Montag, 17. Oktober 2022

Radiobeitrag: Zimt, Zitronengras und Massagen – Heilmethoden der Garífu

                Radio Onda, NPLA vom 17. Oktober 2022

von Jutta Blume, Andrea Lammers, Stephanie Wassermann 


Im Gesundheitszentrum von Triunfo de la Cruz wird der COVID-Tee gekocht.
Foto: HondurasDelegation (CC BY-NC-SA 4.0

Die afroindigenen Garífuna leben in 56 Gemeinden an der Nordküste von Honduras. Ihre Vorfahren kamen als Sklav*innen aus Westafrika auf die Antillen-Insel San Vicente. Sie vermischten sich dort mit der lokalen indigenen Bevölkerung und entwickelten eine eigene Kultur und Sprache. Von britischen Kolonisatoren vertrieben, landeten die Garífuna vor über 200 Jahren an der Küste des heutigen Honduras. Vom Staat werden sie seither bestenfalls ignoriert, wenn nicht diskriminiert und erneut vertrieben. Und auch in der Corona-Pandemie waren die Garífuna-Gemeinden auf sich selbst gestellt. Die Garífuna-Organisation OFRANEH eröffnete daher 33 Covid-Zentren. Aus einem Teil davon sind mittlerweile Zentren für traditionelle Heilkunst geworden, die Casas de Salud Ancestral.





Freitag, 7. Oktober 2022

"Einmischung der USA": Diplomatische Verstimmung um Privatstädte in Honduras

US-Botschaft unterstützt Privatstädte trotz Verbot durch das Parlament. Betreiber fordern Verhandlungen. Bauarbeiten für ZEDE Próspera in vollem Gang.

Donnerstag, 6. Oktober 2022

Camagüey und Berlin. Bezahlbarer Strom für Alle

Beispiele von sozial gerechter Energieversorgung

Online-Veranstaltung: 17.10.2022 - 19:00 Uhr

Bitte um vorherige Anmeldung. Zugangsdaten werden im Vorfeld der Veranstaltung verschickt: cadeho@riseup.net

Foto: Isabell Ulbricht

Die Versorgung der Bevölkerung mit Strom gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Privatisierungen in Bereichen der Grundversorgung führen in der Regel zu höheren Preisen und weniger Investitionen zur Verbesserung der notwendigen Infrastruktur. Für eine sozial gerechte Stromversorgung darf diese nicht in die Hände von gewinnorientierten Unternehmen gelegt werden.

Montag, 19. September 2022

Selbstbestimmung und Selbstversorgung in Vallecito

Eine neu entstehende Gemeinde der afro-indigenen Garífuna in Honduras


Online-Veranstaltung 
Donnerstag, 29. September 2022, 19-20.30 Uhr (online)

Vallecito Honduras Garifuna
Kokosnüsse gehören zur traditionellen Ernährung der Garífuna.
Agraringenieur Idner Gutierrez bei der Ernte in Vallecito.
Quelle: HondurasDelegation (CC BY-NC-SA 4.0)


Die afro-indigenen Gemeinden der Garífuna leben mehrheitlich an der honduranischen Karibikküste. Ihre Sprache, Musik und Tänze wurden 2001 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Doch ihre Existenz ist bedroht: Auf ihrem traditionellen Land machen sich Ölpalm-Magnaten breit, ausländische Investor*innen errichten Luxus-Ferienressorts, Kartelle nutzen die Gegend als Umschlagplatz für Drogentransporte aus Südamerika in den Norden. Gleichzeitig lässt der fortschreitende Klimawandel die Küsten zunehmend erodieren und zerstört absehbar die Dörfer der Garífuna, die fast alle direkt an der Küste liegen. Für viele scheint der einzige Ausweg, sich auf den lebensgefährlichen Weg in Richtung USA zu begeben.

