Es ist ungewöhnlich, dass Rechts- und
Staatsanwälte sich zu einer Organisation zusammenschließen, die
sich die Verteidigung der Landrechte zum Ziel gesetzt hat.
Ungewöhnlich ist auch die Entstehungsgeschichte der Gruppierung MADJ
("Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit"): Im Jahr 2008 hatten sich 60
Staatsanwälte zu einem öffentlichen Hungerstreik gegen die
Korruption zusammengefunden. Der Streik markierte einen Neubeginn der
sozialen Bewegungen in Honduras und zog die Gründung der Breiten
Bewegung für Würde und Gerechtigkeit, der MADJ, nach sich. Die
Organisation arbeitet heute in 28 Landkreisen der nördlichen
Departamentos und unterstützt unter anderem Gemeinden, die sich
gegen Minenkonzerne, Staudammprojekte und Großgrundbesitzer zur Wehr
setzen um ihre Landrechte zu verteidigen.
Freitag, 22. November 2013
Zwischen Angst und Hoffnung
In Honduras versuchen die traditionellen Eliten mit allen Mitteln, einen Wahlsieg der Linken zu verhindern
erschienen in analyse&kritik Nr. 588, von Johannes Schwäbl
Am 24. November finden in Honduras Präsidentschaftswahlen statt. Das kleine mittelamerikanische Land befindet sich seit dem zivil-militärischen Putsch im Juni 2009 in einer tiefen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Krise. Demokratische Grundrechte wurden stückweise eingeschränkt, das Land zunehmend militarisiert und die staatliche Gewaltenteilung teilweise ausgehebelt.
erschienen in analyse&kritik Nr. 588, von Johannes Schwäbl
Am 24. November finden in Honduras Präsidentschaftswahlen statt. Das kleine mittelamerikanische Land befindet sich seit dem zivil-militärischen Putsch im Juni 2009 in einer tiefen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Krise. Demokratische Grundrechte wurden stückweise eingeschränkt, das Land zunehmend militarisiert und die staatliche Gewaltenteilung teilweise ausgehebelt.
Auf dem Weg zu einem Korridor des Todes
Jesuitenpater Ismael Moreno über die Entwicklung in Honduras seit dem Putsch 2009
Der Jesuitenpater Ismael Moreno ist seit 2001 Direktor des
regierungskritischen Senders Radio Progreso in Honduras. Moreno ist eine
wichtige Stimme der nach dem Putsch 2009 entstandenen
Widerstandsbewegung. Über die Chancen auf eine politische Veränderung
sprach mit ihm Jutta Blume.
Neues Deutschland 22.11.2013
Neues Deutschland 22.11.2013
Donnerstag, 21. November 2013
Reisebericht, sechster Teil: Kooperativen im Kampf um Landrechte
El Progreso. Wir besuchen
Magdalena Morales, die Generalsekretärin der CNTC. In der CNTC –
der Nationalen Gewerkschaft der Landarbeiter_innen – sind
Kleinbäuer_innen organisiert, die für das Recht auf Land kämpfen.
Viele Kleinbäuer_innen in der Region haben kein eigenes Land. Sie
arbeiten für Großgrundbesitzer oder in Fabriken, leben in prekären
Verhältnissen an Flussufern. Durch die CNTC konnten bereits 45
Kooperativen in der Region El Progreso gegründet werden. Jede
Kooperative wird von mehreren Familien verwaltet und auch das Land
wird gemeinsam bewirtschaftet. Magdalena gehört der Kooperative „La
Cosecha“ an, 30 Familien pflanzen hier Bohnen, Mais, Yucca und
Kochbananen, die Grundnahrungsmittel in Honduras.
Ernährungssicherheit ist ein wichtiges Thema. Die CNTC unterstützt
Kleinbäuer_innen auch mit Bildungsangeboten zu juristischen Themen
oder zur Finanzplanung. Magdalena erklärt uns, es ginge darum, durch Selbstorganisation der Leute der Armut zu entkommen. Sie selbst habe früher auch in einer
Fabrik gearbeitet, die billige Kleidung für den Export produzierte.
