San Francisco de Locomapa/San Pedro Sula. Der Rechtsanwalt Victor Fernández und die Ärztin Ligia Ramos sind in Honduras am Mittwochabend von einer Menschengruppe mehrere Stunden festgehalten und verbal bedroht worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Gemeinde Tribu San Francisco de Locomapa im Departamento Yoro. Das teilten beide auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in San Pedro Sula im Norden von Honduras mit.
Das Territorium der indigenen Tolupanes ist für Holz- und Bergbauunternehmen ökonomisch sehr interessant. Ohne Berücksichtigung der Menschenrechte und der ILO-Konvention 169 setzen sie ihre Interessen häufig gewaltsam durch. Im Frühjahr dieses Jahres begleitete die MADJ, die Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit, die Neuwahl des Gemeinderates in der indigenen Gemeinde San Francisco Locomapa. Auf Bitte von MADJ nahm LN-Autorin Rita Trautmann aufgrund der Gefährdung der Kandidat*innen als Menschenrechtsbeobachterin an der Gemeindeversammlung teil.
Der neue Consejo Directivo, Foto: HondurasDelegation
Noch vor Sonnenaufgang treffe ich an einem Sonntag im März dieses Jahres vier Kolleg*innen von MADJ, eine der wichtigsten sozialen und politischen Menschenrechtsbewegungen in Honduras. Gemeinsam fahren wir mit einem Pick-up in die Gemeinde San Francisco de Locomapa der indigenen Tolupanes. Die bergige und waldreiche Region liegt im Distrikt Yoro im nördlichen Honduras. Vor allem aber ist sie sehr abgelegen und nicht einfach zu erreichen. MADJ hat mich als Vertreterin des Menschenrechtskollektivs CADEHO gebeten, sie bei der Fahrt zu einer Gemeindeversammlung als Menschenrechtsbeobachterin zu begleiten. Ich bin zum ersten Mal in Honduras, seitdem die linksgerichtete Partei LIBRE die Narco-Diktatur von Juan Orlando Hernández abgelöst hat und sehr gespannt auf die Veränderungen im Land unter der Präsidentin Xiomara Castro.
Rosa Adilia Vieda und Ramón Santiago Matute vom indigenen Gemeinderat in San Francisco de Locomapa Foto: Rita Trautmann
12. April 2023
MADJ ist eine soziale Basisorganisation, die sich für den Schutz
der Menschenrechte, der natürlichen Lebensgrundlagen, der indigenen Völker und
für den Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras einsetzt.
Erneut Morde an afro-indigenen Aktivisten. Gewalt gegen Bewohner von Masca soll im Zusammenhang mit geplanter Arbeits- und Wirtschaftszone stehen. Gesetzesprojekt "zur Befragung" umstritten
Dublin/San Pedro Sula. Im neuen globalen Bericht der Organisation Frontline Defenders zur Situation der Menschenrechtsverteidiger sind 31 Morde an honduranischen Aktivisten dokumentiert. Demnach hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Das zentralamerikanische Land liegt damit weltweit an dritter Stelle nach Kolumbien und den Philippinen.
Der Aktivist der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit in
Honduras, Milgen Idán Soto Ávila, wurde ermordet Quelle:madj
San Francisco de Locomapa. Der seit dem 23. September vermisste honduranische Umweltaktivist Milgen Idán Soto Ávila ist am vergangenen Samstag tot aufgefunden worden. Soto gehörte zur indigenen Gruppe der Tolupanes und war Mitglied der Umwelt- und Menschen-rechtsorganisation "Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia, MADJ).
Die Bewegung und die Gemeinden wehren sich gegen den Raubbau an Pinienwäldern sowie die Ausbeutung des Halbmetalls Antimon auf ihrem Territorium in San Francisco de Locomapa im Department Yoro im Norden von Honduras. Mitglieder der Gemeinde fanden Sotos Leichnam genau an der Stelle in einem Erdloch begraben, an der das Unternehmen Inmare bis zum vergangenen Montag den Wald abgeholzt hatte.
'Sign the petition and lend your voice to help protect the brave women and men around our world who are defending vulnerable communities against human rights abuses at the hands of some private companies.'
Abogado de la familia de Berta Cáceres: "Está probado que la mandó matar una estructura empresarial"
Victor y Martín Fernández vom der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ)
sprechen mit der spanischen Zeitung Público über den Fall Berta Cáceres und die ständigen Angriffe gegen Umweltschützer*innen in Lateinamerika.
