich die Hausarbeiterinnen ihre eigenen Organisationsstrukturen geschaffen und erhalten Unterstützung vom Frauenforschungszentrum Honduras (Cem-H) und der Le Pont-Organisation. Im vorigen Monat legte das Netzwerk der Hausangestellten eine Untersuchung über die bezahlten Hausarbeiterinnen vor. Untersucht wurde die Situation in den Städten Tegucigalpa und San Pedro Sula.

Laut der jungen Frau legen die Arbeitgeber ihren Angestellten Hindernisse in den Weg, wenn diese sich weiterbilden wollen. Das Institut Irene Reyes Valanzuela in der Hautpstadt zum Beispiel öffnet seine Türen an zwei Tagen in der Woche für einen kostenlosen Besuch, aber sehr wenige Frauen können davon Gebrauch machen.

2008 wurde ein Dekret erlassen, aufgrund dessen die Arbeitgeber ihre Hausangestellten bei der Nationalen Sozialversicherung registrieren lassen müssen. Allerdings sind seitdem nur zwei Frauen eingeschrieben worden.

Hausangestellte arbeiten zudem ohne gesetzlichen Schutz, der ihnen einen Mindestlohn garantieren würde. Der niedrigste Lohn für Hausangestellte, die nicht in dem Haushalt schlafen an dem sie arbeiten, beläuft sich in Honduras auf 4.000 Lempira (rund 146 Euro). Es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.
Eine der Hoffnungen der Hausarbeiterinnen ist ein Gesetzesvorschlag von Sara Medina, Abgeordnete der Partei "El Paraíso". Dieser wurde bereits in einer ersten von drei vorgeschriebenen Lesungen gebilligt. Aber auch diese Gesetzesinitiative sieht keine Festlegung eines Mindestlohns vor.

Der Film "Roma" des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón hat für das Thema der Hausangestellten Aufmerksamkeit erregt. Im Mittelpunkt des Films steht die Hausangestellte Cleo, sie ist Mixteco-Indigene. Der Film wurde für zehn Oscars nominiert und gewann in den Kategorien beste Regie, bester fremdsprachiger Film und beste Kamera.

Donnerstag, 14. März 2019

Die Frauen entscheiden

Aktuelle Landkonflikte in honduranischen Garífuna-Gemeinden erfordern neue Organisierungsformen. 

Von Rita Trautmann und Steffi Wassermann 
erschienen in Südlink Nr. 187

Garífuna-Siedlung Guadalupe, Foto: Rita Trautmann
Als Nachfahren der karibischen Arawak-Indigenen und afrikanischer Versklavter leben die Garífuna vor allem an der Karibikküste von Honduras. In vielen Gemeinden sind sie von Vertreibung bedroht, weil Investor*innen touristische Luxusressorts errichten oder Häfen ausbauen. Doch Aktivist*innen leisten Widerstand und eignen sich Land wieder an. So manches traditionelle Rollenbild wird dabei entsorgt.


Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts weckte das fruchtbare Land Begehrlichkeiten. „Der honduranische Staat möchte uns seit jeher von unserem Land vertreiben und unsere Kultur zerstören“, erklärt Aurelia Arzú von der Garífuna-Organisation OFRANEH (Organización Fraternal Negra de Honduras). Waren es vor 100 Jahren US-amerikanische Bananenkonzerne, sind es heute kanadische Investor*innen und honduranische Unternehmen, die der Staat schützt.

Die Garífuna sind Nachfahren der karibischen Arawak-Indigenen und afrikanischer Versklavter, die Ende des 18. Jahrhunderts von englischen Kolonisatoren nach Honduras deportiert wurden. Die Karibikküste Zentralamerikas war zur Zeit ihrer Ankunft weitgehend unbewohnt, so dass sie sich dort zwischen Belize und Nicaragua ansiedeln konnten. Der Großteil von ihnen lebt bis heute in 46 Gemeinden an der honduranischen Karibikküste.

Frauen übernehmen neue Aufgaben

Aurelia Arzú ist Vize-Koordinatorin bei OFRANEH, der ältesten Garífuna–Organisation des Landes. 1978 gegründet, setzt sich OFRANEH seitdem für die Rechte der Garífuna ein und orientierte sich anfangs dabei an traditionellen Organisationsformen.

