Donnerstag, 25. Dezember 2025

Asfura in Honduras zum Sieger erklärt, Opposition erkennt Ergebnis nicht an

Der Wunschkandidat von Trump soll mit 40,27 Prozent gewonnen haben. US-Außenminister und rechte Regierungen des Kontinents gratulieren

Hat laut Wahlrat gewonnen 
und bekommt Glückwünsche aus konservativen Kreisen: 
Nasry Asfura von der Nationalen Partei
aus: amerika21.de v. 25.12.2025
von Thorben Austen 

Tegucigalpa. Der Consejo Nacional Electoral (Nationale Wahlrat) hat am Mittwoch den Kandidaten der Nationalen Partei, Nasry "Tito" Asfura, zum Sieger der Wahlen in Honduras erklärt. Das Ergebnis wurde mehr als drei Wochen nach den Wahlen bekannt gegeben, die am 30. November stattgefunden haben. Die Wahlräte Ana Paola Hall und Cossette López, die in dem Gremium die Liberale und die Nationale Partei vertreten, schrieben in einer Mitteilung am Heiligabend, Asfura liege 0,74 Prozent vor seinem engsten Konkurrenten Salvador Nasralla von der Liberalen Partei. Demnach erhielt Asfura 40,27 Prozent der Stimmen, Nasralla 39,53 Prozent und für Rixi Moncada von der Noch-Regierungspartei Libre entschieden sich 19,19 Prozent der Wähler.

Die Verkündung des Endergebnisses hatte sich mehrfach verzögert, zuletzt hatte der Wahlrat angegeben, noch einmal rund 15 Prozent der Stimmen nachzuzählen (amerika21 berichtete). Nach Angaben von CNN sei diese Nachzählung zwar noch nicht vollständig abgeschlossen, es seien aber "98,27 Prozent der Stimmzettel vollständig und korrekt ausgezählt", daher könne das Ergebnis verkündet werden. Die Entscheidung im dreiköpfigen Wahlrat wurde nur mit den Stimmen der Vertreter der Nationalen und der Liberalen Partei getroffen. Die Nationale Partei hatte zuletzt darauf gedrängt, ein Ergebnis noch "vor Weihnachten" zu verkünden (amerika21 berichtete).

Die Opposition erkennt das Ergebnis nicht an. Nasralla erklärte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, "Ich akzeptiere die heute, am 24. Dezember, vom Nationalen Wahlrat veröffentlichte Erklärung nicht." Er betonte außerdem, er sei nicht bereit, ein Ergebnis zu akzeptieren, das auf Auslassungen beruhe. "Dies trifft die Armen. Ich wollte das Land entwickeln und ihnen Chancen geben", sagte er. "Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit bringt mir keinen Frieden … Ich rufe nicht zu Unruhen oder Gewalt auf; ich rufe zu Gewissen, Respekt und der friedlichen Verteidigung der Wahl auf." 
Erkennt das Ergebnis nicht an und ruft zur Verteidigung der Wahlen auf: Salvador Nasralla (rechts im Bild) Quelle:@RumyNahypBueso

Luis Redondo, Präsident des Kongresses und Mitglied der Partei Libre, wies die Erklärung ebenfalls zurück, sie habe aus seiner Sicht "keine Rechtsgrundlage". Redondo überlege nach Presseangaben, zu versuchen, den Kongress dazu zu bewegen, von seinem verfassungsmäßigen Recht – gemäß Artikel 205 Absatz sieben – Gebrauch zu machen und eine Neuauszählung durchzuführen.

Hall widersprach als Vorsitzende des Wahlrates jedoch diesen Vorwürfen. "Niemand im Nationalen Wahlrat (CNE) 'wählt' den Präsidenten der Republik; es ist das Volk, das entscheidet, und der CNE bestätigt lediglich das Ergebnis." Der Wahlrat war jedoch vor und nach den Wahlen mehrmals in die Kritik geraten, so waren Audios veröffentlicht worden, in denen Mitglieder des Wahlrates über Möglichkeiten der Manipulation der Wahlen gesprochen haben sollen (amerika21 berichtete).

