Zwei Mordverdächtige waren Geheimdienstoffiziere.
Training in berüchtigter Schule der US-Streitkräfte in Fort Benning
Von
Fernando Vicente Prieto / Übersetzung: Nina Hilgenböcker erschienen in:
amerika21
 |
Protest nach dem Mord von Berta Cáceres in Honduras
|
Ein Jahr nach dem
Verbrechen an der honduranischen Aktivistin Berta Cáceres haben
Nachforschungern ergeben, dass zwei der für den Mord festgenommenen
Personen Offiziere des Geheimdienstes waren. Sie wurden in der School of
the Americas in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia, ausgebildet.
Grundlage dieser Information sind Aufzeichnungen der honduranischen
Streitkräfte und juristische Dokumente, zu denen die Journalistin Nina
Lakhani Zugang hatte. Sie veröffentlichte am Dienstag, den 28. Februar
einen Artikel in der britischen Tageszeitung The Guardian.
Diesen Quellen zufolge wurden der Major Mariano Díaz Chávez und der
ehemalige Leutnant Douglas Giovanny Bustillo 1997 in der School of the
Americas ausgebildet, die traurige Berühmtheit erlangte. Hier wurden
jahrzehntelang lateinamerikanische Militärs im Gebiet des Panamakanals
trainiert, seit 1984 ist sie im Fort Benning in Georgia stationiert und
trägt heute den Namen Western Hemisphere Institute for Security
Cooperation.
Darüber hinaus wurde Díaz 2005 in der Inter-American Air Forces
Academy (IAAFA) ausgebildet. Die IAAFA war bis 1989 in Panama
stationiert, später dann in der Homestead Air Reserve Base in Florida,
bis diese durch den Hurrikan Andrés zerstört wurde, und schließlich seit
Anfang 1993 in der Lackland Air Force Base in Texas. Dort nahm Mariano Díaz im Jahr 2005 an einem Kurs zum Thema "Antiterrorismus" teil.
Beide Militärs werden beschuldigt, das Verbrechen organisiert zu
haben und wurden im Mai 2016 gemeinsam mit Sergio Ramón Rodríguez und
Edilson Antonio Duarte festgenommen. Letzterer wurde als derjenige
identifiziert, der bei dem Attentat, das Berta Cáceres am 2. März jenes
Jahres das Leben kostete, die Schüsse auf sie abfeuerte. Duarte, der schon seit einiger Zeit als Auftragsmörder tätig war,
sagte aus, dass er von Sergio Rodríguez engagiert worden war, dem
Geschäftsführer des geplanten Wasserkraftwerkes Agua Zarca, das vom
Konzern Desarrollos Energéticos SA (DESA) gebaut wird. Präsident dieses
Unternehmens ist Robert David Castillo Mejía, ein weiterer Ex-Offizier
des Militärgeheimdienstes.
Berta Cáceres trieb in ihrer Rolle als Anührerin des Zivilen Rates
der Indigenen und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) den Kampf
gegen Agua Zarca voran und prangerte die Folgen an, die das Projekt für
den Fluss Gualcarque und in den Gemeinschaften der Lenca in diesem
Gebiet haben würde.
Leutnant Bustillo, der sich 2008 vom Militärdienst zurückgezogen
hatte, war der Sicherheitschef von DESA und derjenige, der gemeinsam mit
Díaz den Mord geplant hatte. Im Rahmen seiner Funktion in dem
Unternehmen hetzte Bustillo wiederholt gegen Berta Cáceres, die bereits
2013 in einer Reportage die Bestechungsversuche und Drohungen öffentlich
angeprangert hatte. "(Rodríguez) hat mir Bestechungsgelder angeboten,
für mich und COPINH", berichtete. "Als das nicht funktionierte, folgten
die ganzen Beschuldigungen, die schon allseits bekannt sind, und
Todesdrohungen. Ich habe auch Nachrichten vom Sicherheitschef des
Unternehmens (Bustillo) auf meinem Telefon, die sexuelle Belästigung
beinhalten", hatte Berta im Interview mit dem Journalisten Dick
Emmanuelson ausgeführt.
Die "Spezialeinheiten"
Neben Díaz und Bustillo war auch Henry Javier Hernández an der
Operation beteiligt, ein ehemaliger Scharfschütze, der unter dem
Kommando von Díaz im 15. Bataillon gedient hatte. Das 15. Bataillon ist
eine der beiden Spezialeinheiten der honduranischen Armee, die in den
1980er Jahren von den USA mit dem Ziel gegründet und geschult wurden,
ihre Strategie der Aufstandsbekämpfung (Counterinsurgency) zu
entwickeln.
