Mittwoch, 2. September 2020

30.August: Internationaler Tag der Opfer des Verschwindenlassens

Ökumenisches Büro fordert Aufklärung des Verbrechens an honduranischen Garifuna, die vor 43 Tagen von Maskierten in Polizeiwesten gewaltsam verschleppt wurden

 


MÜNCHEN (29.8.2020). Fünf Männer, darunter der junge Gemeinderatsvorsitzende Sneider Centeno und zwei weitere Landrechtsaktivisten wurden am frühen Morgen des 18.Juli 2020 in der honduranischen Karibikgemeinde Triunfo de la Cruz von Schwerbewaffneten verschleppt. Die Täter kamen während der absoluten Ausgangsperre gegen 5 Uhr mit mehreren Fahrzeugen in die Gemeinde afrohonduranischer Garífuna. Sie trugen Sturmhauben und Polizeiwesten, suchten gezielt nach bestimmten Personen und verschleppten diejenigen, die sie finden konnten. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte verurteilte die Aktion als gewaltsames Verschwindenlassen - ein Staatsverbrechen, das nicht verjährt. Vereinte Nationen und interamerikanische Menschenrechtskommission forderten den honduranischen Staat auf, umfassend und unparteilich nach den Entführten zu suchen, das Verbrechen aufzuklären, die Angehörigen einzubeziehen und die Sicherheit der Bewohner*innen von Triunfo de la Cruz zu gewährleisten. Bisher wurde nach Aussage der Betroffenen nichts davon umgesetzt. Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Organisation OFRANEH: „Der honduranische Staat zeigt einmal mehr seine Verachtung für die Garífuna, indem er irrelevante und sinnlose Informationen präsentiert.“ Die Entführten blieben bis dato verschwunden; gegen die Gemeinde und OFRANEH läuft eine Hetzkampagne.

„Es ist kein Zufall, dass mit den Garífuna-Aktivisten aus Triunfo de la Cruz gezielt Verteidiger von Territorien und Landrechten im Stil der Todesschwadronen verschleppt wurden. Dadurch soll eine ganze Community in Angst und Schrecken versetzt und von der Ungewissheit zermürbt werden“, betont Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit: „Fischer, die um ihren Zugang zum Strand fürchten, wenn dort Tourismus-Ressorts errichtet werden, junge Leute wie Sneider Centeno, die sich als ehrenamtliche Gemeinderäte engagieren und gegen das Abbrennen von Mangrovenwäldern zugunsten von Ölmpalmplantagen protestieren, stören. Sie stören Investor*innen, die es auf die honduranische Karibikküste abgesehen haben. Von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie gewaltsamem Verschwindenlassen profitieren letztlich honduranische und ausländische Unternehmen. Die Verquickung von organisiertem Verbrechen und staatlichen Institutionen ist in diesem Zusammenhang nicht hinderlich, sondern für diese Wirtschaftsinteressen durchaus funktional. Sie können auf Straflosigkeit setzen und müssen sich selbst die Hände nicht schmutzig machen.“

Zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens solidarisiert sich das Ökumenische Büro mit den Forderungen der Garífuna und ihrer Organisation OFRANEH:

- Snider Centeno, Suami Mejía, Milton Martínez, Gerardo Róchez und Junior Juarez müssen lebend zurückgebracht werden.

- Das Verbrechen an ihnen muss umfassend und unabhängig unter Ausschluss der Kriminalpolizei DPI, deren Westen die Entführer trugen, untersucht werden.

- Die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2015 zu den Landrechten der Garífuna in Triunfo de la Cruz und Punta Piedra müssen endlich umgesetzt werden.

- Alle Versuche, Garífuna-Gemeinden zu vertreiben, die Repression gegen sie, rassistische Diskriminierung, Diffamierung, Kriminalisierung und Angriffe gegen die Gemeinden und ihre Organisationen müssen gestoppt werden.

 

Donnerstag, 27. August 2020

Urgent Action for the Garífuna Disappeared (englisch/spanisch)

Das Netzwerk Honduras Solidarity unterstützt OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) und die Garifuna-Gemeinden mit einer einwöchigen E-Mail-Aktion. 

Gefordert wird die  Rückkehr der gewaltsam verschwundenen Garifuna-Aktivisten, die Einhaltung des Urteils des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs zugunsten der Garifuna-Gemeinden und ein Ende der Gewalt- und Terrorkampagne zur Vertreibung die Gemeinden. 

*HIER KLICKEN* , um an der Aktion teilzunehmen und E-Mails an den honduranischen Generalstaatsanwalt, Staatssekretär/Stabschef und die Ministerin für Menschenrechte zu schicken, mit Kopien an die Botschafter der USA und Kanadas. 

Es ist möglich, die E-Mails zu lesen, bevor sie versendet werden. 

Bitte weiter verbreiten! 


Montag, 24. August 2020

Kommt Bewegung in den Prozess im Mordfall Berta Cáceres?

Vorverhandlung gegen Ex-Geschäftsführer der Desa, jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Weitere Verzögerungen könnten zu seiner Freilassung führen

Sonntag, 23. August 2020

Keine Spur der entführten Menschenrechtsverteidiger

 Von amerika21

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten 
vor dem Sitz der ermittelnden Polizei in San Pedro Sula

Triunfo de la Cruz. Nach mehr als einem Monat des gewaltsamen Verschwindens der fünf Garífuna-Aktivisten Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía ist noch kein brauchbarer Hinweis auf deren Verbleib gefunden worden.

Mitglieder der Garífunaorganisation Ofraneh protestierten am Freitag vor dem Sitz der ermittelnden Polizei (DPI) in San Pedro Sula. Sie fordern die Entführten lebend zurück, drängen auf Ermittlungen und den Respekt ihrer angestammten Territorien.

