Dienstag, 29. Juni 2021

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

Tag 49 [28. Juni 2021] Schlussplädoyers

 

Die wichtigsten Punkte des Tages

Alle Parteien - die Staatsanwaltschaft, die Nebenkläger und die Verteidigung - präsentieren ihre Schlussplädoyers. Die Staatsanwaltschaft argumentiere, dass sie genügend Beweise vorgelegt hat, um zu zeigen, dass David Castillo schuldig ist, der geistige Urheber des Mordes an Berta Cáceres zu sein. Der Mord wurde begangen, weil Berta der DESA erhebliche wirtschaftliche Verluste zugefügt und die Staudammbaufirma Sinohydro veranlasst hatte, sich aus dem Agua Zarca-Projekt zurückzuziehen. Der Staatsanwalt hob wichtige Gespräche zwischen Douglas Bustillo und David Castillo von November 2015 bis März 2016 hervor, in denen Bustillo, Mariano Díaz Chavez und Henrry Hernandez (alle drei wegen des Mordes verurteilt) Berta in La Esperanza beobachteten, den Mord besprachen und/oder erfolglos versuchten, den Mord auszuführen (der wichtigste war der gescheiterte Versuch am 5. Februar 2016). Da Bustillo bei diesen Schlüsselanlässen mit der Gruppe von Auftragskillern und Mittelsmännern kommunizierte, erstattete er anschließend direkt Bericht an Castillo. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe der Verteidigung der Beweismanipulation zurück.

Sonntag, 27. Juni 2021

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

 Tag 48 [25. Juni 2021] Letzter Tag der Beweisaufnahme

Die wichtigsten Punkte des Tages

Heute sagte Shaun Vodde, der Sachverständige der Verteidigung, aus, dass sein Erscheinen und seine Aussage im Prozess mit Daniel Atala abgestimmt war. Während Voddes Präsentation blieb eine E-Mail zwischen Vodde und Atala unbeabsichtigt auf dem projizierten Computerbildschirm für alle zu sehen (unten gepostet). Daraufhin erhoben die Anwälte der Familie Cáceres Einspruch gegen die Einmischung Atalas in das Verfahren, insbesondere als Person, gegen die wegen des Mordes ermittelt wird. Die Anwälte beschuldigen Daniel Atala der Behinderung der Justiz und argumentieren, dass Atalas Handlungen wieder einmal die Netzwerke der Macht zeigen, die von den Atalas und Castillo benutzt werden, um Straflosigkeit zu garantieren. Sie baten das Gericht, die Kommunikation zwischen dem Experten und Castillo als Dokument vorlegen zu lassen und eine Untersuchung zu fordern. Das Gericht lehnte ihre Anträge ab.

Von Berta Cáceres aufgezeichnete Sprachnachrichten und Videodateien (siehe unten), die aus ihrem Mobiltelefon extrahiert wurden, wurden vor Gericht abgespielt, fast so, als ob Berta selbst in dem Prozess aussagen würde. In den Aufnahmen prangerte Berta die Schikanen der DESA und des Bürgermeisters von San Francisco de Ojuera (SFO) gegenüber COPINH an. Sie beklagte die Anwesenheit von Militär und Polizei in Rio Blanco trotz Dementis des Sicherheitsministeriums und die Gewalt und bewaffneten Angriffe gegen Mitglieder von COPINH im Februar 2016 bei Bertas letzter großer Aktion in SFO. Die Aktion sollte dazu dienen, den Bau des Wasserkraftwerks Agua Zarca zu stoppen.

Alle Beweise für den Prozess sind damit vorgelegt und vom Gericht angehört worden. 

