Parlament stoppt Korruptionsermittlungen, systematische Gewalt
durch das Militär
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| Der Sprecher der MACCIH, Juan Jiménez, kritisiert den neuesten Gesetzeserlass scharf. Quelle: Criterio.hn |
(25. Januar 2018 - HondurasDelegation) Während vielerorts die
Bevölkerung protestierte, erließ das Parlament, dominiert durch die
Nationale Partei (PN), ein Dekret, das weitgehende
Straflosigkeit in Korruptionsfällen garantiert.
Das Dekret 141-2017 reglementiert das Gesetz zu Einkommen und
Ausgaben des Staatsetats, verbietet begonnene und zukünftige
Untersuchungen gegen hohe Funktionäre und Abgeordnete und hebelt die
Arbeit der internationalen Unterstützungsmission gegen Korruption
und Straflosigkeit (MACCIH) aus. Zu den von der MACCIH bereits
begonnenen Untersuchungen gegen mehr als 60 Abgeordnete gehört auch
die gegen den am Dienstag erneut vereidigten Parlamentspräsidenten
Mauricio Oliva (PN). Das Dekret bezieht sich rückwirkend auf die
letzten drei Amtszeiten beginnend im Jahr 2006. Die Prüfung der
Ausgaben obliegt nun allein der Obersten Rechnungsbehörde (TSC).
„Während dieser Prüfung würde keine richterliche Verfügung
weder administrativer, ziviler, noch strafrechtlicher Art angestrengt
werden“, heißt es in der Erklärung der
MACCIH.
Juan Jiménez Mayor, Sprecher der MACCIH, unterstrich in einer
Pressekonferenz,
dass „das Verschieben von öffentlichen Geldern zu
Nichtregierungsorganisationen (NGO) und von diesen weiter an die
Abgeordneten bisheriges operatives Vorgehen war, um die Taschen der
Abgeordneten zu füllen.“ Fünf
Abgeordnete wurden im Dezember 2017
der Veruntreuung öffentlicher Gelder überführt und verhaftet.
Diese fünf sowie weitere zuvor verurteilte Funktionäre müssen aufgrund
des Dekrets wieder freigelassen werden. Auch Mario Zelaya, der an der
Veruntreuung von Geldern in Millionenhöhe aus dem Honduranischen
Sozialversicherungsinstitut (IHSS) involviert und verhaftet wurde,
muss demnach wieder auf freien Fuß gesetzt werden.
Wegen des Zusammenbruchs der Gesundheitsversorgung durch die
Plünderung des IHSS im Jahr 2015 sind Tausende von Honduraner*innen
landesweit auf die Straßen gegangen und haben gegen die
offensichtliche massive Korruption protestiert. Eine der Forderungen
der Proteste war die Bildung einer unabhängigen internationalen
Kommission, die in diesen Fällen untersuchen sollte. Die MACCIH
unter Schirmherrschaft der Organisation Amerikanischer Staaten nahm im Jahr
2016 ihre Arbeit auf. Auch die deutsche Bundesregierung dürfte die
neueste Entwicklung um die MACCIH interessieren, da sie diese
mitfinanziert.
Aktivitäten des militärischen Geheimdienstes
Santos Orellana Rodríguez, ehemaliger Kapitän des Militärs,
berichtetgegenüber dem unabhängigen Radio Progreso, dass hinter den Morden,
Folter und gewaltsamem Verschwindenlassen das Militär stehe. „Jeder
dieser Akte des Vandalismus, der Repression, das Anzünden von
Gebäuden etc. […] werde durch den Geheimdienst der
Sicherheitskräfte geplant.“ Sie erhielten direkte Befehle von Juan
Orlando Hernández, so Rodríguez weiter. Hernández (PN) kandidierte
erneut verfassungswidrig und wurde durch offensichtlichen Wahlbetrug
zum Gewinner der Wahlen erklärt. Am Samstag den 27. Januar ist die
feierliche Amtseinführung in Tegucigalpa geplant.
Die Proteste der honduranischen Bevölkerung
halten, wenn auch nicht so massiv, wie im Dezember 2017, an. In den
sozialen Netzwerke wird berichtet, dass es in Tegucigalpa zu
spontanen Protesten kam, gegen die jedoch die Militärpolizei erneut
Tränengas einsetzte. Aus dem nördlichen Department Atlántida und
Choluteca im Süden Landes wurden erneute Straßenblockaden
gemeldet.