Gegenüber den honduranischen Medien äußerte der Polizeisprecher Rommel Martínez, dass es in dem Fall "ermutigende" Entwicklungen gebe, die jedoch noch nicht veröffentlicht werden können. Eine Ermittlungseinheit bestehend aus verschiedenen honduranischen Polizeikräften und der internationalen Polizei (Interpol) werde in dem Fall von der US-Bundespolizei FBI beraten.

Mittwoch, 19. August 2020

Politische Justiz in Honduras: Gericht entscheidet gegen Umweltaktivisten

Acht Umweltschützer bleiben in Untersuchungshaft. Weiteren fünf Aktivisten droht nun ebenfalls Gefängnis und Anklage

Samstag, 15. August 2020

WEG MIT INGELSA! - Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank

Im Landkreis Arizona soll durch das Unternehmen INGELSA ein illegales Wasserkraftwerk errichtet werden. Die betroffene Bevölkerung hat sich mehrheitlich gegen dieses Projekt ausgesprochen.

Unter diesem link finden Sie den Originaltext des Briefes  - Sie können den Brief an die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) unterstützen und unterzeichnen!

Übersetzung: HondurasDelegation

Wasser ist ein Recht. Keine Ware. Jilamito widersteht. Foto: MADJ



San Pedro Sula, Cortés, Juli 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Interamerikanischen Entwicklungsbank/ IDB

der Internationalen Entwicklungsfinanzierungs-Corporation/DFC,

und der Monkey Forest Consulting

wir grüßen Sie seitens der „Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ), einer sozialen und politischen Organisation in Honduras, in der sich verschiedene ländliche, städtische und indigene Gemeinden organisieren. Männer und Frauen, die sich für Würde und Gerechtigkeit, den Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit, die Verteidigung von natürlichen Gemeingütern, Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker einsetzen.

Samstag, 8. August 2020

Familien in Honduras hungern - Spendenaufruf Naturfreunde Berlin

Haus in San Franzisco de Locomapa Foto:MADJ
Seit Mitte März besteht aufgrund der Corona-Pandemie in Honduras der Ausnahmezustand. Viele Menschen leiden Hunger, da sie nicht mehr ihren Erwerb nachgehen können. Seit mehreren Monaten verteilt das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ) Lebensmittel an die ärmsten Haushalte. Mit 30 Euro Spende kann ein Haushalt mit sieben Mitgliedern einen Monat überleben. 
Ihr könnt das MADJ direkt bei ihrer wichtigen Arbeit für die Menschen in Honduras unterstützen:

Mit einer Spende von 30 Euro kann MADJ einen Haushalt mit sieben Mitgliedern eine Lebensmittelration für einen Monat bringen.
Mit einer Spende von 100 Euro kann MADJ fünf Haushalte mit drei Mitgliedern Lebensmittelrationen für einen Monat bringen.

Donnerstag, 6. August 2020

Kollektive Versorgung

INTERVIEW MIT DER AKTIVISTIN MIRIAM MIRANDA ÜBER SELBSTORGANISIERTE GESUNDHEITSZENTREN IN DEN GARÍFUNA-GEMEINDEN IN HONDURAS

Weil die staatliche Gesundheitsversorgung in Honduras nicht funktioniert, haben sich die Garífuna-Gemeinden kollektiv organisiert und ein eigenes System aufgebaut, um der Pandemie zu begegnen. Die LN sprachen mit Miriam Miranda, Koordinatorin der Garífuna-Basisorganisation OFRANEH, die den Prozess  mit angestoßen hat. Sie berichtet, welche Strategien die Gemeinden zu ihrem Schutz entwickelt haben und wie diese durch organisierte Kriminalität und staatliche Maßnahmen bedroht werden.


Miriam Miranda (Foto: Rel-UITA Regional Latinoamericana via Flickr, CC BY 2.0)


MIRIAM MIRANDA
ist Koordinatorin der Organización Fraternal Negra Hondureña (OFRANEH), die sich seit 30 Jahren für die Rechte der Garífuna in Honduras einsetzt. Gemeinsam mit ihrer Organisation engagiert sie sich gegen Landraub und Menschenrechtsverletzungen, von denen die afroindigenen Garífuna betroffen sind. Die meisten Garífuna leben in einer der 48 Gemeinden an der Karibikküste. Doch das Territorium der Garífuna ist stark umkämpft und wird sowohl durch Gruppen der organisierten Kriminalität bedroht als auch durch touristische Großprojekte, Bergbauvorhaben sowie die neoliberalen Pläne der Regierung, Sonderwirtschaftszonen einzurichten. Allein 2019 wurden 17 Garífuna in Honduras ermordet, darunter vor allem Menschenrechtsverteidiger*innen und Umweltaktivist*innen (siehe LN 548).

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Samstag, 1. August 2020

Steht hinter dem Verschwinden von Personen in Honduras ein System?



Angehörige von Ofraneh protestieren gegen das gewaltsame
Verschwindenlassen, Quelle: TSUR
Triunfo de la Cruz. Zwei Wochen nach dem gewaltsamen Verschwinden von Alberth Sneider Centeno, Milton Martínez Álvarez, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Junior Rafael Juárez Mejía aus Triunfo de la Cruz fehlt von den Männern weiter jede Spur. Der Vorfall ereignete sich nahe einer an der Karibikküste von Honduras gelegenen Garífuna-Gemeinde. Die Garífuna sind Nachfahren westafrikanischer Versklavter und Arawak-Indigener.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Kommuniqué von OFRANEH zum gewaltsamen Verschwindenlassen in Triunfo de la Cruz

Kriminelle Strukturen im Dienste des Staates und das gewaltsame Verschwinden der Garifuna in Honduras 
(KOMMUNIQUÉ VON OFRANEH). In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2020 wurde die friedliche Stille in der Garifuna-Gemeinde von Triunfo de la Cruz in der Bucht von Tela an der honduranischen Karibikküste zerstört, als über zehn schwer bewaffnete Männer - in Bekleidung der Militärpolizei (PMOP) und andere mit Westen mit den Insignien des Departements der Untersuchungspolizei (DPI) – gewaltsam in Haus des Gemeindevorstehers Alberth Snaider Centeno eindrangen. Er und drei weitere Bewohner des Ortes wurden gewaltsam aus ihren jeweiligen Häusern gezerrt und sind nmehr als zehn Tage später noch immer verschwunden.