Aus den USA gratulierte umgehend Außenminister Marco Rubio. Auch der wegen Drogenhandel in den USA inhaftierte und von Donald Trump kurz vor der Wahl begnadigte Ex-Präsident Juan Orlando Hernández schrieb auf X "Das honduranische Volk hat sich am 30. November laut und deutlich geäußert. Heute gratulieren wir dem gewählten Präsidenten @titoasfura @Papialaordenh, den gewählten Abgeordneten und Bürgermeistern sowie der Nationalpartei von Honduras zu diesem demokratischen Sieg." Die rechten Regierungen Argentiniens, Boliviens, Costa Ricas, Ecuadors, Panamas, Paraguays, Perus und der Dominikanischen Republik erkannten in einer gemeinsamen Erklärung die Entscheidung des Wahlrates an und riefen zur Zusammenarbeit mit der neuen Regierung auf. Auch die sozialdemokratisch orientierte Regierung Guatemalas gratulierte noch am Mittwoch.

Die Wahlen waren von einer massiven Einmischung seitens der USA überschattet worden. Wenige Tage vor den Wahlen hatte US-Präsident Trump zur Wahl von Asfura aufgerufen und angekündigt, Finanzhilfen nur im Falle seines Wahlsieges bereitzustellen. Aus Reihen der Partei Libre wurde außerdem darauf hingewiesen, dass "Millionen Menschen in Honduras" vor den Wahlen WhatsApp-Nachrichten erhalten hätten, in denen angedroht wurde, dass im Falle eines Wahlsieges der Partei Libre die Remesas, die Geldüberweisungen von Migranten nach Hause, nicht mehr ins Land kämen. Diese Überweisungen machen rund 26 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Honduras aus.


Mittwoch, 24. Dezember 2025

Honduras: Drohen erneut Angriffe krimineller Gruppen im Aguán-Tal?


amerika21.de, v. 22.12.2025
von Anna Rösch


Die Agrarplattform klärt in den sozialen Netzwerken über die Angriffe 
der Cachos vom 8. Dezember auf
Tocoa. Die Agrarplattform, ein honduranisches Netzwerk von bäuerlichen Organisationen, warnt vor einer Gewalteskalation im Aguán-Tal über die Weihnachtsfeiertage. Dort kam es vor einem Jahr zu tödlichen Angriffen gegen Mitglieder kleinbäuerlicher Kooperativen und zur gewaltsamen Vertreibung von 150 Familien aus der Siedlung Camarones.

Am 8. Dezember sollten über 1.000 Polizist:innen per Gerichtsbeschluss gegen die kriminelle Organisation Los Cachos vorgehen. Diese Bande kontrolliert und terrorisiert seit Jahren große Gebiete der vom Ölpalmanbau geprägten Region und wird für einen Großteil der Morde und Vertreibungen verantwortlich gemacht (amerika21 berichtete).

Am selben Tag teilte die Polizei den Vertriebenen aus Camarones mit, dass sie auf ihre Grundstücke zurückkehren könnten. Die Vertriebenen machten sich daraufhin auf den Weg nach Camarones. Dort hatten die Einsatzkräfte tatsächlich eine Farm geräumt, unternahmen aber nichts, als Hunderte Angreifer:innen mit Steinen und Macheten auf die Rückkehrer:innen und ihre Unterstützer:innen aus den Nachbarkooperativen El Tranvio und El Chile losgingen.

Mindestens 20 Menschen wurden bei den Angriffen auf der Staatsstraße CA-13 teils schwer verletzt, während die Polizei sich offenbar darauf beschränkte, das nahegelegene Betriebsgebäude des Palmölunternehmens Dinant zu sichern. Eine Rückkehr nach Camarones war für die Vertriebenen nicht möglich. Sie fanden einstweilen in der Kooperative El Tranvio provisorisch Unterschlupf.

