Donnerstag, 9. August 2012

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 15

COPINH trauert um seinen Taxifahrer und Freund Don Piro
Foto © NK
La Esperanza-Intibucá. Das strenge, um Jahre gealterte, wächserne Gesicht, das da im Fenster des Sarges zu sehen ist, hat nichts mehr mit dem fröhlichen Lachen von „Don Piro” zu tun, das uns noch vor ein paar Tagen entgegenstrahlte. Wir waren im Büro von COPINH, dem „Zivile Rat der Volks- und indigenen Organisationen von Honduras“ (COPINH) und es war spät geworden über den tausend Dingen, die noch zu besprechen waren für eine Reise in das abgelegene Urwaldgebiet der Moskitia. Spät ist es in der Stadt La Esperanza schon, sobald gegen 18 Uhr die Dunkelheit anbricht und alle Geschäfte Rollläden und Gittertüren fest verschlossen haben. Und entsprechend schwierig, hier um 19 Uhr noch einen Taxifahrer aufzutreiben, der bereit ist, uns über einen Feldweg zum außerhalb gelegenen COPINH-Schulungszentrum „Utopía“ zu bringen. An diesem Abend - wie an vielen - war „Don Piro“ zur Stelle. Weniger ehrwürdiger Don (Herr) als gut gelaunter und stets zu einem Scherz aufgelegter, jungenhafter Kumpel. Da sein Taxi gerade kaputt war, hatte er einen Freund mit dessen Privatauto angeheuert und wir waren erleichtert von einem „taxista de confianza“, einem Taxifahrer des Vertrauens, sicher nach „Utopía“ gebracht zu werden.

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 14

Abenteuer Moskitia: Ein Voelkertreffen zwischen Lagune und Meer

Die Anreise zum Treffen der indigenen Gemeinschaften in der Moskitia (siehe auch Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 13 ) war ein Abenteuer für sich: erst ging es auf den Ladeflächen von Pick Ups über Rumpelstraßen, dann ueber Sandstrände, dann ueber Flussbetten via Schaukelfloß. In Batalla kommen schließlich die Vertreter der Tolupan, Pech, Maya Chortí, Garífuna, Lenca und Miskitu zusammen. Auf einmal wird nicht mehr (nur) Spanisch gesprochen. Mit etwa 35 Honduranern unterschiedlicher Muttersprache steigen wir in ein Boot, das uns mit wunderschönen Wasserpflanzen beschmückte Flusskanäle und Lagunen steuert - Mensch und Gepäck in Plastik verpackt, um nicht ganz durchnässt am direkt am Atlantik gelegenen Zielort Belén anzukommen.

Indigene in Honduras fordern ihre Rechte ein

Vertreter indigener Organisationen versammeln sich zur Koordination ihrer Arbeit. Organisierung gegen Landraub und Megaprojekte

Belén, Honduras. Rund 40 Vertreter von sechs indigenen Volksgruppen aus allen Regionen in Honduras haben sich im Regenwaldgebiet La Moskitia versammelt, um die Situation der indigenen Gemeinden zu analysieren. Während des dreitägigen Workshops stellten die Delegierten die Probleme ihrer Gemeinden vor und arbeiteten gemeinsame Handlungsmöglichkeiten aus.

 

Mittwoch, 8. August 2012

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 13


Wo angeblich keine Menschen wohnen

„Wir würden gerne wissen, warum sie sagen, dass hier niemand wohnt, wenn hier doch Garífuna leben“, sagt Fany Solorzano von OFRANEH. Sie – das sind die Befürworter der Sonderentwicklungszone (RED) oder Charter-Stadt, die sich von Trujillo bis zum Río Sico erstrecken soll. Alleine zehn Garífuna-Gemeinden liegen entlang der Küste in dem als Sonderentwicklungszone (RED) ausgewiesenen Gebiet zwischen Trujillo und dem Río Sico. „Vielleicht liegt es daran, dass es hier unberührte Natur, Meer, Flüsse und Lagunen, also einen großen Reichtum gibt“, meint Solorzano weiter. Da die Sonderentwicklungszone autonom, quasi ein Staat im Staat sein soll, könnte sie von den verschiedenen Naturgütern profitieren. Auf unserer Reise zum Treffen der indigenen Gemeinschaften von Honduras in der Moskitia bekommen wir diesen natürlichen Reichtum Etappe für Etappe zu Gesicht und können uns davon überzeugen, dass die nordöstliche Küstenregion sehr wohl bewohnt ist.