Der Staat will den einzigen bisher in diesem Fall Festgenommenen demnächst wieder freilassen.

Aus diesem Grund weisen wir mit großer Dringlichkeit auf Folgendes hin:

Sonntag, 26. Juli 2020

Fears growing for five indigenous Garifuna men abducted in Honduras (englisch)

aus: The Guardian, 23.07.2020, von Nina Lakhani,

 

The Triunfo de la Cruz region has been embroiled in a struggle to save their ancestral land from developers and drug traffickers

 

Fears are growing for the safety of five black indigenous men in Honduras who were abducted from their homes last weekend by heavily armed gunmen in police uniform.
The victims are Garifuna fishermen from the town Triunfo de la Cruz on the north coast – a region where communities are embroiled in a longstanding struggle to save their ancestral land from drug traffickers, palm oil magnates and tourism developers aided by corrupt officials and institutions.
The Garifunas are descendants of an Afro-indigenous population from the Caribbean island of St Vincent, who were transported from their home by the British and abandoned on the Honduran coast in the late 18th century.
In Honduras, they and other indigenous communities have suffered decades of violent land grabs, which have been carried out with almost total impunity. weiter zum Artikel



Unterschriften-Aktionen:



Change.org
¡Aparición con Vida Ya! Lideres Garifunas secuestrados en Honduras. Return them Alive Now!




#VivosLosQueremos
#SusVidasSonNuestrasVidas
#VidasGarífunasImportan

Donnerstag, 23. Juli 2020

Gewaltsames Verschwindenlassen von Garífuna

Samstag, 18. Juli 2020

ALERTA! - GARIFUNA-AKTIVISTEN ENTFÜHRT & VERSCHWUNDEN



DRINGEND: GARIFUNA-AKTIVISTEN ENTFÜHRT & VERSCHWUNDEN

Handeln Sie jetzt! Verlangen Sie von den Behörden eine sofortige Notfalluntersuchung und Maßnahmen, um das Leben von Snaider Centeno und das der anderen zu retten: https://bit.ly/snidercenteno

Centeno, der Präsident des gewählten Gemeinderates in Triunfo de la Cruz, Milton Joel Martinez Alvarez, Suami Aparicio Mejia, und Alber Sentana Thomas sind entführt und seitdem verschwunden! Die OFRANEH-Aktivisten wurden um 6 Uhr morgens von einer Gruppe von Unbekannten mit großkalibrigen Waffen und kugelsicheren Westen vor den Augen ihrer Familien gewaltsam aus ihren Häusern geholt.

Weitere Informationen:
OFRANEH 




Donnerstag, 16. Juli 2020

Erneut Mord an Trans*Aktivistin

Scarleth Cáceres Foto: Asociación Arcoiris
Tegucigalpa (oeku-buero). Es war wieder ein Mitglied der Trans*Frauengruppe unserer Freund*innen der Asociación LGTB Arcoíris de Honduras und es geschah wieder zur Zeit der Pride-Aktionen, auch wenn sie dieses Jahr hauptsächlich digital veranstaltet wurden. Letztes Jahr trauerten wir um Bessy Ferreira. Dieses Jahr um die junge Aktivistin der Muñecas de Arcoíris, Scarleth Cambell (Scarleth Cáceres). Am Freitag, 10. Juli gegen 20 Uhr wurde Scarleth  im Stadtzentrum von Tegucigalpa von Unbekannten erschossen. Bisherigen Berichten zufolge aus einem Van heraus. Scarleth wurde noch lebend ins Krankenhaus gebracht und erlag bei einer Notoperation ihren schweren Verletzungen. Laut Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos en Honduras wurden dieses Jahr bereits zehn Trans*Frauen in Honduras ermordet. Asociación Arcoíris weist darauf hin, dass in Honduras durchschnittlich alle elf Tage ein Mitglied der LGBT*-Comunity ermordet wird, 33 pro Jahr. Über 90 Prozent der Morde bleiben straflos. “Dies ist auch das Produkt eines failed state, der seine Laizität nicht respektiert, sondern der Gesellschaft religiöse Konzepte aufdrückt, die nichts mit den Forderungen und Bedürfnissen der sozial am meisten benachteiligten und verwundbar gemachten Gruppen zu tun haben“, so Arcoíris in einer Pressemitteilung.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Honduras (OACNUDH) forderte vom honduranischen Staat eine rasche, umfassende und unparteiliche Aufklärung des Mordes an Scarleth Cambell. OACNUDH hatte ebenso wie die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH wiederholt konkrete Maßnahmen zum Schutz der LGBT*-Community in Honduras, wie auch von Menschenrechtsverteidiger*innen gefordert. Das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit bekräftigt inmitten von Trauer, Wut und Schmerz seine Solidarität mit Asociación Arcoíris. Wir schliessen uns ausdrücklich auch der Kritik von Arcoíris und des Capítulo Garifuna des BLMP (Black LGBT+ Migrant Project) aus den USA wegen der diskriminierenden und trans*feindlichen Berichterstattung der honduranischen Medien an.