Die Agrarplattform dokumentiert seither Berichte darüber, dass die Cachos sich neu formieren und zusätzliche bewaffnete Männer angeworben haben. Nach Auffassung der Agrarplattform steht die Bande in enger Verbindung mit großen Palmölunternehmen wie Dinant.

Die bäuerlichen Kooperativen beanspruchen Ländereien aus der honduranischen Agrarreform, die sich Dinant und andere im Zuge der Privatisierungswelle der 1990er Jahre angeeignet haben. Im Zusammenhang mit diesem Landkonflikt wurden allein von Januar bis August 2025 elf Kleinbäuer:innen ermordet (amerika21 berichtete).

In der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember kam nun mutmaßlich ein weiterer Todesfall hinzu. Nach Informationen der Agrarplattform wurde der 22-jährige Roger Alexis Castillo Fuentes, Mitglied der Kooperative Camarones, von einem Killer der Cachos erschossen. Ein Polizeisprecher behauptete hingegen, es habe sich nur um einen Streit zwischen Betrunkenen gehandelt, der tödlich endete.

Die Agrarplattform richtete einen Appell an die Behörden, die Cachos, gegen die mindestens 15 Haftbefehle vorliegen, endlich zu neutralisieren. Weiterhin verlangt sie eine sichere Rückkehr für die vertriebenen Familien und einen effektiven Schutz für die bäuerlichen Kooperativen.

Samstag, 20. Dezember 2025

Honduras nach den Wahlen: Straßenkämpfe und Putschgerüchte


aus: amerika21, v. 20.12.2025
von Anna Rösch

In Honduras herrscht zur Zeit Chaos.
Wie wird es weiter gehen?


Tegucigalpa. Auch knapp drei Wochen nach den Wahlen hält in Honduras die Unsicherheit darüber an, wer das nächste Staatsoberhaupt des Landes sein wird. Derzeit läuft eine manuelle Nachzählung von rund 2.800 Wahlprotokollen. In der Zwischenzeit heizt sich die Stimmung immer stärker auf. Am Mittwoch kam es bei Zusammenstößen zwischen Anhänger:innen der linken Noch-Regierungspartei Libre und der von US-Präsident Donald Trump favorisierten rechten Nationalen Partei zu mindestens 20 Verletzten auf beiden Seiten. Die Polizei schritt gewaltsam ein und verschoss Tränengasgranaten.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Kein Wahlsieger in Honduras, Teilnachzählung geplant

Von Donald Trump unterstützter Kandidat führt. Betrugsvorwürfe der Liberalen Partei und von Libre. Sprachnachrichten verstärken Manipulationsvorwürfe

Sonntag, 7. Dezember 2025

Trumps Kandidat liegt bei Wahlen in Honduras wieder vorn

 Von  amerika21

Liegt aktuell hinter Nasry Asfura von der Nationalen Partei, ist aber weiter Siegesgewiss: Salvador Nasralla von der Liberalen Partei

Tegucigalpa. Auch eine Woche nach den Wahlen steht in Honduras der Sieger noch immer nicht fest. Nach den letzten vom Wahlrat CNE am Freitag veröffentlichten Zahlen, bei knapp 90 Prozent der ausgezählten Stimmen, liegt nun wieder der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Kandidat, Nasry Asfura von der Nationalen Partei mit 40,19 Prozent vorn. Sein Konkurrent Salvador Nasralla von der Liberalen Partei kommt auf 39,49 Prozent. Beide trennen rund 20.000 Stimmen. Noch am Mittwoch hatten bei der Auszählung Nasralla mit rund 14.000 Stimmen vorn gelegen.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Expräsident von Honduras nach Trumps Begnadigung frei