Pia Castro interviewt (in spanisch) Víctor Fernández,
Mitbegründer der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ) im
Rahmen der Verleihung des 16. Bremer Solidaritätspreises 2019.
Fernández ist einer der Anwälte, die die Familie der indigenen
Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres vertritt, deren Ermordung ist
eines der emblematischen Mordfälle in Honduras. Víctor berichtet über
die Bedeutung dieses Falles in Honduras, aber auch in der
internationalen Gemeinschaft. Das Gespräch widmet sich auch Themen wie
der Korruption, dem Drogenhandel und den Karavanen von Honduraner*innen,
die sich in Richtung USA auf dem Weg gemacht haben.
"Mit seinen 112 000 Quadratkilometern kommt Honduras auf etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands, hat aber nur knapp neun Millionen EinwohnerInnen. Das zentralamerikanische Land sorgt seit vielen Jahren nur für Negativschlagzeilen.(...)
Tegucigalpa. Am 17. Februar ist José de los Santos Sevilla, in seinem Haus in der Region erschossen
worden. Sevilla war Lehrer und führendes Gemeindemitglied der indigenen
Tolupán-Gemeinschaft, der circa 20.000 Menschen angehören. Die
polizeilichen Ermittlungen konnten bisher weder Zusammenhänge noch
Tatverdächtige ermitteln. Derzeit sei nur bekannt, dass fünf
Schwerbewaffnete in den Morgenstunden in Sevillas Haus eindrangen und
ihn in Gegenwart seiner Familie erschossen. Der Beauftragte der
honduranischen Regierung für Menschenrechte, Roberto Herrera Cáceres, forderte
nun spezielle Schutzmaßnahmen für die Bewohner zweier Gemeinden dieser
Region. Nach Aussagen des Regierungsfunktionärs mussten wegen vorheriger
bedrohlicher Vorfälle die Kinder dieser Gemeinden bereits der Schule
fern bleiben. Die Tolupán-Gemeinden sehen sich mit territorialen
Konflikten durch illegalen Holzeinschlag und Bergbautätigkeiten
nationaler und transnationaler Unternehmen konfrontiert. Montania de la Flora liegt in einem geschützten Reservat, die Tolupanes besitzen Landtitel dort.
Montaña de la Flor im Department Francisco Morazan
Indigene Bewegungen und Menschenrechtsaktivist*innen in Honduras
benötigen heute mehr denn je eine internationale Öffentlichkeit und
internationale Solidarität, um einen Mindestschutz vor der Willkür des
Staates zu haben. In einer jünst erschienenen Studie erklärte Global
Witness Honduras zum weltweit gefährlichsten Land für
Umweltaktivist*innen.
Das solidarische Netzwerk HondurasDelegation organisiert Reisen nach
Honduras, um über die bedrohliche Situation von
Menschenrechtsverteidiger*innen zu berichten, da die kontinuierlichen
Menschenrechtsvergehen meist Abseits der internationalen Aufmerksamkeit
stattfinden. Im November und Dezember 2016 war eine 6-köpfige Delegation
vor Ort. Das Hauptinteresse dieser Reise lag auf den territorialen
Konflikten der indigenen Bevölkerung. Wir besuchten Gemeinden der
Garífuna, Lenca und Tolupanes, deren Zugang zu lebenswichtigen
Ressourcen auf unterschiedliche Weise von staatlichen und
nicht-staatlichen Akteuren beeinträchtigt wird. Auf der Reise haben wir
erfahren, wie sie sich dem entgegenstellen und welchen Bedrohungen sie
dadurch ausgesetzt sind. Wir werden mit Fotos und Videoausschnitten von
unseren Reiseeindrücken berichten.
Wann? Freitag, der17.02.2017 / 18:00 Uhr
Wo? FDCL, Gneisenaustraße 2a, Veranstaltungsraum im FDCL / Mehringhof, 3. Aufgang, 5.Stock
10961 Berlin
Die Tolupanes, Ureinwohner in Honduras, leben in 31
Gemeinden in Yoro und Francisco Morazán. Vor der Kolonialzeit besiedelten sie
fast die ganze Nordküste vom Rio Ulua bis nach Trujillo. Mit Beginn der
Kolonialzeit begann die kontinuierliche Vertreibung von ihren Territorien,
deren Verteidigung bis heute eines der zentralen Anliegen der Tolupanes ist.
Ihre Gemeinden liegen verstreut in den Bergen, die Straßen sind schlecht, es
gibt wenig Infrastrukur, die Gesundheitsversorgung ist prekär und der Zugang zu
Bildung ist unzureichend. Nach 5 Stunden Autofahrt, Flussdurchquerungen und
Fahrzeugwechsel, da die Gemeinden nur mit Allradfahrzeugen zu erreichen sind,
kommen wir in San Francisco Campo in Locomapa an.