Facebook Asoc. Arcoíris
Bericht Giorgio Trucchi REL-UITA
Twitter OACNUDH

Montag, 29. Juni 2020

Covid-19: Keine Hafterleichterungen für Aktivisten in Honduras

Seit neun Monaten sind acht Aktivisten ohne Prozess in Haft. Bundestagsabgeordnete fordern Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards

von npla, FDCL, poonal, in: amerika21, vom 29.06.2020

Tegucigalpa. Die Regierung von Honduras nutzt nach Auffassung von Menschenrechtsgruppen den Ausnahmezustand, um die Rechte von Aktivisten auszuhebeln.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet weltweit dazu aufgefordert, besonders gefährdete Inhaftierte und solche mit geringen Haftstrafen vorzeitig zu entlassen. Die honduranischen Behörden haben schon damit begonnen. Doch wer tatsächlich vorzeitig aus dem Gefängnis darf, ist fraglich. Denn Umweltaktivisten sitzen in Honduras weiter ohne rechtliche Begründung in U-Haft – und gerade ihre Gegner könnten von den Hafterleichterungen profitieren. 
"Sie sind keine Verbrecher, sie sind Verteidiger der Umwelt": Kundgebung für die Freilassung der acht Umwelaktivisten.
Einzelne Gruppen sind durch das Corona-Virus besonderen Risiken ausgesetzt, darunter auch Gefangene. Aufgrund von Platzmangel können sie in vielen Ländern nicht den nötigen Sicherheitsabstand einhalten, außerdem müssen sie häufig unter äußerst prekären hygienischen Bedingungen leben. Bereits im März hatte sich deshalb Bachelet mit einem dringenden Appell an die Staatschefs dieser Welt gewandt: "Die Regierungen müssen Wege finden, um besonders gefährdete Häftlinge zu entlassen, zum Beispiel wenn sie krank oder besonders alt sind." Auch Inhaftierte mit geringen Haftstrafen und politische Gefangene sollten nach Möglichkeit entlassen werden.

Der Appell ist in Honduras zumindest zum Teil auf offene Ohren gestoßen. Doch während Inhaftierte wie Teodoro Bonilla, der wegen Korruption verurteilte frühere Vizepräsident des Nationalen Rats der honduranischen Richterschaft, freigelassen wurden, sitzen Umweltaktivisten, die den Guapinol-Fluss im Norden des Landes verteidigen, noch immer in Untersuchungshaft.

Denn die honduranischen Behörden sehen die acht Männer als Kriminelle, die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindern. Ihnen wird schwere Brandstiftung sowie Entführung des Mitarbeiters eines Sicherheitsunternehmens vorgeworfen. Sie selbst weisen die Anschuldigungen zurück. Für ihre Unterstützer sind sie Aktivisten, die kriminalisiert werden, weil sie grundsätzliche Rechte wie das Recht auf Wasser und eine intakte Umwelt verteidigen. Seit Jahren protestieren sie gegen den Bau einer Eisenoxid-Mine nahe der Gemeinde Guapinol, wo es schon während der Vorarbeiten zur Verschmutzung der lokalen Flüsse gekommen sei. Nachdem sie im August vergangenen Jahres freiwillig den Kontakt zu den Justizbehörden gesucht hatten, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe aus der Welt zu räumen, wurden sie überraschend in Haft gebracht.

Dabei sei es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen, so Edy Tábora, der Anwalt der Aktivisten: "Zum einen wurde der Fall von einem Gericht für organisierte Kriminalität verhandelt, das für solche Straftaten gar nicht zuständig ist. Zum anderen hätte die Richterin schon in der ersten Anhörung erklären müssen, warum sie die Beschuldigten in Untersuchungshaft nimmt, doch das hat sie nicht getan."

Alle Bemühungen des Anwalts, sie aus der Haft freizubekommen, blieben bislang ohne Erfolg. Dabei sei es gerade jetzt in der Corona-Krise besonders wichtig, dass die Behörden schnell handelten und die acht Aktivisten aus der Untersuchungshaft entließen, so Tábora. Schließlich seien deren Haftbedingungen äußerst prekär. "Die Inhaftierten sind auf die Hilfe ihrer Familien angewiesen, wenn es um die Versorgung mit Essen, Medikamenten und Wasser geht", erklärte der Anwalt. Doch aufgrund des Coronavirus sind Gefängnisbesuche schon seit Wochen nicht mehr möglich.

In einem Brief haben sich nun auch drei Bundestagsabgeordnete von der Linkspartei und den Grünen an das Menschenrechtssekretariat der honduranischen Regierung sowie den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs und die Mitglieder des Berufungsgerichts gewandt. Darin kritisieren sie, die Untersuchungshaft sei eine willkürliche Maßnahme, die weder internationalen Menschenrechtsstandards noch dem Recht auf einen fairen Prozess entspreche. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Gesundheitskrise aufgrund von Covid-19 sind die Aktivisten im Strafvollzug besonderen Risiken ausgesetzt. Daher ist es dringlichst geboten, die Unterbringung in Untersuchungshaft durch alternative Maßnahmen zu ersetzen", heißt es in dem Schreiben.

Die Lage von Menschenrechtsaktivisten ist in Honduras besonders kritisch: Nach Angaben der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness wurden allein zwischen 2010 und 2017 mehr als 120 ermordet. Die Prominenteste von ihnen war Berta Cáceres, die Gründerin und Koordinatorin der Indigenen-Organisation COPINH. Die international bekannte Umweltaktivistin hatte unter anderem gegen die Errichtung des Wasserkraftwerks Agua Zarca gekämpft, das die Lebensgrundlagen des indigenen Lenca-Volkes bedroht. Wegen ihres Engagements wurde sie im März 2016 ermordet. Erst Ende vergangenen Jahres wurden deshalb sieben Männer zu langen Haftstrafen verurteilt.

In einer aktuellen Stellungnahme übt COPINH scharfe Kritik an möglichen Plänen der Behörden, zwei der wegen des Mordes an Cáceres verurteilte Männer aufgrund der Corona-Krise freizulassen. Die Organisation will erfahren haben, dass die Anwälte der beiden Männer deren Freilassung „aus gesundheitlichen Gründen“ gefordert hätten. Inwieweit die Behörden diesen Forderungen nachkommen, ist nicht klar.

Doch die Erfahrung der vergangenen Wochen zeigt, dass die Regierung im Windschatten der Corona-Krise zahlreiche Dekrete verabschiedet, die die Sicherheit von Aktivisten zusätzlich gefährdet. So wurde beispielsweise das Recht auf Unverletzlichkeit des eigenen Wohnraums während der Krise ausgesetzt – staatliche Sicherheitskräfte können nun auch ohne richterlichen Beschluss in Privatwohnungen eindringen.

