Donnerstag, 18. Juni 2026

Ohne Landrechte und indigene Rechte kein Schutz vor Klimaschäden!

Honduras Präsident Asfura nimmt am 18/19. Juni in Berlin am Climate Mobility Forum teil. Das Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V und die Honduras Delegation wenden sich mit einem offenen Brief an die Organisatoren

Der Präsident der Republik Honduras, Nasry Asfura, ist neben den Präsidenten mehrerer Inselstaaten Teilnehmer des diesjährigen Berlin Climate Mobility Forums. Das Forum hat sich nach eigener Aussage zum Ziel gesetzt, "den Status quo zu ändern", indem "politische Verpflichtungen in koordinierte Maßnahmen" überführt werden. "Diese sollen lokale Gemeinschaften dabei unterstützen, ihre Heimat und Lebensgrundlage vor Klimaschäden zu schützen, damit sie vor Ort bleiben können. Wenn nötig und gewollt, geht es auch darum, den Betroffenen eine sichere und würdevolle Umsiedlung zu ermöglichen. (...) Neben der Verabschiedung der ,Global Climate Mobility Principles‘ rückt das Berlin Climate Mobility Forum auch deren Umsetzung in den Fokus. Die ,Climate Mobility Adaptation Agenda‘ soll diesen Prozess gezielt beschleunigen."

Als Menschenrechtskollektive, die seit Jahrzehnten zu Honduras arbeiten, sehen wir uns in der Pflicht, darauf hinzuweisen, dass das Land zwar tatsächlich in besonderer Weise von der Klimakrise betroffen ist. Starkregen, Wirbelstürme, Küstenerosion und Hungerkrisen im Trockenkorridor des Landes zeigen dies überdeutlich. Gleichzeitig fehlen jedoch von staatlicher Seite jegliche Voraussetzungen für eine echte Partizipation und einen tatsächlich wirksamen Schutz der lokalen Gemeinschaften. Deren elementare Rechte werden bewusst und oftmals gewaltsam zugunsten wirtschaftlicher Interessen ausgehebelt. Die primäre Verfolgung wirtschaftlicher Interessen verhindert zudem Klimaschutz und Klimaanpassung, indem Ölpalmen in ausgewiesenen Naturschutzgebieten angepflanzt werden, Wälder für Bergbau, Holzgewinnung und Infrastrukturprojekte gerodet werden und damit Bodenerosion und Sturzfluten befördert werden. Entweder befördern staatliche Akteur:innen selbst solche Aktivitäten oder sie schreiten bei illegalen Aktivitäten, die Umwelt und Lebensgrundlagen vulnerabler Gemeinschaften zerstören, nicht ein.

1) Honduras zählt zu den gefährlichsten Ländern für Landrechte- und Umweltverteidiger:innen weltweit. Allein 2024 wurden nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) mindestens 284 Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger:innen registriert. Der Großteil der Angriffe betrifft die Konfliktfelder "Land" und "Umwelt". Nach offiziellen honduranischen Angaben wurden zwischen Januar 2020 und März 2026 70 Personen getötet, weil sie Territorien und Umwelt verteidigten. NGO´s sprechen von über 100 Personen. Die Straflosigkeit für diese Verbrechen liegt bei über 90 Prozent.

2) Honduras hat zwar vor über 30 Jahren die ILO-Konvention 169 zur freien, vorherigen und informierten Konsultation indigener Völker ratifiziert, es existiert aber bis heute kein Procedere zur Umsetzung. Auch Gesetzesvorlagen dazu wurden nicht mit den indigenen Gemeinden im Land konsultiert. Bergbau-, Wasserkraft-, Tourismus- und weitere Projekte wurden und werden ohne ordnungsgemäße Konsultation vorangetrieben.