Sonntag, 18. September 2022

ERKLÄUNG DER GARIFUNA-GEMEINDE VON PUNTA GORDA, ISLAS DE LA BAHIA, ROATAN

Punta Gorda, 12. September 2022



Hiermit teilen wir der nationalen und internationalen Gemeinschaft mit, dass die Garífuna-Gemeinde von Punta Gorda in Ausübung ihres Selbstbestimmungsrechts am 3. September 2022 mit der WIEDERANEIGNUNG eines Stück Landes am Eingang unserer Gemeinde begonnen hat, das Teil unseres angestammten Territoriums ist. Dieses wurde von Dritten in Absprache mit der Stadtverwaltung und anderen mächtigen Gruppen, die die Insel kontrollieren und die systematische Enteignung unseres Territoriums fortsetzen wollen, widerrechtlich angeeignet.

Mittwoch, 24. August 2022

Erklärung von OFRANEH

Am Mittwoch, dem 24. August 2022, haben wir erneut den weiten Weg auf uns genommen und sind aus verschiedenen Garífuna- und anderen indigenen Gemeinden in die Hauptstadt Tegucigalpa gekommen. Wir machen von unserem legitimen Recht Gebrauch, Rechtsgarantien und Rechtsschutz für unsere Gemeinden zu fordern, indem wir Rechtsmittel gegen den Generalstaatsanwalt und den stellvertretenden Generalstaatsanwalt einreichen, weil sie es unterlassen haben, das Verbrechen des gewaltsamen Verschwindenlassens gegen die Garífuna aus Triunfo de la Cruz zu untersuchen.

Am 9. August haben wir uns vor der Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Generalstaatsanwalt Oscar Chinchilla und Daniel Arturo Sibrián Buseo als stellvertretendem Generalstaatsanwalt versammelt, um eine Antwort und erkennbare Fortschritte bei der Untersuchung des gewaltsamen Verschwindenlassens des Präsidenten des Patronato der Garífuna-Gemeinde Triunfo de la Cruz, Sneider Centeno, und drei weiterer Männer aus derselben Gemeinde zu fordern. Die Antwort, die wir erhielten, war wie immer eine Verhöhnung und eine notorische Missachtung des Lebens der Garífuna. Sie manifestierte sich in den wiederholten Aufrufen zu Hass und Gewalt durch den stellvertretenden Generalstaatsanwalt über seinen Twitter-Account, in Schikanen und Kriminalisierungsmaßnahmen gegen die Opfer selbst und ihre Vertreter. Ein dreister Versuch, diejenigen zu bestrafen, die Rechenschaft fordern.

Die Generalstaatsanwaltschaft erkennt weder das legitime und gewohnheitsmäßige Recht von OFRANEH und SUNLA an, den Schutz der Menschenrechte von indigenen und afro-indigenen Gemeinschaften in Honduras zu gewährleisten noch die für das Verschwindenlassen Verantwortlichen zu ermitteln, zu verfolgen und zu bestrafen. Im Gegenteil, der Generalstaatsanwalt hat in einem schamlosen Akt der Verfolgung, Schikanierung und Kriminalisierung – der den institutionalisierten Rassismus innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft beweist – die Staatsanwaltschaft für allgemeine Verbrechen (fiscalia contra delitos comunes) und die ATIC angewiesen, eine böswillige und voreingenommene strafrechtliche Untersuchung gegen Miriam Miranda, Generalkoordinatorin von OFRANEH, Luther Castillo, derzeitiger Minister für Wissenschaft und Technologie, und Edy Tábora, Anwalt von OFRNEH, einzuleiten.

Wir rufen die auf nationaler und internationaler Ebene engagierte Bevölkerung, Verbündete, solidarische Organisationen und Regierungen auf, die Forderung nach Gerechtigkeit und einem Ende der Kriminalisierung der Führungspersonen unserer Organisation aufrechtzuerhalten.

Wir stellen klar, dass der Staat für die Welle von Gewalt verantwortlich ist, die gegen die Anführer*innen unserer Gemeinden verübt wird. Es sind Mechanismen des Drucks und der Schikane mit dem Ziel, unsere Territorien zu entvölkern und zu enteignen, was zu einer massiven Migration der Garifuna geführt hat. Auf diese Weise wird unser Land denen, die im Drogengeschäft involviert sind, überlassen, die bereits heute alle unsere Gemeinden kontrollieren.