Diese besagen, dass sich Männer auf Dorfebene in Ältestenräten den politisch-administrativen Angelegenheiten widmen. Frauen hingegen treffen sich in Tanzclubs. In diesen wird bis heute das kulturelle Erbe gelebt. Die Unesco hat die Kultur der Garífuna – ihre Sprache, Tänze und Musik – 2001 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Tanzclubs sind aber weit mehr als Traditionspflege: Sie sorgen für sozialen Zusammenhalt in den Dörfern und dienen dem Austausch mit anderen Gemeinden. Das schaffte eine Basis, sich regional über die Situation der einzelnen Gemeinden auszutauschen, und half dabei, eine gemeindeübergreifende Organisation zu gründen.

Medaline David Fernández Foto: Rita Trautmann
Doch heute sind bei OFRANEH maßgeblich Frauen für politisch-administrative Aufgaben zuständig. „Als Männer OFRANEH koordinierten, befand sich die Organisation auf dem absteigenden Ast“, berichtet Aurelia Arzú. Erst jungen Frauen sei es gelungen, aus OFRANEH das zu machen, was es heute ist: „Eine national und international anerkannte Organisation, die sich federführend für Landrechte der Garífuna einsetzt.“

Der Mann und das Meer – die Frau und das Land. So lässt sich räumlich die herkömmliche Arbeitsteilung beschreiben. Während Männer mit Fischfang zum Einkommen beitragen, sind es Frauen, die mit dem Anbau von Maniok für das tägliche Brot sorgen. Dadurch sind sie in den Gemeinden präsenter, auch weil in den vergangenen 20 Jahren mehr Männer als Frauen in die USA migriert sind. „Die Garífuna-Frau trifft die Entscheidungen“, stellt Arzú fest. Doch sind Frauen auf den Feldern auch immer wieder Übergriffen ausgesetzt und vom Landverlust in stärkerem Maße betroffen, da viele von ihnen allein für den Lebensunterhalt der Familie sorgen müssen.

Aktivist*innen eignen sich das Land wieder an

Durch wirtschaftliche Großprojekte der aktuellen rechts-konservativen Regierung haben die Konflikte um Land auf dem Gebiet der Garífuna zugenommen. Einige Gemeinden sind von Zwangsumsiedlung bedroht. Der neoliberale honduranische Präsident Juan Orlando Hernández hat diverse Pläne für die Karibikküste: Ausbau von Luxusressorts für internationalen Tourismus, Ausbau von Häfen für den Handel und den Aufbau sogenannter Charter Cities, in denen Unternehmen frei von staatlicher Kontrolle ein investorenfreundliches Umfeld vorfinden sollen.

Bei allen Plänen sind die Gemeinden der Garífuna der Regierung und den Unternehmen im Weg. Honduras hat zwar die ILO-Konvention 169 ratifiziert, die indigenen Gemeinschaften das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung für Projekte, die auf ihrem traditionellen Land umgesetzt werden sollen, garantiert. Umgesetzt wird sie jedoch nicht: Korrupte Behörden, doppelt vergebene Landtitel, manipulierte Konsultationen mit gefälschten Unterschriftenlisten oder Befragungen, die erst dann durchgeführt werden, wenn bereits mit den Baumaßnahmen begonnen wurde, sind gängige Praxis.

„Trotzdem gehört die Konvention zu den wenigen Waffen, die wir haben“ betont die Aktivistin Medelín David Hernández, die ein Projekt zur Wiederaneignung von Land mit organisiert. Diese recuperaciones sind eine aktive Form, traditionelles Territorium zu verteidigen und geraubtes Land wieder zurückzugewinnen. Seit mehreren Jahren gibt es diese Projekte in verschiedenen Garífuna-Gemeinden. Eine davon ist Guadelupe nahe der Stadt Trujillo im Nordosten von Honduras.

Seit drei Jahren arbeiten 30 vorrangig junge Menschen daran, das Land in Nachbarschaft zu einem Luxus-Ferienresort eines kanadischen Investors wieder für die Gemeinde nutzbar zu machen. Die Rückgewinnung geschieht vor allem durch die Urbarmachung des Landes.

Was traditionell Frauensache war, geht jetzt auch Männer an. Viele von ihnen arbeiten zum ersten Mal in der Landwirtschaft. Nun legen sie Felder an, um Bananen und Maniok anzupflanzen. „Wir müssen alles neu lernen“ berichtet einer der Aktivisten in Guadelupe. Hütten werden errichtet, um eines Tages mit der ganzen Familie dort leben zu können. Viele der jungen Menschen hatten eigentlich einen anderen Traum. Sie wollten in die USA auswandern. Doch die gefährliche Migrationsroute oder die US-Einwanderungsbehörden zwangen sie zur Rückkehr.