Juan Orlando Hernández verließ eine Haftanstalt in West Virginia. Er war in den USA wegen Waffen- und Drogenhandels zu 45 Jahren verurteilt

Dienstag, 2. Dezember 2025

Wahlen in Honduras: Asfura und Nasralla liegen gleichauf

 Von  amerika21

Sonntag, 30. November 2025

Honduras vor Richtungswahl ohne klaren Favoriten

Trump wirbt für rechten Kandidaten Tito Asfura. Kritik am Einfluss der USA. Zahlreiche Organisationen entsenden Wahlbeobachter

Samstag, 29. November 2025

Trump will verurteilten Expräsidenten von Honduras begnadigen

Juan Orlando Hernández ist in den USA wegen Drogen- und Waffenhandel verurteilt. Er erhielt 45 Jahre Haft. Trumps Ankündigung kommt kurz vor der Wahl in Honduras

Dienstag, 4. November 2025

Privatstadt Próspera senkt Klagesumme gegen Honduras um 85 Prozent


von Anna Rösch

Tegucigalpa. Próspera Inc. und zwei weitere Unternehmen der privat verwalteten Stadt Próspera auf der honduranischen Karibikinsel Roatán haben ihre Klage wegen entgangener Gewinne gegen den honduranischen Staat von 10,7 auf 1,6 Milliarden US-Dollar reduziert. Die Unternehmen hatten Honduras bei einem Schiedsgericht der Weltbank in Washington verklagt, nachdem der honduranische Kongress im April 2022 das Gesetz über die sogenannten "Zonen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung" (Zede) einstimmig annulliert hatte. Die Zedes sind als subnationale territoriale Einheiten mit einem eigenen rechtlichen und steuerlichen System konzipiert worden, die privat verwaltet werden.

Die Generalstaatsanwaltschaft (PGR) betont in einer Pressemitteilung, dass die Reduktion der Summe, die zwei Drittel des honduranischen Staatshaushalts ausgemacht hätte, den juristischen Argumenten des honduranischen Staates zuzuschreiben sei. Die Behörde zitiert auch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von Honduras vom 20. September 2024, der die Zede für verfassungswidrig erklärt hatte (amerika21 berichtete). Sie merkt zugleich an, dass Investitionen, die zuvor "in gutem Glauben" und im Rahmen der honduranischen Gesetze getätigt wurden, geschützt seien.

Die Generalstaatsanwaltschaft (PNG) informiert 
in einer Pressemitteilung über die Reduzierung 
der von ZEDE geforderten Summe

Próspera schreibt in einer Klarstellung zur Pressemitteilung der PGR, man strebe in erster Linie die Wiederherstellung aller Rechte gemäß dem Rechtsrahmen der Zede an, um das Projekt "wie zugesichert" weiterzuentwickeln. "Eine Entschädigung wird nur als Alternative angestrebt", so Próspera weiter. Sie sei "derzeit auf einen Betrag von 1,6 Milliarden US-Dollar beziffert – eine sehr konservative Zahl, die nicht den tatsächlichen Wert des Geschäftsplans widerspiegelt und je nach Entwicklung der Lage in Honduras noch geändert werden kann."

Beobachter:innen in Honduras erkennen in der Reduktion der Summe weniger eine starke Position des honduranischen Staates gegenüber den Unternehmen, die in den USA registriert sind. Es zeichne sich vielmehr eine Tendenz zu einem künftigen Deal mit denjenigen Zedes ab, die trotz ihrer offiziellen Abschaffung seit drei Jahren weiter aktiv sind.

Die honduranische Umwelt- und Gemeindeorganisation Arcah kritisiert in einer Reaktion auf die Mitteilung der PGR, dass der Staat die Zedes nach ihrer Abschaffung unbehelligt habe gewähren lassen. Die Organisation fordert, dass die Unternehmen, die in den Zedes operieren, Honduras verlassen müssten. Das sei keine Frage von Handelsstreitigkeiten, sondern der Durchsetzung staatlicher Souveränität.

