Tegucigalpa. Juan Orlando Hernández ist am Samstag in Honduras für seine zweite Amtsperiode 2018 ‒ 2022 als Präsident
vereidigt worden. Während er im Nationalstadion auf die Verfassung schwor, applaudierten ihm Militär, Kirchen und Unternehmerschaft.
Die oberste Wahlbehörde hatte Hernández trotz massiver Proteste im
Land und internationaler Kritik wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten
während und nach dem Urnengang zum Gewinner erklärt. Seine erneute
Kandidatur war laut honduranischer Verfassung illegal, wurde jedoch
durch den vom Regierungslager dominierten Obersten Gerichtshof
zugelassen.
Bei der Zeremonie waren der von ihm kontrollierte Oberste Gerichtshof
und Abgeordnete seiner Partei sowie der kleinen regierungsnahen
Parteien anwesend. Die Abgeordneten der Allianz der Opposition gegen die
Diktatur, die von seinem Wahlherausforderer Salvador Nasralla geführt
wurde, sowie die Parlamentarier der anderen Oppositionsparteien Libre,
Pinu und Liberale erschienen nicht, denn sie erkennen seinen Wahlsieg
nicht an.
Es kam auch kein Staatschef eines anderen Landes, stattdessen
schickte man diplomatische Vertretungen. Den Amtseid gab Hernández
gegenüber dem Kongresspräsidenten Mauricio Oliva ab, gegen den die
Internationale Unterstützungsmission gegen Korruption und Straflosigkeit
in Honduras eine Untersuchung wegen Korruptionsfällen
durchführt.
Die regierungsnahe Presse berichtete von einem reibungslosen Ablauf,
den Erfolgen der vorherigen Präsidentschaft Hernández‘ und relativer
Ruhe im Land an diesem Tag. Ohne massive Militär- und Polizeipräsenz um
das Nationalstadion herum wäre die Amtseinführung jedoch gar nicht
möglich gewesen.
Die Allianz der Opposition gegen die Diktatur hatte zu einer
Demonstration für Samstag um sechs Uhr morgens aufgerufen, zu der
Menschen aus allen Landesteilen nach Tegucigalpa gereist sind. Die
Straßen zum Stadion sollten blockiert werden, um die Ankunft von
Hernández zu verhindern. Bereits am Freitagabend wurde die Hauptstadt
von Sicherheitskräften besetzt. Das Nationalstadion war von Militär und
Polizei umringt. Gleich zu Beginn der Manifestation der Regierungsgegner
wurden von der Militärpolizei massiv Tränengas und Knüppel gegen die
Demonstrierenden eingesetzt. Als sich der
Protestzug
in Richtung Stadtzentrum bewegte, wurde er auch hier von der
Militärpolizei gewaltsam aufgelöst. Dabei erlitt der Fotojournalist
Orlando Sierra von der französischen Presseagentur AFP eine
Kopfverletzung. Sierra
berichtete:
"Militärs begannen ganz plötzlich mit der Repression und warfen ziellos
Tränengasgranaten auf die Demonstranten." Eine der Granaten, die ein
Gewicht von etwa einem halben Kilo haben und aus Metall gefertigt sind,
traf ihn am Kopf.
In etlichen Stadtvierteln von Tegucigalpa gab es bis zum Abend Straßenblockaden.
In verschiedenen Landesteilen wurden am Tag der Amtseinführung
Straßen blockiert und gegen den Präsidenten demonstriert. Ob Jugendliche
in San Pedro, Frauen in Choloma oder junge Männer in Tocoa ‒ der
Protest war landesweit und generationsübergreifend. Bei den
Protestaktionen am 27. Januar kam es , soweit bisher bekannt, zu vier
Verhaftungen in Tocoa, Departamento Colón, weitere Protestierende wurden
dort verfolgt, es gab einen Verletzten, der als verschwunden gilt.
Am Nachmittag fand in San Pedro Sula, der wirtschaftlich wichtigsten Stadt des Landes, eine Großkundgebung statt.
Seit dem 27. November gehen nahezu täglich Tausende auf die Straßen,
um gegen einen Präsidenten zu demonstrieren, der in ihren Augen nur
durch Verfassungsbruch und Betrug weiter im Amt bleibt. Das Land erlebt
eine Welle der Gewalt seitens der staatlichen bewaffneten Kräfte, die
systematisch gegen Demonstranten vorgeht. Laut dem aktuellen Bericht der
Koalition gegen die Straflosigkeit wurden seitdem 33 Menschen
getötet,
mehrere hundert verletzt und über tausend Personen verhaftet. Mehr als
30 Personen mussten das Land verlassen und mehr als 60
Menschenrechtsaktivisten haben Anfeindungen und Verfolgung erlebt. Außer
einem Fall blieben bisher alle straflos. Verantwortlich sind nach dem
Bericht der Koalition vor allem die Militärpolizei, das Militär und die
nationale Polizei.