Wir verurteilen diese rassistischen Handlungen und bekräftigen unsere Forderung nach Gerechtigkeit für das gewaltsame Verschwindenlassen von Alberth Centeno Tomas, Suami Mejía García, Gerardo Róchez Cálix und Milton Martínez Álvarez. Wir fordern die Einrichtung einer Sonderstaatsanwaltschaft gegen Gewaltsames Verschwindenlassen sowie die sofortige Umsetzung die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte zugunsten der Gemeinden Punta Piedra und Triunfo de la Cruz, deren angestammtes Territorium von Dritten unter dem Schutz (tutela) des honduranischen Staates widerrechtlich an sich gerissen wird.

 

Mit der Kraft unserer Vorfahr*innen Barauda und Satuye

#Stoppt die Kriminalisierung der Führungspersonen der Garífuna
#Lebend wurden sie uns genommen, lebend wollen wir sie zurück
#Ohne Territorium gibt es keine Identität und keine Garífuna
#Für Leben und Territorium, Gerechtigkeit und Wahrheit für die Garifuna

Gemeinsame Erklärung von: OFRANEH, SUNLA,  Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos an Honduras, Bufete Justicia para los Pueblos



Tegucigalpa, 24. August

Delegationsbericht 9

Die letzten Tage unserer Reise haben wir mit politischen Hintergrundgesprächen in der Hauptstadt verbracht. Nach unserer Zeit an der Küste, der Zeit in den dörflichen Gemeinden, fällt es uns schwer, uns durch Lawinen hupender Autos und von Dieselruß getränkte Luft zu bewegen. An diesem, allerletzten Tag führt unser Weg erneut ins Gewerkschaftshaus der STIBYS, wohin wir die Aktivist*innen aus den Garífuna-Gemeinden bereits vor zwei Wochen begleitet hatten und von wo aus am 9. August über 500 Menschen aus den indigenen Gemeinden zum Protest vor der Generalstaatsanwaltschaft (Ministerio Público) aufgebrochen waren. 
Dort wollten sie endlich Antworten vom Generalstaatsanwalt Oscar Chinchilla erhalten, Antworten über den Verbleib der vier Gemeindemitglieder aus Triunfo de la Cruz, die vor mehr als zwei Jahren gewaltsam Verschwindengelassen wurden, Antworten zu den Verantwortlichen des Verschwindenlassens, Antworten, wie die Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2015 bezüglich der Gemeinden Triunfo de la Cruz und Punta Piedra endlich umgesetzt werden sollen. Doch die Antwort aus dem Ministerio Público war eine sofortige Kriminalisierung der Garífuna und ihrer Alliierten. Am 17. August wurden auf Betreiben der Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Koordinatorin von OFRANEH, Miriam Miranda, gegen den Anwalt Edy Tábora und gegen den Wissenschaftsminister Luther Castillo aufgenommen, vorgeworfen wird ihnen die Störung der öffentlichen Ordnung und Freiheitsberaubung (https://amerika21.de/2022/08/259672/honduras-justiz-gegen-garifunaaktivisten).