Sie wissen, dass die Wiedergewinnung des Landes ihnen die einzige Chance bietet, um in Honduras zu überleben. Gemeinsam mit den Frauen bearbeiten sie die Felder und organisieren alle weiteren Arbeiten in dem Projekt. Doch auch hier spielt die Bedeutung von Land für die Frauen eine zentrale Rolle. Die junge Aktivistin Medelín David Hernández erinnert sich noch daran, als dieses Land der Gemeinde gehörte und sie als Kind ihre Mutter hierher zur Feldarbeit begleitete.

Das war eine der Motivationen, das Land, das sich der kanadische Investor Jorgensen illegal aneignete, zurückzugewinnen. Aber sie macht es auch für die Kinder der Gemeinde Guadalupe: „Wir sind unseren Kindern ein Vorbild. Würden wir jetzt nichts tun, würden sie uns eines Tages fragen, warum wir einfach Zuhause geblieben sind.“ Bevor sie die Gruppe für das Projekt in ihrer Gemeinde organisierte, ließ sie sich von OFRANEH und dem bereits bestehenden Wiederaneignungsprojekt in Vallecito beraten.

Kokosnüsse statt Ölpalmen

Vallecito liegt circa 50 Kilometer östlich von Trujillo, nahe der Garífuna-Gemeinde Limón. Auch hier starteten Aktivist*innen vor einigen Jahren ein Wiederaneignungsprojekt. In Vallecito entsteht etwa drei Kilometer im Landesinneren, umgeben von Ölpalmenplantagen, die erste Garífuna-Gemeinde, die nicht direkt an der Küste liegt. Früher baute das honduranische Unternehmen Dinant hier auf traditionellem Land Ölpalmen an. Dann kamen die narcos – Drogenbarone – und errichteten eine illegale Landepiste für ihre Kokaintransporte aus Südamerika. Obwohl selbst der Oberste Gerichtshof 2004 die Rechtmäßigkeit des kommunitären Landtitels anerkannte, dauerte es noch mehr als zehn Jahre, bis die Garífuna den Invasoren das Land abtrotzen konnten.

„Wir haben sie durch den Glauben an unsere spirituelle Kraft vertrieben“, erklärt Aurelia Arzú. „Zwar hatten die narcos Waffen und haben nachts geschossen, aber die Garífuna haben in den Nächten getrommelt.“ Die ersten, die sich in Vallecito niederließen, waren alleinerziehende Mütter. Heute leben bereits zehn bis zwölf Familien dort – mit eigener Schule und einem Kindergarten. Auf den 120 Hektar tragen vor allem die Frauen durch ihre kollektive Feldarbeit zur Unabhängigkeit und Ernährungssouveränität bei. „Wir bauen hier Kokosnüsse in großem Maßstab für die eigene Ölproduktion an. Kokosnüsse gehören zu unserer traditionellen Ernährung“, berichtet Arzú. „Warum sollten wir weiter das Öl der Ölpalme nutzen?“ Denn die Ölpalme ist ein Sinnbild für Vertreibung und Zerstörung geworden.

Bisher ist in Vallecito noch vieles im Aufbau, der Ort ist nicht ans Stromnetz angeschlossen und auch Handyempfang gibt es dort kaum. Aber nach und nach sollen sich weitere Familien ansiedeln, OFRANEH hat einen Teil seiner Verwaltungs dorthin verlegt. „Noch ist Vallecito ein Traum“, sagt Arzú. „Aber wir arbeiten daran, dass er Schritt für Schritt wirklich wird.“

Gefahr droht ihnen bei der Verwirklichung dieses Traumes nicht nur von narcos, Unternehmen oder korrupten Behörden. Auf staatlicher Ebene wird seit 2015 die Umsetzung der ILO-Konvention 169 in nationales Recht vorbereitet. Die Konvention sieht explizit ein Vetorecht der indigenen Gemeinden gegen Projekte vor. Laut Interpretation der honduranischen Regierung sei dies jedoch nicht der Fall. Ein geschickter Schachzug, der einerseits der internationalen Staatengemeinschaft suggeriert, der Staat sei an der Stärkung indigener Rechte interessiert. Andererseits könnte damit die Enteignung traditionellen Landes weiter legalisiert werden. „Deshalb sagen wir ganz klar ‚Nein‘ zu diesem Gesetzesentwurf“, fasst Arzú die Position vieler indigener Organisationen in Honduras zusammen. In dieser schwierigen Situation bleibt den Garífuna vor allem die eigene Organisierung als Widerstand - in traditionellen oder neuen Formen.

