Angehörige der ermordeten Aktivistin fordern Aufklärung über
Auftraggeber. Rückzug europäischer Entwicklungsbanken aus
Wasserkraftprojekt steht aus
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| COPINH-Protest vor dem Gerichtsgebäude bei der
Vorverhandlung am 7. Juni in Honduras. Sie fordern die Ermittlung und
Bestrafung der Auftraggeber des Mordes an Berta Cáceres Quelle:
COPINH
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Tegucigalpa. In Honduras steht die
Hauptverhandlung gegen vier der acht wegen Mordes an der
Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres Beschuldigten
unmittelbar vor der Eröffnung.
Teil der Anklage ist auch der versuchte Mord an dem mexikanischen
Aktivisten Gustavo Castro, der sich in der Tatnacht im Haus von Cáceres
befand und das Attentat überlebte.
Ein honduranisches Gericht beschloss die lange erwartete Eröffnung des Verfahrens am vergangenen Dienstag.
Cáceres war Generalkoordinatorin des Zivilen Rates der indigenen und
Basisorganisationen Honduras (COPINH) und wehrte sich gemeinsam mit den
indigenen Gemeinden gegen den Bau des Wasserkraftwerks Agua Zarca, mit
das Unternehmen Desarrollos Energéticos S.A. (Desa) im Jahr 2011
begonnen hat. Sie wurde am 2. März 2016 erschossen. Castro, ein
mexikanischer Umweltaktivist, befand sich in der Mordnacht ebenfalls im
Haus von Cáceres und wurde von drei Kugeln getroffen.
Die Verteidiger von Douglas Bustillo, Militär a.D. und ehemaliger
Desa-Sicherheitschef, Mariano Díaz, zum Tatzeitpunkt Major der
honduranischen Armee, Sergio Rodríguez, Manager der Desa für Soziales
und Umweltfragen, und Elvin Heriberto Rápalo, dem mutmaßlichen
Auftragskiller, hatten am 8. Juni bei einer Vorverhandlung auf
Einstellung des Verfahrens plädiert. Anwälte von Familienangehörigem von
Caceres und ihrer Organisation COPINH beantragten vergeblich, dass
gegen Bustillo, Díaz und Rodríguez zusätzlich Anklage wegen Bildung
einer kriminellen Vereinigung erhoben wird.
Medienberichten zufolge vertritt die Staatsanwaltschaft die These,
die drei Beschuldigten hätten seit Januar 2016 eigenständig ein Komplott
gegen die Lenca-Aktivistin und bekannte Menschenrechts-verteidigerin
ausgeheckt und dafür Auftragsmörder angeheuert.
Die Anwälte der Nebenklage
gehen hingegen davon aus,
dass es übergeordnete Auftraggeber für den Mord gab. Sie seien die bei
den einflussreichen Anteilseignern der Desa zu suchen, die wiederum
Verbindungen in höchste Staatskreise haben. Die Nebenklage will
Beweismittel und Zeugenaussagen in die Verhandlung einbringen, die
belegen, dass bereits seit 2013 unter Beteiligung der Desa und
staatlicher Sicherheitskräfte eine kriminelle Struktur aufgebaut wurde,
um Gegner des Wasserkraftprojektes Agua Zarca in den indigenen Gemeinden
der Region Rio Blanco zu terrorisieren und die COPINH zu zerschlagen.
Desa ist immer noch Vertragspartnerin des Heidenheimer Turbinenbauers
Voith Hydro, einem Siemens-Joint-Venture, sowie der europäischen
Entwicklungsbanken FMO (Niederlande) und Finnfunds (Finnland). Beide
Kreditinstitute kündigen seit über einem Jahr ihren endgültigen Ausstieg
aus dem Projekt Agua Zarca an, haben diesen Schritt bisher aber nicht
vollzogen.
Derzeit steht noch die Vorverhandlung gegen vier weitere Beschuldigte
in dem Mordfall aus: die Zwillingsbrüder Edilson und Emerson Duarte
sowie Henry Javier Hernández Rodríguez und Óscar Aroldo Torres.
Hernández Rodríguez war im Januar 2017 im Norden Mexikos verhaftet
worden.
Der US-amerikanische Journalist John Gibler
berichtete am
15. Juni 2017 im Magazin der Umweltorganisation "Sierra Club",
Hernández sei früher Scharfschütze bei einer Spezialtruppe der Armee
unter dem Kommando von Major Díaz in der Konfliktregion Bajo Aguán
gewesen. Danach habe er für den privaten Sicherheitsdienst des
Palmölkonzerns Dinant, ebenfalls im Bajo Aguán, gearbeitet. Hernández
Rodríguez habe als einziger der Beschuldigten seine Beteiligung an dem
Mord zugegeben. Gibler schreibt, er habe Zugang zur Tonaufnahme der
Vernehmung gehabt, in der dieser über seine Erfahrung mit derlei
Aufträgen und seine Verwicklung in einen weiteren Auftragsmord spreche.
Er sei im Januar und Februar 2016 für die Vorbereitungen der Ermordung
von Cáceres zusammen mit Bustillo in der Stadt La Esperanza gewesen.
Laut Gibler war Hernández in der Nacht des 2. März 2016 am Tatort.
Seine Beschreibung des Tatherganges stimme mit den gefundenen Spuren und
der Zeugenaussage Castros überein. Er habe ferner die Decknamen von
Rápalo Orellana und Torres Velásquez Verantwortliche für die Schüsse auf
Berta Cáceres und Gustavo Castro genannt. Es gebe zudem
Telefonaufzeichnungen eines Gesprächs zwischen Hernández und seinem
ehemaligen Vorgesetzten Major Díaz, in dem die beiden über die Logistik
des Attentats diskutierten. Auf die Frage der Ermittler, wer den Mord in
Auftrag gegeben habe, habe Hernández Rodríguez geantwortet: "Sie haben
nur gesagt, es sei ein Job, der schon begonnen hat und nun zu Ende
gebracht werden müsse."