Sonntag, 28. Juni 2020

11 Jahre Widerstand in Honduras

in Solidarität mit den sozialen Bewegungen in Honduras!




Am 28. Juni 2009 wurde der damalige Präsident Zelaya gestürzt und außer Landes gebracht. Für Honduras markiert dieses Datum eine Zäsur und für ganz Lateinamerika leitete es einen Rechtsschwenk ein.

In dem solidarischen Radiobeitrag des Kollektivs Cadeho und der Hondurasdelegation wird die deutsche Politik bezüglich des Putsches und Honduras beleuchtet.

Demo gegen den Putsch in Honduras, Foto: Cadeho

Samstag, 27. Juni 2020

Un compás, que acompaña - Ein Rhythmus, der dich begleitet

Online-Konzert von Karla Lara (Gesang) und José Antonio Velásquez (Piano)

Die honduranische Musikerin und Aktivistin Karla Lara und ihr kongenialer Pianist José Antonio Velásquez (Piano) kreieren im Studio in Tegucigalpa einen Rhythmus, einen Takt und Kompass, der uns in Zeiten von COVID19 rund um die Welt begleitet: Erstklassiger, poetischer Trova-Sound - Karla Lara-typisch kombiniert mit einem hochpolitischen Diskurs, der klar sagt, was Sache ist, in Zeiten der neokolonialen Hyperausbeutung, von Rassismus und Patriarchat. Mit Beiträgen der autonomen feministischen Organisation CDM, von COPINH (Rat der zivilgesellschaftlichen und indigenen Organisationen von Honduras) und OFRANEH (Geschwisterliche Schwarze Organisation in Honduras).






Samstag, 27. Juni und Samstag, 4.Juli 2020, jeweils 19 Uhr auf youtube:
https://www.youtube.com/channel/UCE5IaIYtXPHqdW0e5q5m9Dw?view_as=subscriber

HondurasDelegation und Ökubüro München unterstützen das Konzert und Karla Laras rebellischen Aufruf, Alternativen zum herrschenden System zu konstruieren. Leider geht es nicht ganz ohne Geld und das ist in Honduras in der Corona-Krise für Künstler*innen knapper denn je.

Deshalb bitten wir alle, die Karlas und José Antonios Arbeit schätzen und das Konzert hören, um einen finanziellen Beitrag, den wir weiterleiten (wie immer steuerlich absetzbar):

SPENDENKONTO:
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE65 7015 0000 0056 1762 58
Zweck: Spende Compás Kara Lara

online spenden




Montag, 22. Juni 2020

Veranstaltungshinweis: The Human Rights Crisis of Covid-19 + Prisons in Honduras

organisiert von: UUSC: Unitarian Universalist Service Committee

<https://www.facebook.com/uusc4all/>

Freitag, 26. Juni 2020 von 14:30 bis 16:00

(Texto en español más abajo)
Foto: Wasser-Aktivist*innen Guapinol
 Join us for a discussion on the human rights challenges of the COVID-19 pandemic in Honduras, the humanitarian crisis in the country’s prison system, and an update on the current situation of the unjustly detained Guapinol water activists. Our panel will include Jennifer Ávila, award winning journalist and director of Contra Corriente; Yolanda González, researcher at ERIC SJ/Radio Progreso; and Juan López, Guapinol activist and member of FSAR and Comité Municipal en Defensa de los Bienes Públicos y Comunes de Tocoa. UUSC members will have the opportunity to ask questions during the discussion moderated by Amelia Frank-Vitale from the University of Michigan Ann Arbor and facilitated by UUSC researcher Leonardo Valenzuela Pérez.

This event will be offered in Spanish, simultaneous English interpretation will be provided. Register at bit.ly/uusc20honduras.
***
Acompáñenos en nuestro evento sobre los desafíos que la pandemia del COVID-19 ha planteado en términos de derechos humanos para Honduras, la crisis humanitaria en el sistema penitenciario del país y una actualización sobre la situación actual de los activistas de Guapinol detenidos injustamente en la cárcel de Olancho. Nuestro panel incluirá a Jennifer Ávila, Directora de Contra Corriente; Yolanda González, Investigadora de ERIC SJ / Radio Progreso; y Juan López, activista de Guapinol y miembro de FSAR y del Comité Municipal en Defensa de los Bienes Públicos y Comunes de Tocoa. Las y los participantes tendrán la oportunidad de hacer preguntas durante la discusión moderada por Amelia Frank-Vitale de la Universidad de Michigan Ann Arbor y facilitada por el investigador de UUSC Leonardo Valenzuela Pérez.

Este evento será transmitido en español, ofreceremos traducción simultánea al inglés. Regístrese en bit.ly/uusc20honduras.

Widerstand in COVID19-Zeiten: Online-Gespräch und Musik mit Karla Lara aus Honduras

Stattpark Olga und Ökubüro München laden herzlich ein zum Digitalen Platzcafé

*am Donnerstag, 25. Juni, 21 - 22:30 Uhr*

Honduras ist eines der gefährlichsten Länder weltweit für Umweltaktivist*innen, die Feminizid-Rate ist eine der höchsten in der gesamten Region.

Hinter einer demokratischen Fassade herrscht, gestützt von der US-Regierung, ein nationaler Sicherheitsrat. Staat, Wirtschaft und organisiertes Verbrechen sind eng miteinander verwoben. Inmitten dieses Szenarios und jetzt auch noch unter den besonders repressiven Bedingungen der COVID19-, Dengue- und Hungerkrise kämpfen die sozialen Bewegungen weiter.


