Samstag, 21. Dezember 2019

Zeuge und Anwalt von mutmaßlichem Drogenhändler ermordet

Thomas Raabe in amerika21
Sollen Partner im Drogengeschäft gewesen sein: Der ermordete Nery López Sanabria (links) und Präsidentenbruder Tony Hernández (Kollage)
Choluteca. Im Departamento Choluteca ist am vergangenen Freitag Pedro Ildefonso Armas, ehemaliger Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses El Pozo in Honduras, von Unbekannten in seinem Auto erschossen worden. Laut der Zeitung La Prensa hat Armas bei den Behörden Schutz beantragt, da er Todesdrohungen erhalten habe.



Armas war vor sechs Wochen nach der Ermordung des in El Pozo inhaftierten Nery López Sanabria alias Magdaleno Meza, mutmaßlicher Drogenhändler, von seiner Arbeit suspendiert worden. Der Mord an López wurde von einer Überwachungskamera aufgenommen. In dem Video, das kurz danach veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie ein maskierter Wärter eine Tür öffnet und Mithäftlinge sofort auf López schießen und mit Messern auf ihn einstechen. Armas habe an diesem Tag mit López gesprochen.

López Sanabria alias Magdaleno Meza war Autor der Notizbücher, die im New Yorker Prozess gegen den verurteilten Drogenhändler Juan Antonio "Tony" Hernández, Bruder des amtierenden Präsidenten Juan Orlando Hernández, als Beweismittel hinzugezogen wurden. Präsident Hernández tat alle Vorwürfe, die in dem Prozess verlautbart wurden, als falsch, absurd und lächerlich ab.

Gegenüber Radio Progreso äußert der Anwalt des ermordeten López, Carlos Chajtur, es laufe alles darauf hinaus, dass die Behörden nicht ermitteln. Weder die Generalstaatsanwaltschaft noch das Innenministerium habe die Anwälte kontaktiert, um sie über die Ermittlungen zu informieren bzw. sie zu befragen, sodass das Anwaltsteam helfen könne. "Die USA würden jederzeit Auslieferungen beantragen, weil Magdaleno Meza den US-Anwälten und den Behörden Informationen zukommen ließ", so Chajtur weiter.

Bereits vor einer Woche, am 9. Dezember, ist José Luis Pinto, ein weiterer Anwalt von López, von Unbekannten erschossen worden. Der Mord an Pinto ereignete sich wenige Tage nach der Veröffentlichung von Tonmitschnitten, in denen López sich zu einer Zusammenarbeit mit der US-Drogenbehörde bereit erklärte und zu den Verbindungen des Drogenhändlers Tony Hernández aussagen wolle. Die honduranische Anwaltskammer bat seit Ende Oktober 2019 bei den staatlichen Stellen um Schutz für das gesamte Anwaltsteam.

Am 17. Januar 2020 wird in New York das Strafmaß gegen Tony Hernández festgelegt.