Tegucigalpa. Bei einer Räumung der Nationalen Autonomen
Universität von Honduras (UNAH) durch Angehörige der nationalen Polizei,
Militärpolizei und Spezialeinheiten sind am 8. September 26 Personen
festgenommen und mehrere zum Teil schwer verletzt worden.
Unter den Festgenommenen befanden sich neben Studenten auch vier Menschenrechtsaktivisten, die am Ort des Geschehens die Ereignisse
dokumentierten: Carlos del Cid vom ökumenischen Observatorium für
Menschenrechte, Tomy Morales von der Assoziation für Demokratie und
Menschenrechte, Hedme Castro von ACI-Participa und Ariel Díaz von der
Vereinigung der Jugendlichen für Menschenrechte. Ein
Video
zeigt, wie sie sich in einem Bus der nationalen Kommission für
Menschenrechte (Conadeh) befinden und bei ihrer Festnahme massiv und
ohne ersichtlichen Grund von Polizisten mit Reizgas attackiert werden.
Mehrere Personen mussten danach medizinisch behandelt werden und leiden
weiterhin unter den Folgen der Polizeigewalt. Fünfzehn der Studenten
wurden am Samstag unter der Anschuldigung der Besetzung der Universität
dem Haftrichter vorgeführt und unter Bewährungsauflagen vorläufig
freigelassen. Die verhafteten Menschenrechtsverteidiger wurden ebenfalls
freigelassen. Jedoch wird drei von ihnen Strafvereitelung vorgeworfen,
Tomy Morales wird zudem des Attentates gegen die Sicherheit des Staates
beschuldigt.
Das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Honduras (OACNUDH) zeigte sich in einer
Erklärung
besorgt über eine möglichen Anklage gegen die
Menschenrechtsverteidiger. In der am 9. September erschienenen Erklärung
äußert OACNUDH zudem seine Besorgnis über den Einsatz von Waffen, die
von der Polizei als nicht tödlich eingestuft werden, im speziellen von
Reizgas, und der Nichtrespektierung der Prinzipien der Legitimität, der
Verhältnismäßigkeit und der Notwendigkeit des Einsatzes.
Aufgrund der konstanten Attacken und Aggressionen gegen Menschenrechtsaktivisten
erklärten
mehr als 20 Menschenrechtsorganisationen auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz am Montag die "permanente Alarmbereitschaft" und die
Einrichtung eines Anwaltsteams, um juristische Maßnahmen gegen die
Verantwortlichen einzuleiten.
Das Ministerium für Sicherheit und die nationale Polizei
erklärten
zu den Vorfällen, auf Basis der Gesetze und der internationalen
Menschenrechtsstandarts gehandelt zu haben. Zudem wird Studenten und
Menschenrechtsverteidigern unterstellt, das Fahrzeug von Conadeh
entführt zu haben.
In den letzten Monaten kam es mehrfach zu gewaltsamen Vorfällen in
der von Studenten besetzten nationalen Universität von Honduras. So gab
es mehrere Räumungen durch private und staatliche Sicherheitskräfte. Im
Umfeld der anhaltenden Krise an der UNAH sind Roberto Gómez, Vater eines
Studentenaktivisten und der Soziologie-Student Luis Joel Rivera,
ermordet worden. Bisher wurden gegen 50 Studenten aufgrund der Proteste
Strafverfahren eingeleitet.