Reisebericht 5. Teil: Warum sich bisher niemand für Honduras interessierte
Der jesuitische Publizist Ismael Moreno
erläutert uns Wissenswertes über die honduranische Geschichte
In dem sehr gepflegten und weitläufigen
Areal der Jesuiten in der Stadt El Progreso ist Ismael Moreno,
bekannt als Padre Melo, die zentrale Figur. „Für was bin ich gut?“
fragt er in die Runde unserer Delegation. Wir wollen gern mit ihm
über seine Analyse des aktuellen politischen Panoramas sprechen. Als
Herausgeber der Zeitschrift Envío und Redakteur von Radio Progreso
ist er landesweit bekannt als eine der bestinformiertesten Stimmen
der Linken. Melo setzt jedoch völlig anders an: Dass hier Hunderte
von ausländischen Beobachter_innen kommen, um eine Wahl zu
verfolgen, hat es soweit er sich entsinnen kann in Honduras noch
nicht gegeben. Woran liegt das?
Dienstag, 19. November 2013
Reisebericht vierter Teil: 18. November
Santa Barbara. Mit
einer buntgemischten Gruppe internationaler Beobachter_innen stehen
wir heute im Innenhof des Justizgebäude von Santa Barbara. Wir
warten auf eine sogenannte „Versöhnungsverhandlung“. Schließlich
erscheinen der Anwalt der Angeklagten Berta Cáceres, sie selbst
taucht allerdings nicht auf. Wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen.
Berta
Cáceres ist die Generalkoordinatorin des COPINH, dem Zivilen Rat der
Basis und indigenen Organisationen von Honduras , in dem die
indigenen Gemeinden der Lenca organisiert sind. Die Organisation, die
1993 gegründet wurde, verteidigt die natürlichen Ressourcen der
Lenca gegen transnationale Großprojekte, zum Beispiel Staudämme und
Minen. Auch wenn dieser Kampf nie einfach war, haben sich die
Bedingungen nach dem Putsch 2009 deutlich verschlechtert.
Berta Cáceres auf einer Versammlung.
Foto: HondurasDelegation
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Montag, 18. November 2013
Reisebericht dritter Teil: 16. November
Rio Blanco
Seit sieben Monaten und
16 Tagen blockieren Gemeinden in der Region Rio Blanco das
Staudammprojekt Agua Zarca am Rio Gualcarque. Zu dem Projekt der
honduranischen Firma DESA und der chinesischen Sinohydro sind die
Anwohner_innen, die zur indigenen Gruppe der Lenca gehören, in
keinster Weise konsultiert worden, Gemeindeversammlungen, in der die
Mehrheit der Bevölkerung das Projekt abgelehnt hat, wurden von den
Firmen sowie vom Bürgermeister von Intibuca Martiniano Dominguez
Meza ignoriert, der die Konzession des Flusses an DESA unterschrieben
hat. Wir treffen rund 20 Mitglieder der anliegenden Gemeinde La
Tejera an der Straßensperre, die den Zugang zur Baustelle versperrt.
Der Platz liegt unter einer großen Eiche und wird einfach nur „El
Roble“genannt. Bis vor kurzem haben die Leute hier Tag und Nacht
campiert, seit sich Sinohydro vorübergehend aus dem Projekt
zurückgezogen hat, kommen sie nur noch tagsüber zu Versammlungen
her. Trotzdem bleibt die Repression gegen die Gemeindemitglieder und
Mitglieder der Indigenenorganisation COPINH bestehen, wie Übergriffe
der Polizei und des Militärs auf die Gemeinde am 1. November (siehe Eilaktion), sowie die Kriminalisierung der Koordinator_innen von
COPINH, Berta Cáceres, Tomas Gómez und Aureliano Molina deutlich
machen. Rio Blanco hat sich zu einem Symbol des Widerstands gegen
Staudämme auf dem Territorium der Lenca entwickelt, an denen sich
andere Gemeinden wie La Cuchilla, Intibucá ein Beispiel nehmen. Im
Municipio Opalaca wurde ein Staudamm bereits verhindert.
| Foto: HondurasDelegation |
Sonntag, 17. November 2013
Reisebericht zweiter Teil: 15. November
Unterwegs in Intibucá
Die Bewohner_innen der Gemeinden San Marcos und Barrio Nuevo im Departamento Intibucá sprechen sich deutlich gegen Staudammprojekte auf ihrem Gemeindegebiet aus. Die Bauvorhaben werden von den örtlichen Bürgermeistern und dem Unternehmen Hidrosierra vorangetrieben. Doch die Bewohner der Gemeinden sind entschlossen ihr Land zu verteidigen. Kein Einzelfall in Honduras.