3) Gemeinden der indigenen Garífuna an der von der Klimakrise in hohem Maß betroffenen Atlantikküste von Honduras kämpfen seit Jahrzehnten um ihre angestammten Rechte auf Gemeindeland. Sie haben dazu eine Reihe von Urteilen des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte zur Restituierung von Territorien erwirkt (Triunfo de la Cruz/Punta Piedra 2015, San Juan Tela 2023, Cayos Cochinos 2026). Diese werden jedoch allesamt vom honduranischen Staat nicht umgesetzt. Stattdessen sind die Gemeinden Kriminalisierung, andauernden Angriffen, gewaltsamem Verschwindenlassen und Morden ausgesetzt.

4) Ein vor wenigen Tagen verabschiedetes Gesetz nimmt von der Agrarindustrie genutztes Land künftig vollständig von den Ansprüchen kleinbäuerlicher Kooperativen oder indigener Gemeinschaften aus (amerika21 berichtete). Das OHCHR warnte, dass das neue "Gesetz zur Stärkung und dem Schutz der Agrarindustrie" "die Kriminalisierung sozialer Konflikte, kollektiver Forderungen, Proteste und Streiks im Zusammenhang mit der Forderung nach Anerkennung von Rechten auf Land und angestammtes Territorium weiter verschärfen" könne. Das OHCHR hatte den honduranischen Staat vor der Verabschiedung des Gesetzes vergeblich aufgefordert, "seine Gesetzesvorlagen an internationale Menschenrechtsstandards anzupassen und durch den Dialog mit den betroffenen Gemeinschaften friedliche und ganzheitliche Ansätze zu verfolgen, um die anhaltenden land- und umweltpolitischen Konflikte im Land zu lösen."

5) Honduras ist bekannt für ein hohes Ausmaß an Korruption und Morde an international renommierten Umweltverteidiger*innen wie der indigenen Aktivistin Berta Cáceres oder des Stadtrates und engagierten Katholiken Juan López. Im paradigmatischen Fall von Berta Cáceres hat die GIEI, eine unabhängige internationale Expert*innenkommission, unlängst die Strukturen der Kollusion von Unternehmen, organisiertem Verbrechen, Staat und internationalen Entwicklungsbanken objektiv ermittelt und in einem über 500-seitigen Bericht detailliert dargestellt. Die Regierung Asfura erkennt jedoch das von der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte erteilte Mandat der GIEI nicht an. Auch die Einsetzung einer internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit unter UN-Mandat für Honduras ist bisher gescheitert.

FAZIT: Ohne die konsequente Durchsetzung von Land- und Mitbestimmungsrechten bleiben alle klimapolitischen Initiativen wirkungslos. Die honduranische Regierung trägt direkte Verantwortung für die anhaltende Missachtung internationaler Menschenrechtsstandards, die Nichtumsetzung bindender Urteile und die systematische Gefährdung jener, die ihre Territorien verteidigen. Wer unter diesen Bedingungen von „Schutz“ und „Anpassung“ spricht, verschleiert die Realität struktureller Gewalt und politischer Untätigkeit. Die Ankündigungen zur potenziellen Umsiedlung werden vor diesem Hintergrund zur Androhung beschleunigter Vertreibung.

Wer Honduras auf internationalen Plattformen wie dem Berlin Climate Mobility Forum politische Legitimität verschafft, darf nicht zu den dokumentierten Menschenrechtsverletzungen schweigen. Internationale Kooperation, Finanzierung und politische Unterstützung müssen an die nachgewiesene Einhaltung von Menschenrechten, die Umsetzung internationaler Urteile und den Schutz indigener und kleinbäuerlicher Gemeinschaften geknüpft werden. Klimagerechtigkeit verlangt klare Konsequenzen gegenüber Regierungen, die Rechte missachten und konkrete, direkte Unterstützung für die Selbstbestimmung und Partizipation der Gemeinschaften, die an vorderster Front der Klimakrise stehen.



München / Berlin 18. Juni 2026


Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.