Karla Lara mit Miriam Miranda und Garifuna-Musikerinnen am 8.März 2020. Foto: Giorgio Trucchi
Die Musikerin Karla Lara ist Teil dieser Kämpfe: „Wir singen all die Leben, die Träume und Aktionen, die jetzt schon beweisen, dass wir anders leben wollen. Wir konstruieren eine parallele Macht zur herrschenden Politik. Wir denken uns als originäre Gemeinschaften neu, wir erkennen, dass wir Wurzeln haben, eine Geschichte, die brutal abgeschnitten wurde und die wir jetzt anfangen, neu zu verstehen. Da liegt unsere Macht. Und wir sind dabei, sie aufzubauen.“
Karla Lara singt und berichtet uns live über die aktuelle Situation und die Strategien organisierter kleinbäuerlicher und afroindigener Gemeinden, der COVID-19-Krise zu trotzen und dabei autonome, solidarische Strukturen aufzubauen.

 
Sprache: Spanisch mit deutscher Übersetzung
Zutritt zum Digitalen Platzcafé am 25. Juni direkt via http://olga089.blogsport.de/
Dort gibt es auch die entsprechenden Instruktionen zu Browsern und weiteren technischen Details. Bitte vorher kurz durchlesen und beachten.

Samstag, 13. Juni 2020

Zwischen kollabiertem Gesundheitssystem und "intelligenter Wiederöffnung" der Wirtschaft

Lockdown traf viele Honduraner hart. Zahl der Covid-19-Neuinfektion weiterhin stark ansteigend

Dienstag, 9. Juni 2020

Online-Seminar der HondurasDelegation


Vallecito – Ort des Kampfes und der Hoffnung

Miriam Miranda (OFRANEH) berichtet über die aktuellen Kämpfe der afro-indigenen Garífuna

Dienstag, 16. Juni 2020, 19 – 20:30 Uhr 

Miriam Miranda, Koordinatorin OFRANEH
Die afro-indigenen Garífuna in Honduras sind seit 1978 organisiert. Ihre Organisation OFRANEH unterstützt die Gemeinden unermüdlich im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, Landraub, Rassismus und Korruption. Denn das Gebiet, das die Garífuna bewohnen, ist von Staat und Unternehmen heiß begehrt. Die Atlantikküste von Honduras ist attraktiv für Tourismusprojekte, Sonderentwicklungszonen (sogenannte Modellstädte) und für die Agrarindustrie.

Miriam Miranda ist Koordinatorin von OFRANEH und setzt sich mit ihrer Organisation seit 30 Jahren für die Rechte der Garífuna ein. Und sie arbeitet gemeinsam mit ihren Mitstreiter*innen an der Verwirklichung einer Vision vieler Garífuna: Inmitten von Ölpalmplantagen bauen sie die autonome und selbst verwaltete Gemeinde Vallecito auf und pflanzen dort Kokospalmen. „Die Arbeit in Vallecito ist eine konkrete Strategie, unser Territorium zu verteidigen und zum Erhalt der Kultur der Garífuna beizutragen“, sagt Miriam Miranda.

Sonntag, 24. Mai 2020

FELICIDADES AL MADJ!!!

...por sus 12 años de lucha!





Desde Alemania felicitamos al Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (MADJ) por su compromiso, por su lucha por los derechos humanos, los bienes comunes y la justicia.

Von Deutschland aus gratulieren wir der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ) für ihre unermüdlichen Eintreten und Kampf für Menschenrechte, Gemeingüter und Gerechtigkeit.

Dienstag, 19. Mai 2020

Ausgebremst durch Covid-19 – Der „sichere Drittstaat“ Honduras

aus: NPLA, vom 15.05.2020

Foto: Erika Harzer
Die Corona-Pandemie bestimmt seit Wochen den öffentlichen Diskurs, ausgehend von einem „wir“, das spätestens an den Außengrenzen Europas aufhört. Für Geflüchtete sind die Grenzen undurchdringbarer denn je zuvor. Gerade auch in Mittelamerika. Gegenüber der zahlenmäßig kontinuierlich angestiegenen Migrationsbewegung aus den mittelamerikanischen Ländern schloss US-Präsident Trump schon vor der Pandemie wirkungsvolle Abkommen mit Mexiko, Guatemala, El Salvador und Honduras, um die Migrant*innen von der US-Grenze fernzuhalten. Auf Kosten der Migrant*innen, wie der aktuelle Blick nach Zentralamerika zeigt.
Foto: Migrant*innen am Grenzfluss Suchiate -Guatemala-Mexiko.





Zu diesem Podcast gibt es hier einen poonal-Artikel.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Online-Seminar der HondurasDelegation


Honduras: Verteidigung der Gemeingüter - Indigene Gemeinden und ihre widerständige Selbstorganisation

Mittwoch, 27. Mai 2020, 18 Uhr 

Indigene und kleinbäuerliche Gemeinden geraten in Honduras immer mehr in Bedrängnis. Agrarkonzerne haben Interesse an ihrem fruchtbaren Land, Bergbaukonzerne wollen auf ihren Territorien Rohstoffe fördern und der Energiesektor setzt auf so genannte grüne Energien, dafür werden Wasserkraftwerke und Windparks gebaut. In Honduras sind seit dem Putsch von 2009 ca. 30 Prozent des Landes per Konzessionen an Unternehmen vergeben. Die in diesen Gebieten lebende Bevölkerung wurde nicht gefragt. Honduras hat die ILO-Konvention 169 zu den Rechten von Indigenen zwar ratifiziert, der Staat untergräbt trotzdem die Forderungen von Indigenen und Afro-Indigenen zur Verteidigung ihres Lebensraumes.

Das Webinar gibt eine Einführung in die aktuellen Kämpfe der sozialen Bewegungen und zeigt am Beispiel der afro-indigenen Garífuna die Konflikte und Strategien der sozialen Kämpfe.  Ein weiteres Vertiefungs - Webinar mit einer Aktivistin der Garífuna ist geplant.

Das Das Online-Seminar richtet sich an alle, die sich für Honduras und soziale Kämpfe weltweit interessieren. Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Dauer: 90 Minuten

Sprache: Deutsch

Anmeldung mit Namen und E-Mail bitte bis Freitag, 22. Mai 2020 an: elsal@oeku-buero.de

Wir schicken dann rechtzeitig einen Link für die virtuelle Konferenz.