Radio Waruguma in Trujillo (C) KB

Montag, 30. Juli 2012

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 12

Zwei Kugeln und acht Haftbefehle

Freitag, 27. Juli, La Esperanza. Kurz nach sechs Uhr morgens steht der Geländewagen der Menschenrechtsorganisation COPINH vor der Einfahrt, es geht in Richtung El Progreso, wo Melissa Cardoso nachmittags ihr neues Buch präsentiert. Schlaftrunken schlichten wir uns zu siebt in das Gefährt; warum es so früh los geht, weiß noch keiner genau. Auf halber Wegstrecke wird ein Treffpunkt mit „Chefin" Berta Cáceres vereinbart und es klärt sich, was via Telefon nicht preisgegeben werden wollte:
Am Programm steht ein Zwischenstopp in der indigenen Lenca-Gemeinde La Cuchilla im Departement Sta. Barbara. Der Ort präsentiert sich als Landschaft - Maisfelder wölben sich über die sanfte Bergkuppen, die ineinander verwoben bis zum Horizont reichen. In das Idyll hat sich allerdings Angst und Bedrohung eingeschlichen: vier Personen reklamieren seit einiger Zeit das gesamte Territorium, das bislang rund 80 Familien bewirtschaftet haben, für sich allein. Sie drohen den anderen mit Räumung und dass sie schon bald etliche Dutzend Rinder eines Drogenbarons auf ihre Maisfelder treiben würden.
Wir stoppen für ein dringendes Beratungstreffen in der indigenen Gemeinde La Cuchilla. (C) NK

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 11

Eine seltsame Versammlung

Der Lenca Walldfahrtsort "La Gruta" soll zubetoniert und als Tourismusziel vermarktet werden. (C) NK

In La Esperanza treffen sich GegnerInnen und BefürworterInnen des Tourismusprojektes „La Gruta" zur Gemeindeversammlung. Die UNESCO hat sich offensichtlich inzwischen aus dem umstrittenen Umbau des traditionellen heiligen Hains der Lenca und der bekannten Wallfahrtstätte auf einem Hügel über der Stadt zurückgezogen, die honduranischen Behörden haben einen Baustopp verhängt.

Sonntag, 29. Juli 2012

Von der JournalistInnen-Delegation 2012 - Bericht 10

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Bohrmaschinen statt Wildvögel – Bau des touristischen Großprojekts „Los Micos“ schreitet voran


Unser Blick schweift über die weite trockene Sandebene, die von zahlreichen Hügeln durchzogen wird. Hier und da gibt es noch kleine Pfützen, in denen vertrocknete Bäume stehen. Der üppige Wald am Horizont lässt erahnen, wie es hier einmal ausgesehen haben könnte. Doch der für Tropenwälder typische Mix aus Insekten- und Vögelrufen wird hier von Sägen, Bohrern und Betonmischern übertönt. Die Bauarbeiten für das Großtourismusprojekt „Los Micos Beach and Golf Ressort“ sind bereits in vollem Gange und mittlerweile ist es schwer vorstellbar, dass der trockene Boden, auf dem wir stehen, einmal ein geschütztes Sumpfgebiet war. Nur vereinzelt verirren sich noch Wildvögel und Eidechsen hierher, Baufahrzeuge und Menschen in roten Sicherheitswesten dominieren das Bild. Zahlreiche Schilder mit Aufschriften wie „Hotel Boutique“, „Beach Club“ oder „Golf Bar“ lassen erahnen, was aus den Stahlträgern und Sandhügeln werden soll: Sie zeigen einen 18-löchrigen Golfplatz und luxuriöse Gebäude, die von Menschen mit auffallend heller Haut genutzt werden.