HondurasDelegation

Sonntag, 7. Juni 2026

Honduras stärkt Agrarindustrie mit umstrittenem Gesetz

Verschärfte Kriminalisierung sozialer Proteste, Verletzung kleinbäuerlicher und indigener Rechte befürchtet. Proteste angekündigt, Verfassungsklagen erwartet

Sonntag, 31. Mai 2026

Filmvorführung und Diskussion: Die politische Ökonomie der Gewalt

Bericht zum Mord an der honduranischen Umweltverteidigerin Berta Cáceres und der Rolle internationaler Entwicklungsbanken

mit Bertha Zúniga und Camilo Bermúdez (COPINH)
sowie einem Videobeitrag der Menschenrechtsanwältin Roxanna Altholz (GIEI Honduras)

Dienstag, 09.05.2026 ab 18:00 Uhr
Versammlungsraum des Mehringhof
Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
Mit Simultanverdolmetschung Deutsch - Spanisch


en
español más abajo:
Berta Cáceres war eine international bekannte indigene Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin. Als Leiterin des Zivilen Rates der Indigenen und Basisorganisationen von Honduras (Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras - COPINH) war sie das Gesicht des Widerstandes der Lenca-Gemeinden von Río Blanco gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 erschoss ein Killerkommando Berta in ihrem Haus. Vier Auftragsmörder und einige Mittelsmänner wurden drei Jahre später zu Haftstrafen verurteilt. Die Auftraggeber:innen blieben lange im Dunkeln.

Anfang 2026 – fast 10 Jahre nach dem Mord – präsentierte die Interdisziplinäre Gruppe
unabhängiger internationaler Expert:innen (Grupo Interdisciplinario de Expertxs Independientes - GIEI Honduras) einen 500-seitigen Bericht zu den Hintergründen: Sie legten Beweise für ein Mordkomplott vor, das Mitglieder der honduranischen Unternehmerfamilie Atala in Auftrag gaben. Staatliche Stellen wußten vorab davon, unternahmen aber nichts.

Finanziell möglich wurde das Verbrechen durch Kredite von Entwicklungsbanken, wie der Zentralamerikanischen Bank für Wirtschaftsintegration (Central American Bank for Economic Integration - CABEI) und der niederländischen halbstaatlichen Entwicklungsbank FMO, die für Bestechung, illegalen Landkauf, Überwachung bis hin zur Bezahlung des Killerkommandos genutzt wurden. Der Mord an Berta Cáceres war kein Einzelfall – er steht vielmehr beispielhaft für ein sich weltweit wiederholendes Muster und eine Vielzahl von Angriffen auf Menschenrechtsverteidiger:innen, indigene und kleinbäuerliche Gemeinden, die ihre Territorien, ihre Kultur und ihr selbstbestimmtes Leben verteidigen. Laut dem honduranischen Büro des UN-Hochsekretariats für Menschenrechte wurden 2024 284 Übergriffe gegen 319 Menschenrechts- und Umweltverteidiger:innen registriert. Darüber hinaus werden weiterhin ungenügend Präventionsmaßnahmen ergriffen, die die strukturellen Gewaltursachen anerkennen und bekämpfen. Im Rahmen der Veranstaltung möchten wir die gekürzte Version des Films „Water for Life“ (OmenglUT, 2023), in dem das Leben von Berta Cáceres gewürdigt wird, zeigen. Im Anschluss sprechen wir über den anhaltenden Einsatz der Gemeinden vor Ort, die Details des GIEI-Berichtes, die Rolle der Entwicklungsbanken und die daraus resultierenden Konsequenzen mit: Bertha Zúniga Cáceres, Koordinatorin des COPINH und Tochter der ermordeten Umweltverteidigerin Berta Cáceres. Sie setzt sich unermüdlich für die Aufklärung des Mordes an ihrer Mutter und die Verurteilung der Auftraggeber*innen und Financiers ein. Sie engagiert sich zudem für die Rechte der indigenen Lenca-Gemeinschaft und unterstützt in ihrer Funktion den Aufbau von Community-Radiosendern und anderen Projekten im Zusammenhang mit dem Zugang zu Bildung und Gesundheit für Lenca-Gemeinschaften. Camilo Bermúdez, Mitglied der Leitung des COPINH und dort zuständig für strategische Prozessführung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Mord an Berta Cáceres. COPINH hat Anzeigen gegen große internationale Finanzinstitute vorangetrieben, die mit extraktivistischen Projekten in Verbindung stehen, z.B. im Fall des Wasserkraftwerks Agua Zarca. Mit einem Videobeitrag von: Roxanna Altholz, Mitglied der GIEI, Menschenrechtsanwältin und Direktorin der Law Clinic der Berkeley School of Law, Kalifornien (USA) Im Anschluss an die Veranstaltung gibt es kühle Getränke und kolumbianische Arepas (gegen Spende) und Musik. Eine Veranstaltung von: Peace Brigades International – Deutscher Zweig e.V., Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V., Runder Tisch Zentralamerika. Kooperationspartner:innen: Dachverband Kritische Aktionär:innen, CADEHO, HondurasDelegation Berlin.