Freitag, 25. Juni 2021

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

 Tag 47 [24. Juni 2021]

 

Die wichtigsten Punkte des Tages 

Durch einen Übersetzer gibt der Sachverständige der Verteidigung, Shaun Vodde, eine kurze Präsentation über die Daten, die auf den Handys im Besitz von David Castillo, Berta Cáceres, Sergio Rodriguez und Douglas Bustillo gefunden wurden. Die beiden Telefone, die Castillo gehörten, waren entweder gelöscht oder hatten einen Passcode und es wurden keine Daten extrahiert. Die Verteidigung befragte Vodde und konzentrierte sich dabei auf Nachrichten zwischen Berta Cáceres und ihren Kontakten, die sich auf Sicherheitsrisiken beziehen. Einige beziehen sich auf das Energieunternehmen Blue Energy und eine Nachricht, die davon spricht, "wenn sie das Stück Land verleihen" ... "damit ein Vogel landen kann" ("Si prestan el terreno" ... "para aterrizar un pájaro"), die die Verteidigung in den honduranischen Medien benutzt hat, um zu versuchen, COPINH und Berta mit dem Drogenhandel in Verbindung zu bringen. 

Der Prozess wird am folgenden Tag mit Fragen ders Anwaltsteams der Familie Cáceres an den Experten Vodde fortgesetzt.  

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/6/24/day-forty-seven-trial-against-david-castillo

Donnerstag, 24. Juni 2021

Präsident von Honduras reist nach München und Israel

 

Präsident Hernández und Geschäftsführer der Munich Airport International GmbH, Gaffal

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

 Tag 46 [23. Juni 2021]

Die wichtigsten Punkte des Tages 

Die Staatsanwaltschaft bat das Gericht, die gestrige Entscheidung über die Zulassung des Telekommunikationsexperten und der Analyse der Verteidigung zu überdenken. Die Staatsanwaltschaft argumentierte erneut, dass viele Dokumente in englischer Sprache seien und dass die gedruckte Version der Analyse sich von der digitalen Version unterscheide. Das Gericht blieb bei seiner Entscheidung und berief den Experten der Verteidigung und seinen englischen Übersetzer für den nächsten Prozesstag um 9 Uhr [hnd. Zeit] ein.

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/6/23/day-forty-six-trial-against-david-castillo

Mittwoch, 23. Juni 2021

Lesung und Gespräch: Die Aktivistin

Privatstädte, Korruption und Vertreibung in Honduras.

Kriminalroman von Jutta Blume 

am 08. Juli 18 Uhr

Die politische Aktivistin Yessica López, die sich für die Rechte der indigenen Garífuna einsetzt, ist verschwunden und niemand in ihrem Heimatort Triunfo in Honduras will darüber reden. Der deutsche Entwicklungshelfer Ulrich, der seiner ehemaligen Geliebten einen Überraschungsbesuch abstatten wollte, kann kaum glauben, wie sehr sich die Region verändert hat. Die honduranische Regierung hat das Gebiet zu einer Sonderentwicklungszone erklärt. Verwaltet wird diese von einem internationalen Expertenkomitee, das die Einheimischen zum Verkauf ihrer Grundstücke zwingt. Die Interessen des Komitees sind undurchsichtig, seine Macht absolut. Der Roman spielt vor dem Hintergrund der realen politischen Verhältnisse in Honduras, wozu die Vertreibung indigener Gemeinden, die Einrichtung von Sonderentwicklungszonen und so genannten Privatstädten, Korruption in fast allen öffentlichen Institutionen sowie enge Verflechtungen zwischen Politiker*innen und Drogenhändler*innen zählen. 

Mit ausgewählten Textstellen nimmt uns die Autorin mit nach Honduras und wird im anschließenden Gespräch über die neuesten Entwicklungen zu Privatstädten und die aktuelle Situation Indigener berichten. 

Jutta Blume ist freie Journalistin und Autorin in Berlin und aktiv in der HondurasDelegation und im Menschenrechtskollektiv CADEHO. Sie hat mehrfach an politischen Delegationsreisen nach Honduras teilgenommen. 

8. Juli, 18 Uhr 
Ort: Gleisbeet (open air)
Helsingforser Str. 29, 10243 Berlin 
 
Veranstalter: Naturfreunde Berlin e.V. und HondurasDelegation
 
 

Pressemitteilung: Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Narcostaat: Kooperation um jeden Preis?

Umstrittener honduranischer Präsident trifft sich in München mit Unternehmern und Investoren

Präsident von Honduras, Juan Orlando Hernández, Quelle: Wikipedia Lizenz: CC BY 2.0

MÜNCHEN (22.6.2021, Ökubüro München) Die Pressestelle des honduranischen Staatschefs Juan Orlando Hernández hat angekündigt, der Präsident werde sich am morgigen 23. Juni in München mit Unternehmern und Investoren treffen, unter anderen mit der Munich Airport International GmbH (MAI), Partnerin beim Bau und Betrieb des neuen honduranischen Flughafens Palmerola International Airport.

