Tegucigalpa. Sechs Tage nach den
Präsidentschaftswahlen vom 26. November und inmitten der noch laufenden
Stimmenauszählung hat der Ministerrat von Honduras den Ausnahmezustand
im gesamten Land für die Dauer von zehn Tagen
verhängt.
Das schließt eine Ausgangssperre von 18 Uhr bis sechs Uhr ein.
Personen, die in dieser Zeit in den Straßen angetroffen werden, können
inhaftiert werden.
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| Die Proteste gegen die Regierung von Präsident Juan Orlando Hernández in Honduras nehmen weiter zu Quelle:
G. Trucchi/Rel-UITA
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In den Sozialen Netzwerken wird derweil über schwere Menschenrechtsverletzungen
berichtet. Die Militärpolizei hat am Freitag in den Morgenstunden in der Hauptstadt in Tegucigalpa eine 19-Jährige
erschossen. Damit ist die Zahl der Todesopfer bei den Protesten laut lokalen Medien auf sieben
gestiegen. Viele Verletzte mussten in Krankenhäusern behandelt werden.
Im ganzen Land demonstrieren Honduraner gegen die Verzögerung der
Bekanntgabe des Wahlergebnisses und den befürchteten Wahlbetrug
zugunsten des amtierenden Präsidenten Juan Orlando Hernández von der
Nationalen Partei (PN). Straßen und Brücken werden blockiert. Die
Mautstationen im Norden des Landes, die seit 2016 in der Bevölkerung
heftigen Widerstand provoziert haben, sind am Freitag in Flammen
aufgegangen.
In den großen Städten des Landes wurden Geschäfte geplündert und
verwüstet. Dies wird in der offiziellen Erklärung des Ministerrates als
Anlass für die Verhängung des Ausnahmezustandes genannt.
Bei den ersten Veröffentlichungen der vorläufigen Wahlergebnisse am
Montag hatte Salvador Nasralla vom Mitte-links Wahlbündnis Allianz der
Opposition einen Vorsprung von fünf Prozent vor Hernández. Marco Ramiro
Lobo von der Wahlbehörde (TSE) erklärte, dass die Tendenz des Vorsprungs
bei der Auszählung der bis dahin 71 Prozent der Wahldokumente nicht
mehr umkehrbar sei. In den Tagen danach war jedoch zu sehen, dass sich
der Vorsprung zunehmend verringerte. Letztlich verzeichnete Hernández
einen Vorsprung von etwas mehr als einem Prozent der Stimmen. Die
Bekanntgabe der endgültigen Wahlergebnisse wurde für den vergangenen
Donnerstag angekündigt, jedoch kam es nicht dazu. Stattdessen kündigte
die Behörde weitere Auszählungen an. In den Tagen nach den Wahlen war
mehrmals das Computersystem des TSE abgestürzt, Wahldokumente waren
nicht in die Auszählung einbezogen worden. Schließlich mussten
internationale Wahlbeobachter und Journalisten das Gebäude verlassen, in
dem sich die Dokumente befinden. Daraufhin begann die Polizei mit
Tränengas und Wasserwerfern den Platz vor dem Gebäude zu räumen, wo sich
bereits seit Montag zahlreiche Menschen versammelt hatten.
Viele Honduraner wie auch die Allianz der Opposition zweifeln diese
neuen Ergebnisse an und wollen sich nicht ein weiteres Mal um ihre Wahl
betrogen sehen, denn auch vor vier Jahren waren Anzeichen für Wahlbetrug
öffentlich geworden.
Der von der PN dominierte TSE fehlt nach all den Unregelmäßigkeiten und
schweren Verstößen jegliche Glaubwürdigkeit. Zudem wurde Präsident
Hernández erneut als Kandidat seiner Partei aufgestellt, was laut
honduranischer Verfassung unzulässig ist.
Der Nationale Tisch für Menschenrechte, ein Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisationen in Honduras,
appellierte
am Samstag an Regierung und Armee, das Recht auf friedlichen Protest
und freie Meinungsäußerung zu respektieren und fordern die öffentliche
Auszählung aller Stimmen. In vielen Städten Latein- und Nordamerikas und
auch in Europa fanden Solidaritätskundgebungen gegen die Gewalt und den
Wahlbetrug in Honduras statt.
Das zentralamerikanische Land ist seit dem Militärputsch im Jahr 2009
nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die letzten zwei Amtszeiten durch die PN
haben die Rechtsstaatlichkeit praktisch beseitigt. Alle
Kontrollinstanzen wurden unter deren Kontrolle gebracht. Korruption,
Straflosigkeit, politisch motivierte Morde und der Ausverkauf der
natürlichen Ressourcen charakterisieren die letzten acht Jahre.
Die Proteste halten trotz Ausnahmestand an, zahlreiche Menschen gehen
trotz Ausgangssperre auch abends und nachts weiter auf die Straße. Das
Oppositionsbündnis hat indes für den heutigen Sonntag zu landesweiten
Demonstrationen gegen die Regierung Hernández und den TSE aufgerufen.