Rita Trautmann und Steffi Wassermann sind Aktivist*innen im Menschenrechtskollektiv CADEHO und beide Mitglied im solidarischen Netzwerk HondurasDelegation.


 

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Zentralamerika in Bewegung
Aktuelle Ausgabe von Südlink erschienen

Zentralamerika, eine Region im Bann der Gewalt? Ja, aber nicht nur. Beeindruckend ist auch die Mobilisierung der Menschen, die sich gegen Unrecht und Unterdrückung auflehnen.

Guatemala, Honduras und El Salvador gehören zu den gewalttätigsten Ländern Lateinamerikas. Und nach dem Beginn der Proteste gegen die autoritäre Regierung von Präsident Daniel Ortega im April 2018 versank auch Nicaragua in Gewalt.

Gewalt prägt die Geschichte der Region, genauso wie der Widerstand der Menschen gegen die Herrschenden – seien es ausländische Mächte, seien es die politischen und wirtschaftlichen Eliten der Länder Zentralamerikas. Die Hoffnung kommt von unten.

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Dienstag, 12. März 2019

Freispruch für Umweltaktivisten in Honduras

 von Sascha Jablonski in amerika21

Anwaltsteam und Menschenrechtsaktivisten am Tag des Freispruches
Foto Edy Tábora
Tocoa. Nach monatelangen Gerichtsverfahren hat am 4. März der Richter Víctor Méndez entschieden, dass die Vorwürfe gegen die zwölf honduranischen Umwelt-aktivisten aus Guapinol nicht haltbar sind. Sie hatten sich gegen die Zerstörung der Region durch den Bergbau engagiert. Der Richter ordnete die umgehende Freilassung an.

Umweltschützer werten den Freispruch als historischen Erfolg. "Gewonnen haben das Volk, das Leben und unsere Flüsse, die Wahrheit und die Gerechtigkeit", sagte Esly Banegas, Aktivistin aus Colón. Sie fügt hinzu, dass zwar "eine Schlacht, aber längst nicht der Krieg gewonnen wurde". Hunderte Anwohner und Unterstützer feierten das Urteil auf den Straßen. Die Freigesprochenen hatten sich gegen das Bergbauvorhaben Los Pinares in Colón gewehrt, um die beiden Flüsse San Pedro und Guapinol vor der Zerstörung zu schützen.

Laut Verteidiger der Angeklagten sei das Verfahren ein symbolischer Schauprozess gegen den Widerstand von betroffenen Gemeinschaften gegen Bergbau. Mit Repression gegen Anwohner und Umweltaktivisten wolle man den Widerstand der Bevölkerung brechen, um den Bergbau in der Region fortzusetzen. Zum Prozess waren internationale Prozessbeobachter angereist. Ihrer Aussage nach habe die Regierung im letzten Jahr zwecks der Kriminalisierung von Bergbaugegnern eigens neue Gesetze geschaffen. Im Oktober 2018 war es damit zu einer zehntägigen Massenverhaftungswelle gekommen. 31 Umweltaktivisten wurden verhaftet, darunter die zwölf, die nun aufgrund mangelnder Beweise und falscher Anschuldigungen freigesprochen wurden.

Die Ursache für die staatliche Repression sei die Parteilichkeit und Korruption der Regierung. So werfen die vom Bergbau betroffenen Gemeinschaften und Umweltorganisationen der Regierung vor, dass für die Sicherstellung der Gewinne der transnationalen Bergbauunternehmen Umwelt- und Menschenrechte umgangen und missachtet werden.

Schon die Vergabe der Abbaugenehmigung in Colón sei problematisch gewesen, erklärt Adilia Castro vom Komitee zur Verteidigung des kommunalen Wohles in der Provinzstadt Tocoa im Department Colón. Die Anwohner werden weder über die Vorhaben informiert, noch in die Entscheidungen einbezogen. Für die Vergabe der Bergbaulizenz wurde im Dezember 2013 ein Dekret verabschiedet, das den zuvor geschaffenen Naturpark von 23.000 um 217 Hektar reduzierte. Genau über das Gebiet sind dann Lizenzen vergeben worden. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Menschen aus fünf Landkreisen von den Ausmaßen des Projekts betroffen. Anwohner berichten von massiven Umweltverschmutzungen. Zudem seien mit Beginn der Bergbaus bewaffnete Akteure in der Region gesichtet worden.