„Willkommen in San
Francisco de Campo. Wir Menschen sind Teil der Natur, weshalb eine
Schädigung der Umwelt auch eine Schädigung unserer eigenen Existenz ist.“ -
lesen wir auf dem Ortsschild.
Wir werden hier bereits von einer Gruppe von 25-30 Personen erwartet.
Nach einer herzlichen Begrüßung berichteten uns einzelne Gemeindemitglieder von
den aktuellen Konflikten und Bedrohungen. Von ihrem Territorium, für das sie
einen Landtitel von 1864 besitzen, hat der Ex-General Kenton Landa Uclis 50% in
den 80er Jahren mit Hilfe seiner Militäreinheit illegal besetzt.
Die Tolupanes sehen sich einer Vielzahl von Konflikten gegenüber, die
seit den 80er Jahren mehr als 100 ermordete Líderes der Tolupanes gefordert
haben. Damit gehören die Tolupanes zu den Ureinwohnern, die die meisten
Ermordeten zählen. Die
Mehrheit der Fälle bleibt straflos.
Das Territorium der Tolupanes besteht zu 90% aus Wald und ist wegen des
Holzes und Antimonvorkommens begehrt. Täglich verlassen geschlossene Lastwagen
mit illegalem Holz das Gebiet. Holz, das den Tolupan-Gemeinden zusteht. Sie
jedoch dürfen Bäume selbst nicht fällen. Der Ex-General bekam trotz des
vorhandenen kollektiven Landtitels von 1864 der Tolupanes vom Instituto
Nacional Agrario ebenfalls einen erteilt. Häufig werden von staatlichen
Behörden doppelte Landtitel vergeben, um illegal angeeignetes Land, im
Nachhinein zu legalisieren. Aufgrund dieses Titels konnte sich Landa Uclis
einen Bewirtschaftungsplan von der staatlichen Forstbehörde ICF genehmigen
lassen und durch Bestechung des indigenen Gemeinderates wurde dieser
akzeptiert. Dieser Plan legt die Mengen der gefällten Bäume fest. Die
tatsächliche Menge liegt jedoch über der zugelassenen, sodass Kontrollen der
Lastwagen nötig wären – was allerdings bis jetzt nur einmal geschehen ist und
Einschüchterungen und Bedrohungen für diejenigen, die sich dafür einsetzen,
nach sich ziehen.
18 Familien der Gemeinde haben wegen dieser Bedrohungen besondere
Schutzmaßnahmen, die die Interamerikanische Menschenrechtskommission angeordnet
hat. Sichtbar wurden diese für uns, als uns die Polizei ab Ortseingang
begleitete.
Das Vertrauen der Bevölkerung in die Gemeinderäte ist aufgrund der
Bestechlichkeit dieser gebrochen. Viele Bewohner*innen möchten ihr Land selbst
nutzen und verteidigen. Seit
2008 werden sie dabei vom MADJ (Movimiento Amplio por la Dignidad y la
Justicia) unterstützt.
Die Organisation enstand 2008 aus einem Hungerstreik von vier
Staatsanwälten, die sich gegen Korruption und Komplizenschaft innerhalb der
Generalstaatsanwaltschaft auflehnten, weil in Korruptionsfällen weder gegen
eigene Angestellte noch gegen große Unternehmen ermittelt wurde. Daraus ist
eine breite soziale und politische Bewegung entstanden, die sich gegen
Korruption, Misswirtschaft öffentlicher Güter und für eine Gesellschaft
einsetzt, die auf Transparenz, Würde und den Respekt für Menschenrechte und
Umwelt beruht. Aus dieser Perspektive unterstützt das MADJ die politische
Einflussnahme und Kontrolle über Kommunalverwaltungen und staatliche
Institutionen. Sie fordern Transparenz und Rechenschaft bei der Verwendung
öffentlicher Mittel, indem sie über den Rechtsweg auf nationaler und
internationaler Ebene gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorgehen.
Sowohl im Büro des MADJ in San Pedro Sula als auch in der Gemeinde San
Francisco de Campo in Locomapa wurden wir sehr herzlich aufgenommen und
vorzüglich beköstigt. Wir sind zutiefst beeindruckt von dem Mut der Mitglieder
des MADJ, die trotz massiver Einschüchterungen und Bedrohungen einen
ansteckenden Optimismus ausstrahlen.