Wichtig sei außerdem, dass strafrechtliche Ermittlungen gegen diejenigen Funktionär:innen eingeleitet werden, die in der Regierungszeit von Präsident Juan Orlando Hernández (2014–2022) die Etablierung der Zedes ermöglicht und vorangetrieben hatten. Hernández verbüßt seit 2024 in den USA eine 45-jährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und illegalen Waffenbesitzes.

In Honduras operieren derzeit drei unternehmergeführte Privatstädte: Próspera ist unter anderem im Immobilien- und Tourismusgeschäft sowie mit unregulierten medizinischen Experimenten tätig. Morazán City, unweit der Wirtschaftsmetropole San Pedro Sula, setzt auf Industrieproduktion, preiswerten Wohnraum und Sicherheit für Industriearbeiter:innen. Orquídea im Süden von Honduras hat sich in den letzten Jahren zu einer großen agrarindustriellen Zone für den Export von Paprika und anderen industriell produzierten Agrarprodukten für den US-amerikanischen Markt entwickelt.

Garífuna in Honduras melden Medienhetze und bewaffnete Angriffe

von Johannes Schwäbl 

Afroindigene Gemeinden klagen gegen Medienkooperation. Fehlende Umsetzung der Urteile des Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte führt zu weiterer Eskalation von Landkonflikten

Tegucigalpa. An der honduranischen Karibikküste haben bewaffnete Personen die Bewohner der Dörfer San Juan Tela und Triunfo de la Cruz attackiert und bedroht. Die Schwarze geschwisterliche Organisation von Honduras (Ofraneh), die die afro-indigenen Dörfer begleitet, macht für diese erneute Gewaltwelle den Medienkonzern Televicentro mitverantwortlich. Die in Ofraneh organisierten Gemeinden haben in Tegucigalpa am Donnerstag Strafanzeige wegen Anstiftung zu Rassenhass gegen die Medienkooperation gestellt.


Demonstration von Menschenrechtsorganisationen 
gegen die Kriminalisierung von Ofraneh und des 
Volks der Garífuna in Honduras im August 2025

In den TV-Programmen Hoy Mismo, TN5 Matutino, Frente a Frente und dem digitalen Portal TuNota.com, die alle zu Televicentro gehören, wurden laut Ofraneh Anfang Oktober in der Berichterstattung über die Wiederbesetzung von angestammtem Land mit rassistischen Vorurteilen behaftete Botschaften verbreitet. In diesen wurde das Volk der Garífuna als Kriminelle, Invasoren, Entwicklungsfeinde und Drogen- und Alkoholhändler dargestellt. Televicentro, ein Unternehmensnetzwerk der Familie Villeda Ferrari, das Fernsehen, Radio und Printmedien umfasst, gilt als eines der einflussreichsten Medienkonzerne in Honduras. Die Berichterstattung von Televicentro wird von sozialen Organisationen als den Interessen der Privatwirtschaft und der Oligarchie des Landes nahestehend kritisiert.

Samstag, 13. September 2025

HONDURAS EN PRIMER PLANO - Abgeschafft und doch auf Expansionskurs: Die Privatstädte (ZEDE) in Honduras


Freitag 26.9.2025
16:00 - 17:30 Uhr (Europa)
08:00 - 09.30 Uhr (Honduras)

online (zoom) - spanisch mit deutscher Synchronübersetzung

Anmeldung bis zum 25.09.2025 mit Vor- und Nachnamen und ggfs. Organisation an honduras@oeku-buero.de Wir versenden den Veranstaltungslink vor der Veranstaltung am 25.09.2025

Informationen zur Veranstaltung:

Nach dem Willen der Regierung und des Obersten Gerichtshofs in Honduras sollten sie längst abgeschafft sein, doch sie entwickeln sich trotz des Wegfalls ihrer rechtlichen Grundlagen munter weiter: Die sogenannten Sonderzonen für Beschäftigung und Entwicklung (spanisch: ZEDE) sind nahezu autonome Enklaven rechtslibertärer Investor:innen, die nach eigenem Gutdünken möglichst staatsfrei wirtschaften und sich selbst verwalten wollen. Konkret ist das zum einen Próspera auf der Karibikinsel Roatán, finanziert durch das US-amerikanische Unternehmen Pronomos Capital von Patri Friedman, in dem wiederum Startkapital des Tech-Milliardärs Peter Thiel steckt. In Próspera, der weltweit ersten Privatstadt, setzt man unter anderem auf Kryptowährungen und in den USA verbotene medizinische Experimente. Zum anderen geht es um Ciudad Morazán in Choloma, in der Nähe der dortigen großen Weltmarktfabriken. Hauptakteur ist hier der italienische Pharmaunternehmer Massimo Mazzone. Nach dem ZEDE-Gesetz von 2013 durften die Privatstädte beliebig expandieren - auch in räumlich von ihnen getrennte Gebiete. Próspera beruft sich weiter auf diese Regelung und breitet sich trotz der Annullierung des Gesetzes ungehindert sowohl auf den Bay Islands als auch aufs honduranische Festland aus.

Gegen den honduranischen Staat haben die Betreiber-Unternehmen der Privatstädte Klagen in Milliardenhöhe vor dem Internationalen Schiedsgericht der Weltbank in Washington eingereicht. Dabei berufen sie sich auf den Investitionsschutz nach dem Freihandelsabkommen zwischen den USA und Zentralamerika (CAFTA). Allein der Schadensersatz, den Próspera von Honduras fordert, beläuft sich auf rund ein Viertel des aktuellen Bruttoinlandsprodukts und stellt daher eine beträchtliche Drohkulisse für das hoch verschuldete Land dar. Da sich die Schiedsverfahren über Jahre hinziehen dürften und noch dazu Ende November dieses Jahres Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Honduras anstehen, ist die zukünftige Entwicklung rund um die ZEDE derzeit kaum abzusehen.

Christopher Castillo, Koordinator der Umweltorganisation ARCAH, gehört seit Jahren zu den bekanntesten Stimmen des zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen die ZEDE in Honduras. Er bringt uns auf den neuesten Stand der Entwicklungen, wirft einen Blick auf die aktuellen Strategien der honduranischen Regierung, sich gegen die ZEDE zu wehren und diskutiert mit uns über die mögliche Zukunft der Privatstädte, die von globalen Netzwerken vorangetrieben werden.


Anmeldung bis 25.September unter: honduras@oeku-buero.de

Veranstaltende: Ökumenisches Büros für Frieden und Gerechtigkeit e.V., Cadeho, HondurasDelegation mit freundlicher Unterstützung durch das FDCL

In der Reihe Perspectivas Diversas,  gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL 
mit Mitteln des 


Donnerstag, 21. August 2025

Offener Brief an die Präsidentin von Honduras über die alarmierende Gewalteskalation im Aguán-Tal

Nach erneuten Morden in Bajo Aguan rufen Menschenrechtsorganisationen Alarm aus

 Mittwoch, 20. August 2025

Frau Präsidentin Xiomara Castro Sarmiento,

die 26 unterzeichnenden Organisationen und Kollektive, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und die Solidarität mit Lateinamerika, insbesondere mit Mittelamerika und Honduras, einsetzen, wenden sich an Sie in tiefer Bestürzung über die Lage im unteren Aguán-Tal.