espa
ñol:

Película y debate: La economía política de la violencia

Informe sobre el asesinato de la defensora del medio ambiente hondureña Berta Cáceres y el papel de los bancos internacionales de desarrollo

con Bertha Zúniga y Camilo Bermúdez (COPINH)
y una intervención por vídeo de la abogada de derechos humanos Roxanna Altholz (GIEI Honduras)
Martes, 9 de mayo de 2026, a partir de las 18:00 h Sala de reuniones del Mehringhof Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlín Con interpretación simultánea alemán-español
Berta Cáceres fue una activista indígena de renombre internacional en defensa del medio ambiente y los derechos humanos. Como líderesa del Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras (COPINH), fue el rostro de la resistencia de las comunidades lencas de Río Blanco contra la central hidroeléctrica «Agua Zarca». En la noche del 2 al 3 de marzo de 2016, un comando de sicarios asesinó a Berta en su casa. Tres años después, cuatro sicarios y varios intermediarios fueron condenados a penas de prisión. Los autores intelectuales no fueron objetos de acciones penales durante mucho tiempo. A principios de 2026 —casi 10 años después del asesinato—, el Grupo Interdisciplinario de Expertos Independientes (GIEI Honduras) presentó un informe de 500 páginas sobre los antecedentes: aportaron pruebas de un complot de asesinato encargado por miembros de la familia empresarial hondureña Atala. Las autoridades estatales tenían conocimiento previo del plan, pero no hicieron nada al respecto. El crimen fue posible gracias a los créditos concedidos por bancos de desarrollo, como el Banco Centroamericano de Integración Económica (BCIE) y el banco de desarrollo semipúblico neerlandés FMO, que se utilizaron para sobornos, la compra ilegal de tierras, la vigilancia e incluso el pago al comando de sicarios. El asesinato de Berta Cáceres no fue un caso aislado, sino que es un ejemplo de un patrón que se repite en todo el mundo y de una multitud de ataques contra defensores y defensoras de los derechos humanos, comunidades indígenas y de campesines que defienden sus territorios, su cultura y su autónomía. En el marco del evento proyectamos una parte de la película «Water for Life» (en inglés con súbtitulos en Alemán, 2023), en la que se rinde homenaje a la vida de Berta Cáceres. A continuación, hablaremos sobre la lucha constante de las comunidades locales, los detalles del informe de la GIEI, el papel de los bancos de desarrollo y las consecuencias que de ello se derivan con: Bertha Zúniga Cáceres, coordinadora del COPINH e hija de la defensora del medio ambiente asesinada Berta Cáceres. Lucha incansablemente por que se esclarezca el asesinato de su madre y se condene a los autores intelectuales y financiadores. Además, defiende los derechos de la comunidad indígena lenca y, en el ejercicio de su cargo, apoya la creación de emisoras de radio comunitarias y otros proyectos relacionados con el acceso a la educación y la salud para las comunidades lencas. Camilo Bermúdez, miembro de la dirección del COPINH y responsable allí de litigió estratégico, en particular en relación con el asesinato de Berta Cáceres. El COPINH ha impulsado denuncias contra grandes instituciones financieras internacionales vinculadas a proyectos extractivistas, por ejemplo, en el caso de la central hidroeléctrica de Agua Zarca. Con una intervención en vídeo de: Roxanna Altholz, miembra de la GIEI, abogada de derechos humanos y directora de la Law Clinic de la Berkeley School of Law, California (EE. UU.) Tras el evento habrá bebidas frescas y arepas colombianas (a cambio de una donación) y música. Un evento organizado por: Peace Brigades International – Deutscher Zweig e.V., Oficina Ecuménica por la Paz y la Justicia, Centro de Investigación y Documentación Chile-Latinoamérica e.V., Mesa Redonda de Centroamérica. En cooperación con: Dachverband Kritische Aktionär:innen, CADEHO, HondurasDelegation