Es war die Zeit, als Honduras die "Contras“ unterstützte, die in
Nicaragua die Sandinistische Revolution bekämpften. Auch gegen die
Regierungen in El Salvador und Guatemala, die den USA vollständig
untergeordnet waren, entwickelten sich Prozesse des bewaffneten Kampfes.
Drei Jahrzehnte später besteht die Struktur der Spezialeinheiten, die
durch das United States Southern Command (Südliches Kommando der USA)
geschult werden, nach wie vor fort. Als Vorwand werden jetzt die
"umfangreichen Bedrohungen" angeführt, insbesondere der Kampf gegen den
Terrorismus und die Drogen.
Das 15. Bataillon sowie das Trainingszentrum der Spezialeinheiten
haben ihren Sitz in Bajo Aguan, eine der Regionen mit den meisten
sozialen Konflikten in Honduras. Die ländlichen Gemeinschaften in dieser
Region klagen die Repression durch das Militär an. Hier wurde der
größte Teil der insgesamt 124 Anführer und Aktivisten sozialer
Bewegungen ermordet, die gegen die Monokulturen der Ölpalme in den
Händen transnationaler Konzerne in Verbindung mit lokalen Unternehmen
gekämpft hatten. Diese Firmen üben praktisch die Befehlsgewalt über die
Militärkorps aus, die die Anti-Terror-Doktrin gegen die Bevölkerung
anwenden, welche Widerstand gegen Projekte leistet, die sich auf ihrem
Territorium niederlassen wollen.
Nach seinem offiziellen Rücktritt im Jahr 2013 wurde Hernández zu
einem Informanten des militärischen Geheimdienstes, bis er im Januar
2017 verhaftet wurde. Der Veröffentlichung in The Guardian zufolge
zeigen telefonische Aufzeichnungen, die Bestandteil des gerichtlichen
Verfahrens sind, dass sich Bustillo und Hernández bereits einige Tage
vor dem Mord in dem Dorf La Esperanza aufgehalten hatten, wo Berta
Cáceres lebte.
Die Information belegt auch, dass gegen den Major im
Dienst, Mariano Díaz, zum Zeitpunkt seiner Verhaftung wegen Entführungen
und Drogenhandel ermittelt wurde. Dennoch stand er kurz vor einer
Beförderung.
"In unserem Land gibt es eine Diktatur"
Olivia Zuñiga, die älteste Tochter von Berta Cáceres, ist der
Auffassung, dass der honduranische Staat von einer "kriminellen Elite"
regiert wird, "die auch aus Unternehmern besteht, die zugunsten des
transnationalen Kapitals und nicht im Sinne der großen Mehrheiten
unseres Volkes agiert." In einem
Interview
mit dem argentinischen Nachrichtenportal Notas wies sie darauf hin,
dass dies ein Moment sei, "in dem sich die Diktatur in unserem Land mit
Politiken des Terrors durchsetzt".
"Das Verbrechen an Berta Cáceres bestätigt all die Vermutungen
darüber, dass viele Gefährtinnen und Gefährten von Todesschwadronen
ermordet wurden, weil sie das Leben verteidigten. Wir haben es immer
angeprangert und als soziale Bewegungen sind wir uns sicher gewesen: Wie
in den 80er Jahren wird seit dem Staatsstreich in Honduras eine neue
Operation Condor umgesetzt. Der Putsch im Jahr 2009 war entscheidend, um
erneut all die paramilitärischen Gruppierungen, die Todesschwadronen zu
reaktivieren."
"Obwohl sie eine auch international sehr bekannte
Führungspersönlichkeit und weltweit anerkannt war, konnte dies die
kriminellen Eliten nicht davon abhalten, sie durch Todesschwadronen und
einen regelrechten Krieg gegen unsere Völker ermorden zu lassen, mit
Elitetruppen, die in den USA, in Kolumbien und in Israel ausgebildet
wurden“, fasste Zuñiga zusammen.
Fernando Vicente Prieto ist Journalist aus Argentinien,
Korrespondent von Notas - Periodismo Popular in Caracas und Mitarbeiter
in anderen Medien. Neben seiner Berichterstattung für Notas.org.ar, ist
er Teil des Kommunikationsteams von ALBA movimientos und des Projektes
Crónica de Comunas.