Hintergrund sollen Konflikte mit Unternehmen sein. Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Bewegung warnt vor Privatisierung "aller Güter"
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Quelle:Movimiento Amplio |
San Francisco de Locomapa/San Pedro Sula. Der Rechtsanwalt Victor Fernández und die Ärztin Ligia Ramos sind in Honduras am Mittwochabend von einer Menschengruppe mehrere Stunden festgehalten und verbal bedroht worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Gemeinde Tribu San Francisco de Locomapa im Departamento Yoro. Das teilten beide auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in San Pedro Sula im Norden von Honduras mit.
Bei den Aggressoren soll es sich um Anhänger von Jaime Matute gehandelt haben, aktuell Präsident der Gemeinde, der aber im Interesse von Agrarunternehmen handele, erklärte Fernández auf der Pressekonferenz. Der Vorfall ereignete sich, als Fernández und Ramos gegen 18 Uhr am Mittwochabend die Gemeinde aufsuchen wollten, um nach eigenen Angaben eine medizinische Brigade in der Region zu planen. Die Einwohner des Gebietes haben nur geringen Zugang zu medizinischer Versorgung, erklärte Ramos. Nach ihren Angaben habe es keine "körperliche, aber psychische Gewalt gegeben". Erst gegen 22 Uhr sei die Polizei vor Ort eingetroffen, habe aber statt die "Aggressoren festzunehmen" zunächst eine Registrierung des Fahrzeuges von Fernández verlangt, schrieb das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit, MADJ) am Mittwochabend.
Fernández ist Rechtsanwalt beim Anwaltsbüro Bufete Dignidad in San Pedro Sula, das verschiedene von Landkonflikten betroffene Gemeinden in der Region vertritt. Er beschuldigte die aktuelle Regierung, in die Vorgänge involviert zu sein. So sei Matute während des Vorfalls in permanentem Telefonkontakt gewesen, "so wie ich verstehe auch mit Personen aus dem Menschenrechtsbüro der aktuellen Regierung", erklärte Fernández auf der Pressekonferenz.
Matute stellte die Situation anders dar. Er sagte in einem Interview, Aktivisten des MADJ sei es "verboten, die Gemeinde zu betreten, weil diese für Spaltung der indigenen Gemeinde sorgen". Fernández und Ramos hätten unterschiedliche Angaben zum Grund ihres Besuchs gemacht. Zunächst hätten sie erklärt, "Freunde besuchen zu sollen, jetzt sagen sie, sie hätten eine medizinische Brigade geplant". Matute wirft außerdem die Frage auf, warum der Besuch "am Abend in der Dunkelheit" stattgefunden habe, und bestritt, Kontakte zu Agrarunternehmen zu haben, er sei "nur Präsident der Gemeinde".
In der Region um das Departamento Yoro im Norden von Honduras gibt es immer wieder Konflikte um Land, häufig zwischen Kleinbauern und Agrarunternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten andauern und immer wieder Todesopfer fordern (amerika21 berichtete). Anwohner der Gemeinde Tribu San Francisco de Locomapa hatten erst im April öffentlich illegale Rodungen und daraus resultierende Bedrohungen in ihrem Gebiet kritisiert.
Ileana Morales, Mitglied der Nationalen Leitung der MADJ, sieht die Angriffe im Kontext der verschärften Politik des Extraktivismus unter der neuen Regierung von Nasry Asfura. "Unter Xiomara Castros Regierung wurden die Menschenrechte, die natürlichen Rechte und die territorialen Rechte nicht gestärkt; die Dynamik von Kriminalisierung, Mord und Vertreibungen blieb unverändert. Unter der jetzigen Regierung ist jedoch alles Öffentliche in Gefahr zu einem privaten Gut zu werden. Dasselbe wird mit Flüssen, Wäldern und Bodenschätzen geschehen. Sämtliche Ressourcen werden privaten Unternehmen und ausländischen Investoren zur Verfügung gestellt", erklärte sie gegenüber amerika21.