Mit Schmerz, Trauer und Empörung schließen wir uns der Trauer der bäuerlichen Gemeinschaften aus der Region angesichts der neuen Welle von Morden an Mitgliedern von Genossenschaften und Bauernunternehmen an, die in der Agrarplattform (Plataforma Agraria) und der Koordinierungsstelle der Volksorganisationen des Aguán-Tales (COPA) zusammengeschlossen sind. Mit großer Sorge beobachten wir die Eskalation der Gewalt, die durch Drohungen, Vertreibungen und Morde gekennzeichnet ist. Diese Morde sind meist gezielt und werden von Auftragskillern ausgeführt, wodurch sich in der Region ein Klima der Angst ausbreitet.

Wir schließen uns der Warnung der Koalition gegen Straflosigkeit an: Diese Verbrechen sind keine Einzelfälle, sondern Teil einer systematischen Strategie zur Zerschlagung der Bauernbewegung in einem Kontext hochgradiger Straflosigkeit.

Wir bitten Sie höflich, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um:

• die kriminellen Strukturen, die im Aguán-Tal operieren, zu zerschlagen, insbesondere die Gruppen, die als Los Cachos und Los Canechos bekannt sind;

• die Verbrechen aufzuklären und die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen;

• das Leben derjenigen zu schützen, die ihr legitimes Recht auf Verteidigung ihrer Territorien ausüben;

• das Abkommen vom 22. Februar 2022 mit den dort genannten Genossenschaften und kleinbäuerlichen Unternehmen umzusetzen und eine unabhängige Wahrheitskommission für das Aguán-Tal einzurichten.

 

Von den zahlreichen gewaltsamen Todesfällen im unteren Aguán-Tal möchten wir einige der jüngsten Fälle hervorheben, für die es konkrete Hinweise auf einen direkten Zusammenhang mit der Verteidigung der Gebiete und den Aktivitäten der landwirtschaftlichen Genossenschaften und Vereinigungen gibt:

        1. August 2025: Ermordung von Abel Monroy, Schwiegervater eines Mitglieds der Genossenschaft El Chile. Er hatte zuvor Drohungen im Zusammenhang mit der Arbeit seines Familienangehörigen in dieser Genossenschaft erhalten.

        26. Juli 2025: Ermordung, durch mutmaßliche Auftragskiller, von Héctor Otoniel Castro Hernández, Mitglied der Empresa Campesina Gregorio Chávez und Bruder von Wendy Castro Hernández, stellvertretende Koordinatorin der Plataforma Agraria.

        17. Juli 2025: Ermordung von Ramón Rivas Baquedano, Mitglied der Empresa Asociativa Campesina de Producción La Aurora, und seines Sohnes Carlos Rivas, Mitglied der Empresa Campesina Gregorio Chávez.

        2. Februar 2025: Ermordung von José Luis Hernández Lobo und seiner Partnerin Suyapa Guillén, aktive Mitglieder der landwirtschaftlichen Genossenschaft Empresa Campesina Gregorio Chávez.

        2. Januar 2025: Ermordung von Arnulfo Díaz. Bewaffnete Männer lauerten ihm am Rande der Genossenschaft Brisas del Aguán auf und erschossen ihn in seinem Fahrzeug.

 

Nach Informationen aus verschiedenen Quellen wurden allein im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 elf Morde an Kleinbauern und - bäuerinnen sowie ein schwerer Fall von Folter verzeichnet.

Nach zahlreichen Anzeigen von Bauernorganisationen hatte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (CIDH) im November 2024 vor der Präsenz paramilitärischer Gruppen in der Region und den damit verbundenen hohen Risiken für Bauern und Menschenrechtsverteidigern gewarnt.

Wir möchten hier einige sehr besorgniserregende Vorfälle von Gewalt gegen Kleinbäuer*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen nennen:

·         Am 18. Januar 2023 wurde Omar Cruz, Präsident der Genossenschaft Los Laureles, zusammen mit seinem Schwiegervater Andy Martínez Murillo ermordet. Eine Woche zuvor hatte Cruz bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Miguel Mauricio de la Soledad Facussé Saenz, Eigentümer der Corporación DINANT, erstattet. In der Anzeige wird Facussé als „Täter und Komplize” der illegalen bewaffneten Gruppe Los Cachos beschrieben.