"Das Urteil gibt Hoffnung auf Gerechtigkeit", sagte eine Aktivistin aus Colón, "aber um den Bergbau zu stoppen muss der Widerstand weitergehen." Die Lizenz hat noch weitere zehn Jahre Vertragslaufzeit.

Montag, 11. März 2019

Rolle der Frauen im territorialen Widerstand in Honduras


von Daniela Dreißig erschienen in amerika21

Tegucigalpa. Frauenorganisationen riefen für den 8. März zu Kundgebungen und Aktionen auf. Vor der Generalstaatsanwaltschaft in Tegucigalpa versammelten sich Frauen, um auf die hohe Femizidrate und deren Straflosigkeit aufmerksam zu machen. Der Campus der Nationalen Autonomen Universität Honduras in Tegucigalpa wurde von Studentinnen und Mitarbeiterinnen der Universität besetzt. Sie machten auf die sexuelle Belästigung und Gewalt innerhalb des Bildungssystems aufmerksam. Sie forderten die Einführung des Notfall-Antikonzeptivums (der "Pille danach") und der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Aus der nördlichen Industriestadt San Pedro Sula wurde berichtet, dass Mitglieder der bewaffneten Streitkräfte gegen Frauen und Mädchen, die sich vor dem Gerichtsgebäude versammelten, handgreiflich wurden und sie mit Waffen bedrohten.


Das Gedenken an Berta Cáceres ist auch am Weltfrauentag in Honduras spürbar Foto: COPINH

Laut einem Bericht der Nationalen Stelle zur Beobachtung der Gewalt der Universität (UNAH) wurden allein im Jahr 2018 380 Frauen ermordet. Mehr als 90 Prozent aller Frauenmorde bleiben in absoluter Straflosigkeit. Gewalt gegen Frauen ist unter anderem Folge von wirtschaftlicher Ungleichheit, Armut, Korruption, Militarisierung und den fest verankerten Strukturen des organisierten Verbrechens und der Drogenkriminalität in der honduranischen Gesellschaft.

„Rechtsmittel nutzen und lokale Initiativen stärken“


Wie Anwälte aus Honduras Basisgruppen in ländlichen Gemeinden unterstützen


Eine Veranstaltung mit den beiden Preisträgern des 16. Solidaritätspreises der Stadt Bremen – Victor und Martín Fernández Guzman

Foto: Darwin Alachan

Seit dem Putsch von 2009 betreibt die rechts-konservative Regierung in Honduras einen Ausverkauf des Landes. Über 30% des Territoriums sind per Konzessionen an Unternehmen vergeben – auf Kosten indigener und ländlicher Gemeinden. Die betroffene Bevölkerung setzt sich gegen ihre Enteignung und die drohende Umweltzerstörung zur Wehr und wird vom Staat bedroht, kriminalisiert und Aktivist*innen werden ermordet. In einem korrupten Justizsystem finden diese Gemeinden oft kein Gehör.

Victor und Martín Fernández Guzman sind Anwälte und haben gemeinsam mit anderen Jurist*innen die "Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia – MADJ) gegründet. Die MADJ unterstützt seit mehr als zehn Jahren diese Gemeinden im Widerstand zum einen durch juristische Beratung, zum anderen durch den Aufbau und die Fortbildung von Basisgruppen in den Gemeinden. In der Veranstaltung berichten die beiden Anwälte über ihre Arbeit im Kontext der aktuellen politischen Situation. An konkreten Beispielen erläutern sie, wie ihre Organisation den Kampf der Gemeinden gegen Bergbau- und Energiegewinnungsprojekte unterstützt, wie sie Rechtsmittel nutzen und vor welchen Herausforderungen sie in einem nicht funktionierenden honduranischen Justizsystem stehen.



Referenten:
Martín Fernández Guzman, Anwalt und Generalkoordinator der MADJ.
Victor Fernández Guzman, Anwalt und politischer Koordinator der MADJ. Seit der Ermordung von Berta Cáceres (Koordinatorin der indigenen Organisation COPINH) gehört er zum Anwaltsteam der Nebenklage.

Moderation: Erika Harzer

Die Veranstaltung findet am 4. April 2019, 19:00 Uhr im Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Sebastianstr. 21, 10179 Berlin statt.

Die Veranstaltung findet in spanischer Sprache mit Konsekutiv-Übersetzung statt.