 

 

Mittwoch, 13. Mai 2020

Bruder des Präsidenten bereits wegen Drogenhandels verurteilt. Ehemaliger Polizeichef in mehrere illegale Aktivitäten verstrickt
Der Präsident von Honduras, Juan Orlando Hernández,
 steht nach einer Anklage gegen den ehemaligen 
Polizeichef immer mehr unter Druck
Tegucigalpa/New York. Eine Anklage der New Yorker Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Polizeichef von Honduras, Juan Carlos "El Tigre" Bonilla Valladares, wegen Verschwörung zum Drogenhandel, Mord und illegalen Waffenbesitz könnte den honduranischen Präsidenten, Juan Orlando Hernández, weiter in Bedrängnis bringen. Im Oktober 2019 war bereits sein Bruder, Juan Antonio "Tony" Hernández, von einem New Yorker Gericht wegen jahrelanger Zusammenarbeit mit Drogenkartellen verurteilt worden. Auch der Präsident selbst, nach Informationen des US-Justizministeriums im Prozess "Mitverschwörer 4"genannt, habe mehrere Millionen US-Dollar Wahlkampfhilfe aus dem Drogentransport erhalten. Bonilla hingegen soll seine Position als hochrangiger Polizeioffizier genutzt haben, um Kokaintransporte durch Honduras Richtung Norden schützen zu lassen. Zudem sei er laut Staatsanwalt Geoffrey S. Berman für einen Mord an einem mit den Hernández-Brüder rivalisierenden Drogenboss verantwortlich. "Tony" Hernández soll ihn damit beauftragt haben.

Montag, 20. April 2020

Corona-Pandemie zeigt erneut prekäre Situation von Hausangestellten

Noch mehr Arbeit, noch schlechtere Bedingungen in der 
Tegucigalpa. Hausangestellte in Honduras sind von den Auswirkungen des Coronavirus besonders
betroffen. Sie haben meist nur die Wahl zwischen dem Ausharren bei ihren Arbeitgebern unter extremen Bedingungen oder der Rückkehr zu ihren Familien ohne jegliches Einkommen.

Das mittelamerikanische Land hat am 16. März einen Ausnahmezustand ausgerufen und Ausgangssperren im ganzen Land verhängt, um dem neuartigen Virus SARS-CoV-2 zu begegnen. Dabei dürfen die Bürger einen Tag in der Woche das Haus verlassen, um einzukaufen, zur Bank zu gehen, oder ihr Auto zu betanken.

Sonntag, 19. April 2020

Virus trifft auf Korruption


Die Pandemie wird von einer Skandal-Regierung gemanagt. Durch fehlende Kontrollen nehmen Menschenrechtsverletzungen zu.

aus: taz, 18.04.2020, von Fernando Silva Cruz


Gebet am Karfreitag in der Hauptstadt Tegucigalpa/Foto: reuters















TEGUCIGALPA taz | Kaum ein Land in Lateinamerika ist so schlecht auf eine Pandemie vorbereitet wie Honduras. Das geht aus dem von der Johns Hopkins University erstellten globalen Gesundheitssicherheits-Index (Global Health Security-Index) hervor. Laut dieser Skala hat nur Venezuela noch schlechtere Bedingungen, um mit einer solchen Pandemie fertig zu werden.

Jetzt ist Covid-19 im Land angekommen. Es sind 397 registrierte Fälle, und das Gesundheitssystem steht kurz vor dem Kollaps, was an den fehlenden Mitteln liegt – und an einem öffentlichen Gesundheitswesen, das die schlimmsten Konsequenzen staatlicher Korruption zu erleiden hatte.


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Mittwoch, 15. April 2020

Radiobeitrag für die kommunitären Radios in Honduras

Solidarische Statements von Mitgliedern des RESH (Europäisches Netzwerk in Solidarität mit Honduras) zur aktuellen Corona-Krise aus Deutschland, der Schweiz und Spanien und in Honduras.
Entwickelt durch Mitglieder der RESH.








Online-Seminar der HondurasDelegation

Honduras: Soziale Bewegungen zwischen Drogenstaat, Militär und Korruption

Dienstag, 28. April 18 Uhr

Seit dem Putsch von 2009 hat sich die Menschenrechtslage in Honduras kontinuierlich verschlechtert und soziale Bewegungen werden immer mehr in ihren Handlungsspielräumen eingeschränkt. Kriminelle Netzwerke durchsetzen staatliche Institutionen und Wirtschaft. Demokratische Kontrollmechanismen und Gewaltenteilung sind de facto außer Kraft gesetzt, Einfluss und Präsenz des Militärs nehmen stetig zu. Soziale Bewegungen leisten Widerstand und fordern weiter ihre Rechte ein. Gemeinden verteidigen ihre Territorien gegen extraktivistische Projekte wie zum Beispiel Wasserkraftwerke, Tagebaue und „Modellstädte“. Journalist*innen berichten unter Lebensgefahr über korrupte Seilschaften und Menschenrechtsverletzungen.

Das Online-Seminar gibt eine Einführung in die aktuelle politische Situation sowie einen Überblick über soziale Bewegungen und die Menschenrechtslage (auch bzgl. der aktuellen Corona-Krise). Es richtet sich an Interessierte am Land. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Ein weiteres Webinar wird sich speziell mit der Situation der Garifuna-Gemeinden an der honduranischen Nordküste beschäftigen.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Dauer: 90 Minuten

Sprache: Deutsch

Mehr Infos zum deutsch-österreichischen Netzwerk HondurasDelegation: https://hondurasdelegation.blogspot.com/

Anmeldung mit Namen und E-Mail bitte bis Freitag, 24. April 2020 an: elsal@oeku-buero.de

Wir schicken dann rechtzeitig einen link für die virtuelle Konferenz.

