Von Anna Rösch amerika21
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Vor der Räumung der Gemeinde in Honduras |
San Juan Tela. Mit einem Protestcamp wehren sich indigene Garífuna an der honduranischen Karibikküste gegen eine gewaltsame Räumung und gegen die Kriminalisierung von Mitgliedern der Organisation OFRANEH. Am 6. Juli marschierten über 200 Einsatzkräfte der honduranischen Polizei auf ein Grundstück in der Garífuna-Gemeinde Durugubuti. Nach Berichten von Augenzeug:innen gaben sie den Mitgliedern des Landkomitees, die das Territorium bewachten, nur wenige Minuten zum Verlassen des Geländes.
Als die Indigenen forderten, es müsse auf den Anwalt von OFRANEH gewartet und ein Dialog begonnen werden, und zudem weitere Gemeindemitglieder hinzukamen, setzte die Polizei Tränengas ein und feuerte laut OFRANEH auch Schüsse ab. Vier Männer, darunter der Präsident des Komitees für die Verteidigung der Landrechte, und eine stillende Frau wurden festgenommen und erst nach Stunden und landesweiten Protesten wieder freigelassen.
Den fünf Mitgliedern von OFRANEH wird illegale Landbesetzung vorgeworfen. Sie sollen sich ab dem 14. Juli vor Gericht verantworten. Sollten sie angeklagt und verurteilt werden, drohen ihnen hohe Gefängnisstrafen.
Das umstrittene Grundstück wird von dem Unternehmen Promociones y Turismo SA (Promotur) beansprucht, das Presseberichten und Aussagen der Polizei vor Ort zufolge der einflussreichen honduranischen Unternehmerfamilie Rosenthal gehört.
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Protest vor dem Sitz der UN in New York am Freitag Quelle:Naddy Melendez/OFRANEH |
Ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus dem Jahr 2023 stellte schwere Menschenrechtsverletzungen gegen die Garífuna von San Juan fest, bis hin zu Morden. Das Gericht verpflichtete den honduranischen Staat, das von Dritten beanspruchte, angestammte Gemeindeland der Garifuna aus San Juan zu vermessen und binnen zwei Jahren die Restitution durchzusetzen (amerika21 berichtete). Der Gerichtshof erkannte die Rechte der Garífuna grundsätzlich an, ließ aber in Bezug auf einige Grundstücke die Möglichkeit offen, dass der Staat die Garífuna mit einem gleichwertigen Ersatz entschädigen könnte. Honduras hat das Urteil bisher nicht umgesetzt. Akzeptable gleichwertige Grundstücke sind nicht vorhanden, daher beanspruchen die Garífuna das Grundstück weiterhin als ihr legitimes Gemeindeland. Es grenzt an ein Baugebiet, das sie bereits in Eigenleistung mit einer Straße und Brücke erschlossen und parzelliert haben.
Zwischenzeitlich wurde die Polizei von dem Grundstück in San Juan Tela abgezogen. OFRANEH errichtete dort ein Camp, um die Ansprüche der Garífuna zu untermauern und Solidarität mit den kriminalisierten Landverteidiger:innen zu zeigen. OFRANEH-Generalkoordinatorin Miriam Miranda betonte in einem Aufruf: "Die Anhörung am Mittwoch betrifft nicht nur San Juan, hier geht es um die Zukunft des Volkes der Garífuna. Es ist in einer Notsituation. Das hier ist der Ernstfall."
Die gewaltsame Räumung in San Juan Tela war eine der ersten, nachdem das umstrittene Gesetz zur Stärkung und zum Schutz des agroindustriellen Sektors, der Energieprojekte, des Tourismus, der Viehzucht und weiterer Sektoren Ende Juni rechtskräftig wurde.
Das Gesetz unterläuft einerseits das Recht auf öffentliche Organisations- und Versammlungsfreiheit und ermöglicht Räumungen im Eilverfahren ohne richterliche Anordnung (amerika21 berichtete). Andererseits wurde ein staatliches Rundschreiben, das Circular DGPN-(S/D)-No.009-2026, erlassen. Dieses nimmt indigene Territorien von dem Gesetz aus, sodass auch nach den eigenen Regularien des Staates die Räumung in San Juan Tela nicht hätte durchgeführt werden dürfen. Gegen das Gesetz fanden seit Juni 2026 mehrere große Demonstrationen in der Hauptstadt Tegucigalpa statt. Zudem wurden Eilanträge und Verfassungsklagen eingereicht. Für diese Woche sind weitere Aktionen angekündigt.