Die Bewohner_innen der Gemeinden San Marcos und Barrio Nuevo im Departamento Intibucá sprechen sich deutlich gegen Staudammprojekte auf ihrem Gemeindegebiet aus. Die Bauvorhaben werden von den örtlichen Bürgermeistern und dem Unternehmen Hidrosierra vorangetrieben. Doch die Bewohner der Gemeinden sind entschlossen ihr Land zu verteidigen. Kein Einzelfall in Honduras.
La Esperanza. 6 Jahre ist es
her, als zum ersten mal Arbeiter_innen kamen, um die Flüsse San Juan und
Rio Negro zu vermessen, berichten Bewohner_innen der Gemeinde Barrio Nuevo,
ein Hinweis, dass konkrete Staudammprojekte schon damals in Planung
gewesen seien. Weit kamen die Vermessungsarbeiten allerdings nicht.
Die Bewohner_innen verhinderten die Vermessung ihres Gebietes, in dem sie
den Arbeiter_innen folgten und die Messgeräte wieder entfernten. Auch
weitere Versuche des Vordringens in ihr Gebiet wurden sabotiert.
Samstag, 16. November 2013
Öffentliche Klarstellung zur Entführung von zwei MenschenrechtsbeobachterInnen von PROAH in der Gemeinde La Nueva Esperanza
übersetzung von tortilladigital
Text auf spanisch von PROAH
Wir zeigen uns höchst besorgt über die Aussagen von staatlichen VertreterInnen und weiteren Gästen der Fernsehsendung „Frente a Frente“am 5. und 12 November 2013 hinsichtlich der Entführung zweier MenschenrechtsbeobachterInnen des „Proyecto de Acompañamiento Internacional en Honduras“ (PROAH) am 25. Juli 2013.
PROAH begann seine Arbeit in Honduras im September 2010 angesichts der Bedrohungssituation gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen nach dem Staatsstreich im Juni 2009. PROAH bietet seitdem internationale Begleitung für einzelne MenschenrechtsverteidigerInnen, soziale Bewegungen und Menschenrechtsorganisationen, welche aufgrund ihrer Arbeit für die individuellen oder kollektiven Menschenrechte bedroht und verfolgt werden. Es handelt sich um ein Projekt der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Friendship Office of the Americas.
Text auf spanisch von PROAH
Wir zeigen uns höchst besorgt über die Aussagen von staatlichen VertreterInnen und weiteren Gästen der Fernsehsendung „Frente a Frente“am 5. und 12 November 2013 hinsichtlich der Entführung zweier MenschenrechtsbeobachterInnen des „Proyecto de Acompañamiento Internacional en Honduras“ (PROAH) am 25. Juli 2013.
PROAH begann seine Arbeit in Honduras im September 2010 angesichts der Bedrohungssituation gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen nach dem Staatsstreich im Juni 2009. PROAH bietet seitdem internationale Begleitung für einzelne MenschenrechtsverteidigerInnen, soziale Bewegungen und Menschenrechtsorganisationen, welche aufgrund ihrer Arbeit für die individuellen oder kollektiven Menschenrechte bedroht und verfolgt werden. Es handelt sich um ein Projekt der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation Friendship Office of the Americas.
Bericht der Menschenrechtsdelegation in Honduras, 1. Teil: Sonntag, 10. bis Mittwoch 13. November
Ankunft in Tegucigalpa
Die Stadt ist noch immer laut und
voller Autos, allerdings scheint das Ausmaß des Dauerstaus gewachsen
zu sein. Der Taxifahrer schimpft über die Baustelle für die
Metrobuslinie, nicht nur über die Baustelle, sondern auch über das
Projekt an sich, schließlich kostet es auf jeder Straßenseite eine
Autospur.
An allen Straßen prangen großformatige
Wahlplakate, vor allem die Nationalpartei sticht mit ihrem
Präsidentschaftskandidaten Juan Orlando Hernandez sofort ins Auge.
Am 24. November sollen Parlament, Präsident und
KommunalvertreterInnen neu gewählt werden - und kaum jemand redet
über etwas anderes. Die Gewissheit, dass das erstarrte
Zweiparteiensystem aufgebrochen wird misch sich mit der Angst, dass
wie nach dem Staatsstreich 2009 wieder der Ausnahmezustand eintreten
könnte.
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