Donnerstag, 9. April 2020

Alerta del COPINH! - Mörder von Berta Cáceres in Honduras bald frei?

aus: Amerika 21, von Andrea Lammers, 11.04.2020

La Esperanza-Intibucá. Die honduranischen Behörden könnten die Corona-Pandemie nutzen, um zwei Männer freizulassen, die im November 2018 wegen des Mordes an Berta Cáceres zu 30 Jahren Haft verurteilt worden waren. Das befürchtet der Rat der Indigenen und Volksorganisationen aus Honduras (Copinh).



Berta Cáceres war Gründerin und langjährige Koordinatorin von Copinh. Sie wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 in ihrem Haus in La Esperanza-Intibucá erschossen.

Nun hat der Rat erfahren, dass die Anwälte von Sergio Rodríguez Orellana und Douglas Bustillo deren Freilassung "aus gesundheitlichen Gründen" auf Grund der Risiken der Corona-Pandemie fordern. Die beiden Verurteilten waren zum Tatzeitpunkt Manager für Umwelt und Soziales und ehemaliger Sicherheitschef des Wasserkraft-Unternehmens Desarollos Energéticos S.A. (Desa) der honduranischen Unternehmerfamilie Atala Zablah. Rodríguez und Bustillo gelten zusammen mit dem Major der Armee, Mariano Díaz, als Mittelsmänner zwischen den Auftraggebern aus den höheren Rängen des Unternehmens und dem vierköpfigen Killerkommando, das Cáceres tötete.

EU Parlamentarier*innen fordern die Freilassung der Guapinol-Aktivist*innen!

36 EU Parlamentarier*innen haben die Forderung an die honduranische Regierung unterschrieben, die acht seit 1. September 2019 inhaftierten Umwelt- und Gemeindeaktivist*innen  - Porfirio Sorto Cedillo, José Avelino Cedillo, Orbin Naún Hernández, Kevin Alejandro Romero, Arnold Javier Aleman, Ever Alexander Cedillo, Daniel Marquez and Jeremías Martínez Díaz -  aus der Haft zu entlassen.

Die Aktivist*innen kämpfen gegen das Unternehmen Los Pinares, das zwei Konzessionen für Eisenerztagebauprojekte m Natioanlpark Montana de Botaderos Carlos Escaleros besitzt. Die Projekte bedrohen das Wassereinzugsgebiet der Flüsse Guapinol und San Pedro.

Aufgrund der verschärften Situation wegen COVID-19, sind die Aktivist*innen in den Haftanstalten in Olanchito und La Ceiba einem noch höherem Risiko ausgesetzt als sie unter den prekären Bedingungen in honduranischen Gefängnissen sowieso schon sind. Die Parlamentarier fordern den Obersten Gerichtshof auf, sich an die internationalen Standards zu halten und die Anklagen gegen die Aktivist*innen fallen zu lassen. Sie berufen sich auf die am 25. März ausgeprochene Warnung der UN-Menschenrechtsbeauftragten Michelle Bachelet vor einer flächenbrandartigen Ausbreitung des Coronavirus in Gefängnissen. Sie ruft die Behörden weltweit zu Haftentlassungen auf.

Zum vollständigen Brief geht es hier





Sonntag, 29. März 2020

Honduras unter Quarantäne

ein Radiobeitrag von Darío Maldonado,  Radio Matraca, 29. marzo 2020





 zum Beitrag

FELICIDADES AL COPINH!!

por sus 27 años de lucha!!


Desde Alemania nos juntamos a su fuerza, su alegría y compromiso ejemplar.

Berta vive!

La lucha sigue!!!


https://copinh.org/2020/03/saludos/
#27AñosDeLucha
 






Samstag, 28. März 2020

Honduras: "Das Land der Pandemien"

Steigende Infektionszahlen. Tränengas gegen Hungerrevolten. Mehrheit der Bevölkerung wegen Ausnahmezustand ohne Einkommen. Forderung nach Freilassung politischer Gefangener
Tegucigalpa. Am Donnerstag ist in Honduras der erste Tote, verursacht durch das Coronavirus SARS- CoV-2 in einem Krankenhaus in der nördlichen Handelsmetropole San Pedro Sula gemeldet worden. Bisher wurden 67 Menschen positiv auf das Virus getestet. Die meisten nachweislich Infizierten leben in der Hauptstadt Tegucigalpa und im Departamento Cortés.

Die Infektiologin und ehemalige Gesundheitsministerin Elsa Palou geht davon aus, dass bereits mehr als 5.000 Menschen infiziert sind. Es fehlten jedoch ausreichend Tests im Land. Im Gegensatz zum medizinischen Personal seien Polizei und Militärpolizei mit Schutzkleidung gegen die Ansteckung ausgerüstet.

Sonntag, 22. März 2020

Corona-Pandemie: Zentralamerika zwischen Leugnung und Abschottung

Staaten der Region unterschiedlich betroffen. Auch in Mittelamerika Debatten um Ausgangssperren. Massendemo gegen Virus in Managua

Sonntag, 8. März 2020

Berta se hizo millones…

Radiobeitrag von Daniela Dreißig, Giulia Fellin, Stephanie Wassermann,
NPLA, vom 5. März 2020




Internationales Treffen „Berta Vive“ 2016. Quelle: CADEHO


März 2016: Zwei Tage vor ihrem Geburtstag wurde die international bekannte Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres ermordet.
Doch sie war viel mehr: Sie war Feministin, kämpfte gegen patriarchale Strukturen und Rassismus, in ihren Reden verdammte sie den Kapitalismus und trat für die Solidarität unter den Marginalisierten dieser Welt ein. Was sie sagte begeisterte Viele.
Ziel ihrer Ermordung war nicht nur, sie zum Schweigen zu bringen, sondern die progressiven sozialen Bewegungen in Honduras zu zerschlagen. Gelungen ist es den Mördern nicht. Radio Onda sprach mit zwei honduranischen Aktivistinnen darüber, wie sie von Berta Cáceres in ihrer alltäglichen Arbeit inspiriert werden.