Triunfo de la Cruz. Acht
Wochen nach ihrem
gewaltsamen Verschwindenlassen durch
Schwerbewaffnete, die Westen der Ermittlungspolizei DPI trugen, gibt es
weiterhin keine Hinweise darauf, was mit drei Landrechts-Aktivisten und
zwei weiteren Einwohnern der afroindigenen Garífuna-Gemeinde Triunfo de
la Cruz in Honduras geschehen ist.
Nach zwei Monaten habe noch keine staatliche Institution Auskunft darüber geben können was passiert sei, sagte
der Jesuitenpater Ismael Moreno, genannt Melo. "Sie sind nicht in der
Lage irgendwie mitzuteilen, welche Ermittlungen angestellt wurden, um
herauszufinden, wo die Garífuna sind. Nach zwei Monaten bewahren sie
immer noch Stillschweigen über die abscheuliche Tat. Daraus schließen
wir, dass der Staat selbst in hohem Maße dafür verantwortlich ist, was
passiert ist, was daraus wurde und dass bisher alles straflos bleibt."
Familienangehörige, Gemeinden, Garífuna- und
Menschenrechtsorganisationen weltweit fordern weiter Aufklärung des
Verbrechens, Bestrafung der Täter und Schutz für die afroindigenen
Garifuna-Gemeinden an der honduranischen Karibikküste.
Miriam Miranda, Koordinatorin von Ofraneh, betonte zuletzt immer
wieder, dass das gewaltsame Verschwindenlassen, ebenso wie mehrere Morde
an Garifuna-Menschenrechtsverteidigern, die vorausgingen, in einer
Situation passiert seien, in der die traditionellen Garífuna-Gemeinden
verschiedenen Projekten einheimischer und ausländischer Investoren im
Wege stünden. Dazu gehörten "normale" Tourismusprojekte ebenso wie die
Zede (Sonderzonen für Beschäftigung und ökonomische Entwicklung), für
die sich der Staat besondere Rechte zur Enteignung gesichert hat, um die
Gebiete dann Investoren zu überlassen, die extraterritoriale
Privatstädte aus ihnen machen.
Der Kontext der Gewalttaten, so Miranda gegenüber dem
Solidaritäts-Netzwerk HondurasDelegation, ist "eine Auseinandersetzung
darüber, wer die Territorien kontrolliert." Die Gemeinden Triunfo de la
Cruz und Punta Piedra fordern ihre vom interamerikanischen
Menschenrechtsgerichtshof (CIDH) bestätigten Landrechte ein und
verlangen eine rechtsstaatliche Antwort auf das gewaltsame
Verschwindenlassen der fünf Männer aus Triunfo de la Cruz.
Polizeisprecher Jair Meza hatte am 9. September betont, es gebe
Fortschritte bei den Ermittlungen und man warte auf Haftbefehle gegen
die mutmaßlichen Täter. Bei dem Fall handle es sich nicht um eine
Geiselnahme, so Meza, sondern um eine Entführung und es sei "bis dato
keinerlei Rettungsaktion angefordert" worden.
Sowohl der CIDH als auch der UN-Ausschuss gegen das
Verschwindenlassen hatten den honduranischen Staat mit großer
Dringlichkeit aufgefordert, nach Albert Snaider Centeno, Milton Joel
Martínez Álvarez, Suami Aparicio Mejía García, Gerardo Misael Trochez
Calix zu suchen, das Verbrechen aufzuklären und die betroffenen
Gemeinden zu schützen.
Die staatlichen Berichte zu den gesetzten Fristen Ende August und
Anfang September sind nicht öffentlich bekannt; dem Vernehmen nach
fielen sie dürftig und unbefriedigend aus. Aus einer Resolution
des Gerichtshofes vom 2. September ging hervor, dass der honduranische
Staat in seiner Antwort jede eigene Beteiligung an der Tat von sich wies
und keinerlei Hinweise auf den Verbleib der Verschleppten gab.
Die nächste Frist dafür wurde nun für den 28. September 2020 festgesetzt.