Freitag, 27. Juli 2012

Eilaktion von OFRANEH gegen Cuidades modelos


Link zur Petition auf Englisch zum Onlineunterzeichen

Ein Hintergrundartikel zur Problematik der geplanten Ciudades modelos findet sich auf Amerika21.de

Version der Petition auf Deutsch:

Oscar Fernando Chinchilla,
Präsident der Verfassungskammer
des Obersten Gerichtshofes

Sehr geehrter Herr Richter Chinchilla,

angesichts der laufenden Gerichtsentscheidung des Obersten Gerichtshofes über den Einspruch gegen das Gesetzdekret N°4-283-2010 aus Gründen der Verfassungswidrigkeit und die Verfassungsreformen der Republik, die die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen (Regiones Especiales de Desarollo - RED) erlauben, möchten wir unsere Sorge über die möglichen drohenden Konsequenzen - den Machtverlust der Legislative und den Verlust der territorialen Souveränität - ausdrücken.

Öffentlichen Nachrichten zufolge wird eine Sonderwirtschaftszone an der nord-östlichen Küste eingerichtet, auf dem Land, das den Garifuna und Miskita zugeschrieben wurde, was einen Verstoß gegen die kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und Menschenrechte bedeutet. Die internationale Gesetzgebung und der legale Rahmen der territorialen Rechte der indigenen Bevölkerung - eingeschlossen eine Anzahl von Maßnahmen, die von der honduranischen Regierung unterzeichnet wurden – bekräftigen diese Rechte. Gemäß der Normenhierarchie ist ihre Anwendung vorrangig und obligatorisch.

Es ist international bekannt, dass die Staatsanwaltschaft vor der Verfassungswidrigkeit der Dekrete über die Sonderwirtschaftszonen warnt und dass die Legislative Druck auf den Obersten Gerichtshof ausübt, die Unabhängigkeit der Justiz in Frage stellt und einen besorgniserregenden Verstoß gegen die Regierungsinstitutionen des Landes feststellt hat.

Wir hoffen, dass der Oberste Gerichtshof von Honduras die Wichtigkeit seiner Unabhängigkeit wertschätzt, die Souveränität verteidigt und das Dekret No. 283-2010 für verfassungswidrig erklärt.

Hochachtungsvoll,

Donnerstag, 26. Juli 2012

onda-info 289

Zur Zeit befindet sich eine Delegation von JournalistInnen in Honduras, um die Arbeit alternativer Medien zu unterstützen. Bei einem Seminar in Tegucigalpa traf die Delegation mit honduranischen Kolleginnen und Kollegen und Menschenrechtsverteidigerinnen zusammen. Wie es um Pressefreiheit und Menschenrechte in Honduras bestellt ist, darüber geht es in unserem ersten Beitrag.

Beitrag Anhören

Mobilisierung gegen"Charter-Städte" in Honduras

Tegucigalpa. In Honduras haben indigene Organisationen und soziale Bewegungen Aktionen gegen sogenannte Charter-Städte begonnen, mit denen die Regierung des Landes Sonderwirtschaftszonen schaffen will. So hat die Organisation der Gemeinden der Garifuna-Volksgruppen (OFRANEH) mit einer landesweite Unterschriftenkampagne begonnen. Damit soll erreicht werden, dass der Oberste Gerichtshof sich mit einem bereits im Januar 2011 verabschiedeten Dekret befasst und es für verfassungswidrig erklärt. Die Aktion wird von sozialen Bewegungen und Abgeordneten unterstützt. Charter-Städte sind Sonderwirtschaftszonen mit dem Charakter eines Stadtstaates.
Ein im Oktober des vergangenen Jahres verabschiedetes Verfassungsstatut hatte Ausländern in Honduras die Möglichkeit eingeräumt, in den Sonderwirtschaftszonen (Regiones Especiales de Desarollo, RED) Landbesitz zu erwerben. Die Wirtschaftszonen mit eigener Verwaltung, eigenem Haushaltsplan und eigener Gesetzgebung sollen autonom handeln können und dürften den Plänen nach sogar eigene Steuern erheben. Die nationale Regierung soll weder Abgaben etablieren noch einfordern dürfen.