Veranstalter: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V., HondurasDelegation, CADEHO

Zur Anmeldung

                                 



„Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin“







Sonntag, 10. März 2019

Land, Leute, Lucha

Kämpfe um Land und Selbstbestimmung in Zentralamerika

Zentralamerika-Tagung in Bad Boll vom 22. - 24. März 2019 in Bad Boll

Foto: Kathrin Zeiske
Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen schreitet in Zentralamerika voran. Bergbau, Wasserkraft und Monokulturen gefährden Naturräume und die Lebensgrundlagen der betroffenen Gemeinden.

Mit Gästen aus Zentralamerika wollen wir uns austauschen und folgende Themen diskutieren: Wie können Konflikte bearbeitet und Staaten, Unternehmen und Banken in die Pflicht genommen werden? Wie können die Selbstbestimmungsrechte von betroffenen Gemeinden gewährleistet werden? Welche Rolle kommt der solidarischen Zivilgesellschaft in Deutschland und Europa bei der Unterstützung der sozialen Bewegungen zu?

Zur Anmeldung, Programm und Wegbeschreibung

Freitag, 8. März 2019

Feature: Mittelamerikanische Musikerinnen wehren sich gegen den Machismo

Feature von Erika Harzer zum Internationalen Frauentag 2019

Blöde Anmache, begrapschen, sexuelle Übergriffe: Gewalterfahrungen gehören für viele Frauen in Mittelamerika zum Alltag. In Honduras und Guatemala haben sich zwei Sängerinnen mit Musik gegen Machismo einen Namen gemacht. Im Privaten wie in der Politik gilt frauenverachtende Politik und sexualisierte Gewalt oft als "normal". Doch immer mehr Frauen organisieren und wehren sich. Darunter Künstlerinnen, die auf der Bühne mit ihrer Musik Widerstand proben. Engagiert, humorvoll, mitreißend. Erika Harzer trifft Sängerinnen verschiedener Generationen und spricht mit Betroffenen von erlebter (Machismo-) Gewalt.

Feature hören


Dienstag, 5. März 2019

Aufruf des Red Nacional de Defensoras de DDHH en Honduras

Einschüchterungsversuch und Belästigung durch die Justiz, gegen Miriam Miranda, Koordinatorin von OFRANEH #AlertaDefensoras



Sonntag, 3. März 2019

Mitteilung des Bloque Latinoamericano zum 3. Jahrestag der Ermordung von Berta Cáceres


Berlin, den 03. März 2019

Genossinnen und Genossen,
Berta Cáceres reiht sich ein in die lange Liste von Anführerinnen und Anführer von Gemeinschaften und ihren Kämpfen, die in den letzten Jahren ermordet wurden; eine Liste die zuletzt in ganz Lateinamerika stark zugenommen hat.

Berta ist für den Kampf gegen den neoliberalen Extraktivismus gestorben, welcher nicht nur gesamte Ökosysteme zerstört, sondern auch unmittelbar das Leben der indigenen Lenca Gemeinschaften in Honduras und El Salvador bedroht. Seit dem Militärputsch im Jahr 2009 findet unter der diktatorischen Regierung von Porfirio Lobo und Juan Orlando Hernández eine verstärkte Übergabe von Konzessionen für die Implementierung von Wasserkraftprojekte statt. Das bedeutet die Vertreibung ganzer Gemeinden und die Privatisierung von gemeinschaftlichem Land und Ressourcen. Wie überall an der Region haben Staat und Kapital diejenigen, die wie Berta für die Verteidigung der Völker und des Territoriums gekämpft haben, durchlöchert.


Kommuniqué zum Gedenken an Berta Cáceres

Kundgebung vom 3.3.2019 in Berlin


„Yo volveré y seré millones“ In Gedenken an Berta Cáceres und an alle ermordeten Menschenrechts-verteidiger*innen weltweit Sonntag, den 3. März 2019



Heute vor drei Jahren drangen bewaffnete Männer in das Haus von Berta Cáceres ein und erschossen sie. Der mexikanische Umweltschützer Gustavo Castro wurde bei dem Angriff angeschossen. Das Motiv für die Tat: Berta hatte die Flüsse, Territorien und Rechte der indigenen Bevölkerung verteidigt. „Berta ist nicht gestorben – sie hat sich vervielfältigt“ - In Erinnerung an Berta Cáceres und Hunderte ermordeter Aktivist*innen sozialer Bewegungen.