Ex-Bürgermeister wegen mutmaßlichem Mordauftrag gegen honduranischen Umweltschützer in Haft

Kriminelles Netzwerk hinter dem Mord an Juan López vermutet. Prozess gegen Unternehmer Lenir Pérez wegen illegalen Bergbaus und Umweltdelikten erneut vertagt

Samstag, 23. Mai 2026

Massaker an Kleinbäuer:innen in Honduras

Verbrechen in einer Region mit Landkonflikten. UN-Menschenrechtsbüro und lokale Gruppen fordern Aufklärung und Schutz. Regierung kündigt mehr Polizei im Aguán-Tal an.

Dienstag, 19. Mai 2026

Geleakte Audios über die USA und ein korruptes Machtnetzwerk in Honduras

Verurteilter Ex-Präsident als Vermittler für US-Interessen. Auch Israel erwähnt. Plan gegen Mexiko und Kolumbien

Samstag, 16. Mai 2026

Anwalt und Ärztin in Honduras stundenlang festgehalten

Hintergrund sollen Konflikte mit Unternehmen sein. Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Bewegung warnt vor Privatisierung "aller Güter"

Sonntag, 8. März 2026

Berta Cáceres - 10 Jahre Straflosigkeit

“Despertemos, despertemos humanidad, ya no hay tiempo”

“Lasst uns aufwachen, Menschheit! - es bleibt keine Zeit mehr!”


Foto: Giorgio Trucchi


Wer war Berta Cáceres?


Berta Cáceres wurde am 4. März 1971 in La Esperanza-Intibucá, im ländlich geprägten Westen von Honduras geboren. Sie war eine Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin.

1993 gehörte sie zu den Gründer:innen des Zivilen Rates der indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH), den sie viele Jahre lang leitete. Berta kämpfte mit dem COPINH gegen Rassismus und die Ausbeutung von Mensch und Natur durch Abholzung, Wasserkraft- und Bergbauprojekte.

Geprägt wurde Berta in ihrer Kindheit und Jugend durch ihre alleinerziehende Mutter, die als Hebamme arbeitete, Bürgermeisterin, Gouverneurin und Kongressabgeordnete war. Als „Stimme der Lenca“, setzte sich die vierfache Mutter gegen patriarchale Machtstrukturen und für die Stärkung der indigenen Frauen in den Gemeinden ein.

Die Verfolgung der Familie, das repressive politische Klima im Honduras der 1980er Jahre sowie die Situation der salvadorianischen Geflüchteten hinterließen bei Berta bleibenden Eindruck, so dass sie sich dem Widerstand im Nachbarland El Salvador anschloss.

Früh engagierte sie sich auch gegen eine US-Militärbasis in Honduras und solidarisierte sich u.a. international mit der kurdischen Autonomiebewegung und den Mapuche in Chile. Von 2009 an gehörte sie zu den führenden Köpfen der Protestbewegung gegen den zivil-militärischen Putsch in Honduras 2009.

“Vos tenés la bala, yo la palabra. La bala muere al detonarse, la palabra vive a replicarse ”

“Du hast die Kugel, ich das Wort. Die Kugel stirbt mit dem Aufprall, das Wort lebt weiter, indem es weitergegeben wird.”