Vor dem Obersten Gerichtshof

Dienstag, 23. August 2022

Roatán, 20. August

Delegationsbericht 8

Nach einer Nacht in La Ceiba begeben wir uns morgens an den Fährterminal auf die Insel Roatán. Etwas erschrocken erblicken wir die große Menschentraube vor dem Eingang. Es stellt sich heraus, dass am heutigen Freitag Morgen ungewöhnlich viele Tourist*innen auf die Insel unterwegs sind und deswegen zwei Fähren hintereinander eingesetzt werden. Etwas erschrocken sind wir auch über die Ticketpreise, die uns für hiesige Einkommen nahezu unerschwinglich erscheinen. Nach zwei Stunden Geschaukel auf der Fähre haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und werden von Melissa Martínez aus der Gemeinde Punta Gorda empfangen. Unsere erste Station ist aber die Gemeinde Crawfish Rock, deren Vertreterinnen wir in den letzten Jahren schon auf dem Bildschirm in diversen Online-Konferenzen zu den honduranischen Privatstädten ZEDE kennengelernt haben. Das Dorf mit rund 600 Einwohner*innen grenzt unmittelbar an das Gebiet der ZEDE Próspera, von der die Menschen hier im Jahr 2020 erstmals erfahren haben. In den vergangenen Jahren haben wir aus der Gemeinde immer wieder Befürchtungen gehört, dass die Menschen enteignet werden könnten, damit ihre Grundstücke dem Gebiet von Próspera einverleibt werden können (https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/privates-paradies/). Bereits auf der Anfahrt bemerken wir einige Bauarbeiten für Próspera. Die steile Straße, die den Hafen an der Südküste mit unserem Ziel an der Nordküste verbindet, ist im Mittelteil frisch asphaltiert, der Rest ist weiterhin unbefestigt und buckelig. Ein Tor zur Rechten trägt das Logo von Próspera und ein Stück weiter lässt sich im Tal eine Großbaustelle erkennen.

Blick auf die Großbaustelle der ZEDE Próspera

Sonntag, 21. August 2022

Justiz in Honduras attackiert Garífuna-Aktivist:innen und Rechtsanwalt

 Von  amerika21

Miriam Miranda (am Mikrophon) vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft

Tegucigalpa. Eine friedliche Demonstration im Gebäude der honduranischen Generalstaatsanwaltschaft am 9.August, dem Internationalen Tag der indigenen Völker, hat schwerwiegende Folgen für Miriam Miranda, die Koordinatorin der afro-indigenen Organisation Ofraneh, und den Menschenrechtsanwalt Edy Tábora.

Etwa 300 in Ofraneh-Mitglieder aus Gemeinden an der Karibikküste sowie Unterstützer:innen aus anderen indigenen Gemeinden sowie von Frauen- und Menschenrechtsorganisationen demonstrierten vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft um effektive Ermittlungen im Fall der im Juli 2020 in der Gemeinde Triunfo de la Cruz verschleppten vier jungen Garífuna zu fordern (a21 berichtete).

Ofraneh wirft den Behörden Untätigkeit, Ineffizienz und Komplizenschaft mit den Tätern vor und verlangt seit über einem Jahr vergeblich die Einrichtung einer Sonderstaatsanwaltschaft gegen gewaltsames Verschwindenlassen.

Weitere jahrelange Forderungen betreffen genau die Anliegen, die auch von den Opfern des gewaltsamen Verschwindenlassens vertreten wurden: Die vom Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte bereits in einem Urteil von 2015 verlangte Rückgabe von Gemeindeland an die Garífuna. Auf deren angestammten Territorien machen sich Tourismusressorts, Palmölbarone, Viehzüchter, Villenbesitzer:innen und Drogenbosse breit, ohne dass der Staat bisher dagegen eingeschritten wäre.

Recuperación Wabato, 17. und 18. August

Delegationsbericht 7

Am Morgen, in aller Frühe, findet unser Abschied von Vallecito statt. Gegen sechs wartet der Fahrer auf uns, um uns nach Trujillo zu bringen. Wir sind gespannt, da uns einige interessante Projekte erwarten: das Wiederaneignungsprojekt Wabato, eine Herberge für Personen der LGBTI-Community und ein Zentrum für traditionelle Heilmethoden (casa de salud ancestral). Nach zweieinhalbstündiger Fahrt erreichen wir an der Stadtgrenze von Trujillo, nur wenige Schritte vom Strand entfernt, die recuperación Wabato. An einem großen Haus vorbei geht es in den Garten. Dort sehen wir gleich eine Küche und dahinter viel Grün. Hier werden wir von Mario Solórzano und seinen Mitstreiter*innen begrüßt. Mario ist hier der Koordinator und momentan Präsident des patronato von Trujillo. Bevor wir uns das Gelände genauer anschauen, stärken wir uns bei einem leckeren Kaffee, den wir bei unserem Aufbruch in aller Frühe nicht mehr trinken konnten. Und schnell wird uns klar, in Wabato befinden sich auch alle anderen Projekte, die wir heute kennenlernen wollen.


Mario Solórzano am Strand von Trujillo