·         Am 12. Februar 2023 wurde Hipólito Rivas, Gründer der Empresa Asociativa Campesina Gregorio Chávez, zusammen mit seinem Sohn Javier Rivas ermordet. Zeugen schreiben den Mord einer bewaffneten Gruppe zu, die die Finca Pasó Aguán kontrolliert und von dort aus Mitglieder der Bauernvereinigung angreift.

·         Am 9. Januar 2023 wurden zwei Mitglieder der Cooperativa El Chile durch Schüsse aus Schrotflinten von Mitgliedern der Sicherheitsfirma SEC verletzt, die offenbar Verbindungen zu illegalen bewaffneten Akteuren hat.

·         Am 22. Mai 2023 wurde Candelario Martínez, Schwager des Sprechers der Plataforma Agraria, Yoni Rivas, ermordet.

·         Es folgte die Ermordung einer Cousine von Wendy Castro Hernández, der stellvertretenden Koordinatorin der Plataforma Agraria.

·         Am 17. März 2024 wurde Marvin Dubón, Sprecher der Cooperativa Tranvío, erschossen.

·         Am 17. Oktober 2024 wurde Selvin Noe García, Mitglied der Kooperative Brisas del Aguán, von bewaffneten Männern in seinem Fahrzeug erschossen.

 

Frau Präsidentin, dies ist ein internationaler Appell an Ihre Menschlichkeit auf der Basis der Garantie des Rechts auf Leben. Dieses Recht schützt alle Menschen, einschließlich der Bauern und Bäuerinnen des unteren Aguán-Tales, die ihre Rechte auf Land und ein würdiges Leben verteidigen.

Wir wissen die Solidaritätsbekundungen von Mitgliedern Ihrer Regierung gegenüber den

Kleinbauern und - bäuerinnen im Aguán-Tal zu schätzen, doch diese allein reichen nicht aus. Wir bitten Sie dringend, zu handeln und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Gewalt in der Region ein Ende zu setzen. Die Mittel dazu liegen in den Händen der Exekutive und der honduranischen Justiz.

 

Die Situation duldet keinen weiteren Aufschub!

Unterzeichnende Organisationen und Initiativen:



 


 

 


Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit (Deutschland)

Kollektiv CADEHO (Deutschland)

Honduras-Delegation (Deutschland)

Romero Initiative (Deutschland)


 

 


 



 

ACI Participa (Honduras)

Arbeitskreis „Dritte Welt“ (Deutschland)

AWO International (Deutschland)

Colectivo Jesús María Valle J. (Kolumbien)


 

 


 


 


 

Collettivo Italia Centro America CICA (Italien)

Comunicadores y Comunicadoras Populares por la Autonomía COMPPA (Mexiko)

US-El Salvador Sister Cities (USA)

CAREA e.V. (Deutschland)

 


 


 


 


Guatemala Solidarität Österreich

France Amerique Latine (Frankreich)

Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika FDCL (Deutschland)

Ya Basta Netz (Deutschland)

 


 


 


 

 


 

Naturfreunde Deutschlands

Pax Christi International (Belgien)

Peace Watch Switzerland (Schweiz)

Komite Internazionalistak Euskal Herria (Spanien)



 


 


 

ÖkoEsel (Deutschland)

Umweltnetzwerk für Zentralamerika ENCA (Vereinigtes Königreich)

Netzwerk Guatemala-Schweiz „Guatemalanetz Bern“ (Schweiz)

Transgalaxia (Deutschland)

 

 

 

Diana Bohn

 

 

Mitglied der Berkeley Peace & Justice Commission (USA)

Vereinigung für medizinische Hilfe in Mittelamerika, AMCA (Schweiz)