Warum wurde Berta ermordet?

Seit 2010 war Berta das Gesicht des Widerstandes der Lenca gegen das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“ am heiligen Fluss Gualcarque. Das honduranische Unternehmen DESA versuchte, das Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen.

Trotz Warnungen wegen Korruption und Gewalt gegen die Kraftwerksgegner:innen finanzierten die niederländische Entwicklungsbank FMO, der Finnfund und die zentralamerikanische Entwicklungsbank „Agua Zarca“ immer weiter.

Das deutsche Unternehmen Voith Hydro (damals ein Joint Venture der Siemens AG) wollte Turbinen liefern. Als alle Versuche, den Widerstand zu brechen, sich als vergeblich erwiesen, wurde ein Mordkomplott gegen Berta geschmiedet, um die Investition in das Kraftwerk zu retten. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 erschoss ein Killerkommando Berta in ihrem Haus.


Wer steckt hinter dem Mord?

2019 wurden vier Täter und einige Mittelsmänner zu Haftstrafen verurteilt. Die mutmaßlichen Auftraggeber wurden nicht belangt.

Anfang 2026 stellte die GIEI, eine Gruppe unabhängiger internationaler Expert:innen, einen Bericht vor, der zeigt: 

- 67 Prozent der Gelder der Entwicklungsbanken, etwa 12 Millionen US-Dollar, flossen in Aktivitäten wie Überwachung und Verfolgung von Aktivist:innen, Bestechung, den illegalen Erwerb von Grundstücken und die Finanzierung des Mordes selbst.

- Honduranische staatliche Stellen wussten seit Januar 2016 von den Mordplänen und unternahmen nichts, um Berta zu schützen.
 
- Es gibt ausreichend Beweise, um eine Strafverfolgung von Mitgliedern der mächtigen Unternehmerfamilie Atala Zablah als Hintermänner des Mordes einzuleiten.

Dienstag, 17. Februar 2026

Gedenken an Berta Cáceres - Kundgebung

Berta ist nicht gestorben, sie hat sich vervielfacht

 

Vor 10 Jahren wurde Berta Cáceres, Menschenrechts- und Umweltverteidigerin, indigene Aktivistin, Feministin, in ihrem Haus in La Esperanza in Honduras ermordet. Der politische Femizid folgte einem Mordkomplott zugunsten von Wirtschaftsinteressen, dessen Auftraggeber bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Staatliche Stellen wussten im Voraus von dem Plan, taten aber nichts, um Berta zu schützen. An ihrem 10. Todestag wollen wir gemeinsam Berta Cáceres gedenken sowie vollständige Aufklärung und Gerechtigkeit fordern. Dazu gehört auch die Anerkennung territorialer Rechte indigener Gemeinschaften. Wir protestieren gegen die fortdauernde Kriminalisierung, Bedrohung und Ermordung von Menschenrechtsverteidiger:innen in Honduras und ganz Lateinamerika.

Wann? Montag, 02.03. 2026 um 17:00 - 18:00 Uhr

Wo? Forum vor dem Kanzleramt


Berta no murió, se multiplicó


Hace 10 años Berta Cáceres, defensora de derechos humanos y del medio ambiente, activista indígena y feminista, fue asesinada en su casa de La Esperanza en Honduras.  El feminicidio político fue precedido por un complot para asesinarla, cuyos mandantes aún no han sido llevados ante la justicia. Las autoridades estatales conocían de antemano el plan, pero no hicieron nada.
para proteger a Berta. En el décimo aniversario de su muerte, queremos recordar juntos
a Berta Cáceres y exigir que se aclare completamente el caso y se haga justicia. Esto incluye el reconocimiento de los derechos territoriales de las comunidades indígenas. Protestamos contra a continua criminalización, amenaza y asesinato de defensores de los derechos humanos en Honduras y Latinoamérica.

Fecha: Lunes, 2 de marzo 2026, 5 p.m.- 6 p.m.

Lugar: Forum vor dem Kanzleramt