Angesichts der miserablen Bilanz von Honduras was Menschenrechte und Korruption angeht sowie der nachweislichen Unterwanderung staatlicher honduranischer Institutionen durch das organisierte Verbrechen fragen wir uns, was in aller Welt hiesige Unternehmen dazu bewegt, sich mit Präsident Hernández an einen Tisch zu setzen,“ kommentiert Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit in München. „Dies umso mehr, als Hernández selbst in gut begründetem Verdacht steht, mit Drogenkartellen gemeinsame Sache gemacht zu haben.“

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

Tag 45 [22. Juni 2021]

 

Die wichtigsten Punkte des Tages

Die Staatsanwaltschaft bittet das Gericht, das Gutachten des Telekommunikationsexperten der Verteidigung, Shaun Vodden, nicht zuzulassen und begrüdndet dies, dass Teile seiner Analyse dem Gericht in Englisch und nicht wie vorgeschrieben in Spanisch vorgelegt wurden. Die Staatsanwaltschaft bemängelte auch, dass einige der eingereichten Dateien nicht geöffnet und somit nicht von allen Parteien eingesehen werden konnten. Das Gericht nahm sich mehrere Stunden Zeit, um alle eingereichten Akten durchzusehen und entschied, dass der englische Übersetzer, der vereidigt wurde, um Voddens Aussage zu übersetzen, den morgigen Tag damit verbringen würde, Teile dieser Analyse zu übersetzen, die nicht in Spanisch eingereicht wurden. Die Richter*innen entschieden auch, dass alle Parteien einen Teil des morgigen Tages damit verbringen werden, die von Vodden eingereichten Akten durchzusehen, um sicherzustellen, dass alle eine Kopie aller Akten (in Spanisch) haben, bevor sie Voddens Expertenaussage hören.

Die Verhandlung ist für nächsten Vormittag [23.06.2021] angesetzt.

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/6/22/day-forty-five-trial-against-david-castillo

Dienstag, 22. Juni 2021

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

 Tag 44 [21. Juni 2021]



Die wichtigsten Punkte des Prozesstages


Heute fuhr Jonathan Murillo, der Datenextraktions-Experte der Verteidigung, im Zeugenstand fort. Sowohl die Anwälte der Familie Cáceres als auch das Team der Staatsanwaltschaft schafften es, einige Zweifel an Murillos Analyse zu wecken, einschließlich der Tatsache, dass eine der wichtigsten Audiodateien seltsamerweise nicht für das Gericht transkribiert wurde und das Datum, an dem das LG- Handy von den ermittelnden Behörden beschlagnahmt wurde, stellt die Authentizität der Audiodatei in Frage (dies ist Gegenstand eines anderen Gerichtsverfahrens gegen zwei ermittelnde Polizisten wegen Fälschung von Beweisen). Dies wiederum lässt Zweifel an der Argumentation der Verteidigung aufkommen, dass die Audiodatei darauf hindeute, dass es weitere Drohungen gegen Berta Cáceres gegeben habe, die von den Behörden nicht verfolgt worden sei. 

Sonntag, 20. Juni 2021

Gerichtsprozess gegen David Castillo, mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres

 Tag 43 [19. Juni 2021]

Die wichtigsten Punkte des Tages 

In einer kurzen Anhörung heute warf Castillos Verteidigungsteam ein Problem mit dem Akkreditierungsprozess des technischen Beraters der Staatsanwaltschaft auf, der zur Unterstützung bei der Befragung des Datenextraktionsexperten der Verteidigung, Jonathan Murillo, hinzugezogen wurde. Das Gericht entschied, dass dem Berater die Teilnahme gestattet wird, nachdem seine Berechtigungsnachweise vom Gericht überprüft wurden. Der Experte der Verteidigung wird am Montag um 9 Uhr im Zeugenstand fortgesetzt. 

https://www.aquiabajo.com/blog/2021/6/19/day-forty-three-trial-against-david-castillo